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vom 15. August 1747 kein günstiges Urteil über den sächsischen Marmor gefällt, weil, wie er sagte, „der Land Marmor sehr zerbrechlich und schieferig“ sei. Chiaveri benutzte deshalb für den Fußbodenbelag der katholischen Hofkirche Marmor aus Carrara.
Eine Anzahl der Grabsteine in der Sophienkirche, die in ihrer Ausführung und im künstlerischen Entwurfe eine geringere Kunst zeigen, verleiten zu der Annahme, sie von gewöhnlichen Steinmetzen, nicht von Bildhauern verfertigt zu halten. Man beurteilt gern den künstlerischen Betrieb früherer Zeit nach dem der heutigen. Aus den im Ratsarchive aufbewahrten Zunftakten ersieht man jedoch, daß die Bildhauer und die Zunft der Steinmetzen im 17. Jahrhundert streng geschieden waren. Die Steinmetzen durften zwar einzelne Bauteile wie Tür- und Fenstergewände, Kanzelsäulen und dergleichen zuhauen, die eigentliche künstlerische Tätigkeit und demnach auch die Herstellung von Grabmälern war aber den Bildhauern vorbehalten.
Überschaut man die Grabdenkmäler der Sophienkirche, so macht man die gleiche Beobachtung, die sich auch aus einem Überblick über die sächsische Barockplastik im allgemeinen ergibt. Es ist eine große Übereinstimmung im Stil, in der Auffassung und Ausführung der Arbeiten vorhanden. Ein Gemeinsames der Zeitrichtung des 17. Jahrhunderts kommt sehr deutlich zum Ausdruck. Es tritt noch dadurch besonders in die Erscheinung, daß man selbst bei den minderwertigen Werken eine gewisse Virtuosität in der Beherrschung der Technik und des Materiales feststellen kann. Das erschwert das deutliche Erkennen einzelner Künstlerpersönlichkeiten aus jener Zeit, die Scheidung der einzelnen Arbeiten und ein zweifelloses Zuweisen an bestimmte Meister. Die Schwierigkeit vergrößert sich, weil die Akten, aus denen man sonst reiche Belehrung schöpfen kann, gerade in der Zeit des dreißigjährigen Krieges für künstlerische Dinge zumeist versagen und oft nur durch einen zufällig gefundenen urkundlichen Vermerk Aufklärung geben.
Sachsen ist sehr reich an plastischen Werken des 17. Jahrhunderts, aber die Namen ihrer Schöpfer kann man nicht nennen, weil an den Arbeiten inschriftliche Bezeichnungen fehlen. Anderseits kennt man aus Dresden und anderen sächsischen Städten eine Menge Namen von Bildhauern, ohne daß man weiß, was sie geschaffen haben. Bei einzelnen bedeutenderen Künstlern des 17. Jahrhunderts kann man aus den sehr gesprächigen gedruckten Leichenpredigten zuweilen einen Hinweis auf von dem Verstorbenen geleistete Arbeiten, die ihm zu Ehren dabei erwähnt werden, finden. Es sind aber für die kunstgeschichtliche Forschung nur selten verwertbare bestimmte Tatsachen. Man ist auf die stilistische Vergleichung angewiesen.
Für die plastischen Werke der Sophienkirche kommt in der Hauptsache die Bildhauerschule der für Dresden wichtigsten Künstlerpersönlichkeit jener Zeit, des Giovanni Maria Nosseni, in Betracht. Durch ihn wurden die Formen der italienischen Renaissance den sächsischen Bildhauern, die zahlreich in seiner Werkstatt arbeiteten, übermittelt und dadurch dauernd in Sachsen heimisch gemacht.
Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 45. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/57&oldid=- (Version vom 23.2.2026)