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Der Altar der Sophienkirche, der von der Kurfürstin-Witwe Sophie für die Summe von 3500 Gulden Nosseni in Auftrag gegeben worden war, wurde im Jahre 1606 im nördlichen Chore der Kirche errichtet. (Taf. XXII und XXIII.) Über dem Altartische baut sich der Altar, nach oben zu schmäler werdend, in zwei Säulenordnungen über einander, die untere korinthisch, vier glatte Säulen mit verkröpftem Gebälk, die obere jonisch, zwei Säulen, die ein Relief, die Grablegung Christi rahmenartig einschließen, auf. Zwischen den unteren korinthischen Säulen stehen in Nischen die etwa 1 m hohen Statuen des Moses und des Petrus, zwischen den Mittelsäulen, ebenfalls in Rundplastik, der Gekreuzigte mit Maria und Johannes vor einer Blendarchitektur. Zu beiden Seiten des Gekreuzigten liest man die Inschriften:

1. Cor. 2. Ich hielt mich nicht dafür / das ich etwas wüsste unter euch / ohn allein Jesum Christum den gekreuzigten.

Galat. 6. Es sey ferne von mir / rhuemen / dann alleine von dem Creutze unsers Herrn Jhesu Christi.

Als Predella dienen vier Postamente mit Inschrifttafeln:

Math. 26. Christ spricht: Nemet, esset, des ist mein Leib, der für Euch gegebenn wirdt. Das thut zu meinem Gedechtnis.

Math. 26. Trincket alle daraus, das ist mein Blut des neuen Testaments welches vergossen wird zur Vergebung der Sündenn.

Cor. 11. Der Mensch prüfe sich selbs und also esse er von diesem Brot und trinck von diesem Kelch.

Cor. 11. Welcher unwürdig isset und trincket der isset und trincket ihm selber das Gerichtte.

Zwischen den mittleren Postamenten ist ein Alabasterrelief, das Abendmahl darstellend, eingelassen.

Über der Kreuzigungsgruppe auf der Brüstung der oberen Säulenordnung stehen die Worte:

„Deine Todten werden leben und mit dem Leich / nam aufferstehen. Wacht auf vnd rhumet die ihr ligt vn / der der Erden. Dann dein Taw ist ein Taw des grünen Feldes / Jesaias 26.“

Am Fuße der oberen Ordnung vermitteln Konsolen und Giebelanschwünge mit Marterwerkzeuge tragenden Putten den Übergang von dem breiteren unteren zum schlanker werdenden oberen Aufbau des Altares. Den oberen Abschluß bildet ein barocker Giebel, auf dessen seitlichen Voluten Engelknaben sitzen und dessen Mitte die Inschrift trägt:

„Christus / ist vmb vnsrer / Sünde willen dahin / gegeben vnd vmb / vnsrer Gerechtikeit willen / aufferwecket.“

Als oberste Bekrönung schmückt den Altar der auf der Weltkugel stehende auferstandene Heiland mit der Glaubensfahne, zu seinen Füßen liegen die kleinen Gestalten des Todes und des Teufels. Auf der Weltkugel fand ich die eingeritzten Zeichen: D . M . H und x C x I x. 1607.

Empfohlene Zitierweise:
Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 48. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/60&oldid=- (Version vom 24.2.2026)