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den Grabsteinen Bürgerlicher kann man eine große Anzahl finden, bei denen das Uberwuchern der Wappendarstellung vor der anderen plastischen Arbeit in gleicher Weise ersichtlich ist. Die durch die Bildung der Helmzier und der mannigfachen Formen der Schildfüllung so reizvoll zu gestaltenden Wappen eigneten sich überdies vortrefflich zur künstlerischen ornamentalen Füllung der Fläche.
Die feine Verteilung des Ornamentes auf der Fläche bietet bei der Betrachtung der Steine in der Sophienkirche einen besonderen Reiz, der viele sonst handwerksmäßige Arbeiten künstlerisch bedeutender erscheinen läßt, als sie bei näherer Betrachtung sind. Dieser Eindruck wird noch erhöht durch die Bemalung und Vergoldung. Auch hierbei muß man den feinen künstlerischen Geschmack dieser Bildhauer des 17. Jahrhunderts bewundern. Ganz bemalt ist nur der Stein des Jakob Weller von 1664 (Taf. XXI, Abb. 3), bei einigen Steinen sind nur die Wappen bunt gehalten, während das übrige durch eine nicht aufdringliche zarte künstlerische Verwendung von Vergoldung abwechslungsreich gestaltet ist. Bei anderen Grabplatten ist ein bunter malerischer Eindruck hervorgebracht durch eine geschmackvolle Verbindung von Stein und Bronze, Bronzewappen oder -tafeln, die auf die Steine aufgesetzt sind, oder durch eine Verbindung von verschiedenen farbigen Steinarten miteinander. An letzteren war in Sachsen kein Mangel. In den Jahren 1585–1587 brachte z. B. Giovanni Maria Nosseni die Steinarten verschiedener, wenn auch früher schon bekannter Marmorbrüche zur eigentlichen Verwertung, so die von Lengefeld, Kalkgrün (Grüna), Wildenfels und Crottendorf, dessen schönes weißes, zum Teil rötlich oder grau geadertes Material zuerst von ihm systematisch abgebaut wurde. Wichtig für die Verarbeitung heimischer Steinarten waren auch der Dolomitbruch am Fürstenberg bei Schwarzenberg und der auch in dem Kunsthandwerk so viel bearbeitete Serpentinstein bei der Stadt Zöblitz.[1] In einem Berichte von 1659 an den Kurfürsten Johann Georg II. gibt der Oberlandbaumeister Wolf Caspar von Klengel folgendes Urteil über den weißen Crottendorfer Marmor ab: „Ist sehr klar an granito (Korn) und wird in der Tiefe immer härter. Dieser Marmor ist auch sehr ganz und Schneeweiß, auch in allen solcher perfection, daß er dem schönsten aus Graecien und Archipelagischen Inseln nichts bevor geben wird. Nicht ferne von jetzterwehnten befindet sich wiederum ein grauer Marmor-Bruch mit noch dunckelgrauen Fahrten, ist ganz und wird so große Stücke geben, als man wolle.“[2] Allerdings hatte der Erbauer der katholischen Hofkirche G. Chiaveri in seinem Berichte an König August III.
- ↑ Vgl. Altar und Taufstein in der Busmannkapelle und J. Schmidt, Gesch. d. Serpentin-Industrie zu Zöblitz in Mitt. d. K. S. Altertumsvereins XVb S. 1 flg.
- ↑ Revision derer Edelgesteine und Marmorbrüche, so auf Sr. Churfürstl. Durchl. Johann Georg des Andern Befehl geschehen im Jahre 1659 und diese Relation Sr. Churfürstl. Durchl. am 8. Novembris selbigen Jahres überreichet worden von W. C. K. OLB. Manuskript im Besitze der kgl. öffentl. Bibliothek. Steche, Bau- u. Kunstdenkm. d. Königr. Sachsen Heft IV S. 64. Nach Steche wurde der Crottendorfer Marmor auch beispielsweise verwendet durch Jac. van Campen am Rathause in Amsterdam, ferner zu Berlin und Kopenhagen, und diente als Material für die Denkmäler des Königs Friedrich August des Gerechten und Gellerts zu Leipzig.
Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 44. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/56&oldid=- (Version vom 23.2.2026)