Seite:Die Sophienkirche in Dresden (1912).pdf/59
Für alle größeren bildhauerischen Arbeiten zog er fremde Kräfte heran. Daß er dafür immer die geeigneten Künstlerpersönlichkeiten zu wählen und zu werben verstand, muß ihm zum Verdienst angerechnet werden. Aus den Akten ist als sicher nachgewiesen worden, daß alle Bildhauerarbeiten der Fürstengruft in Freiberg, deren Errichtung ihm in Auftrag gegeben worden war, nicht von seiner Hand, sondern Werke anderer Künstler sind, insbesondere von Carlo de Cesare, den Nosseni in Italien angeworben hatte, geschaffen wurden. Nosseni war beim Bau in Freiberg und auch bei den anderen ihm aufgetragenen Arbeiten nur mehr der geistige Urheber, der die Pläne und Modelle entwarf und die Ausführung überwachte. Hieraus erklärt sich der einheitliche Eindruck, den die Freiberger Fürstengruft macht, obwohl sehr verschiedenartige Künstler dabei beschäftigt waren.
Der Bau des ihm im Jahre 1608 von dem Grafen Ernst von Schaumburg-Holstein in Auftrag gegebenen Mausoleums in Stadthagen wurde höherer Baukostenforderungen wegen nicht von Nosseni, sondern von dem Dresdner Steinmetzmeister Albrecht Dutthorn, der in seiner Werkstatt ausgebildet war, fortgesetzt und ist vermutlich 1625 zu Ende geführt worden. Das Grabmal des Fürsten im Inneren, eine herrliche Bronzegruppe des auferstandenen Heilands, an dessen Grabe vier Wächter sitzen, sowie der am Grabe befindliche plastische Schmuck sind von dem Niederländer Adrian de Vries geschaffen worden. Im Kontrakte hatte Nosseni seinen Schüler Sebastian Walther bestimmt, die anderen plastischen Arbeiten, die nicht dem Adrian de Vries in Auftrag gegeben waren, herzustellen. Eine Zeit lang war Nosseni am Lusthause auf der Jungfernbastei in Dresden als Architekt tätig. Der Bau erlitt vielfach Unterbrechungen und nach Nossenis Tode hatte sein Schüler und Nachfolger im Amte Sebastian Walther die Leitung des Baues übernommen, der auch den gesamten Bildschmuck, mit Ausnahme der hierfür bestimmten, von Carlo de Cesare noch in Freiberg hergestellten Arbeiten, schuf. Für die Festdekorationen, die sogenannten Inventionen, die in jener Zeit wie an anderen Fürstenhöfen auch am sächsischen Fürstenhofe sehr beliebt waren, war Nossenis Kunst und Phantasie im Entwerfen sehr geschätzt. Wie der Auftrag für das Mausoleum in Stadthagen zeigt, genoß Nosseni auch außerhalb Sachsens großes Ansehen. Der Herzog von Braunschweig, der Markgraf Christian von Brandenburg, Christian IV. von Dänemark erholten sich bei ihm künstlerischen Rat.
Von plastischen Arbeiten, als deren Verfertiger Nosseni genannt wird, hat sich außer einer künstlerisch unbedeutenden Arbeit, einem steinernen Tisch, der jetzt in der Königl. Porzellan- und Gefäßsammlung in Dresden aufbewahrt wird, nur der aus farbigem Marmor und Alabaster gefertigte Hauptaltar der Sophienkirche in Dresden erhalten. Von dem auf Bestellung der Kurfürstin-Witwe Sophie 1594 in der Schloßkirche zu Waldheim aufgeführten Altar ist nur noch die Altarplatte aus rotem Marmor übrig, und der Marmoraltar der Schloßkirche zu Lichtenberg bei Prettin, den die Kurfürstin Hedwig, die Witwe Christians II., im Jahre 1613 aufstellen ließ und für den Nosseni 600 Gulden verlangte, ist ebenfalls völlig zugrunde gegangen.
Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 47. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/59&oldid=- (Version vom 24.2.2026)