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Die Tatsache, daß Nosseni bei allen seinen plastischen Aufträgen nicht selbst schaffend war, sondern andere Künstler oder Gehilfen seiner Werkstatt mit der Ausführung seiner Entwürfe beauftragte, der Umstand, daß das vermutlich einzige von seiner Hand gefertigte Werk, der Tisch in der Porzellansammlung, eine geringwertige Arbeit bedeutet, und daß der Altar der Sophienkirche verschiedene Künstlerhände deutlich erweist, lassen die Hypothese als begründet erscheinen, daß Nosseni wohl der geistige Urheber des schönen, der italienischen Renaissancekunst entstammenden Altares ist, daß aber die Ausführung der einzelnen Teile desselben seinen tüchtigsten Werkstattgehilfen von ihm übertragen worden war. Daß Nosseni als Schöpfer des ihm bestellten und von ihm gelieferten Altares galt, kann den nicht wundern, der den Werkstattbetrieb früherer Jahrhunderte kennt. Es ließen sich genügend viele Beispiele aus dem 16. und 17. Jahrhundert aus Sachsen und anderen Ländern dafür anführen, daß Werke unter dem Namen eines Meisters aus einer Werkstatt hervorgingen, an denen die wesentlichsten Teile von einem Werkstattgehilfen herrührten. Nosseni beschäftigte stets eine beträchtliche Zahl von Gehilfen in seiner Werkstatt. Sebastian Walther (1576 bis 1645), sein späterer Amtsnachfolger, war der hervorragendste unter ihnen, ihm dürfte Nosseni Hauptteile eines so bedeutenden, von der Kurfürstin Sophie bestellten Werkes, wie der Altar in der Sophienkirche, übertragen haben.

An den plastischen Arbeiten am Altare müßten wir demnach die Kunstart Sebastian Walthers feststellen können. Sicher beglaubigte Arbeiten von der Hand Sebastian Walthers, die man zur stilistischen Vergleichung heranziehen könnte, sind aber nicht vorhanden. Einen Anhalt könnte vielleicht der Taufstein aus der Kirche von Kötzschenbroda bieten, der 1887 der Diaspora-Gemeinde Rosendorf i. B. geschenkt wurde. Über diesen Taufstein berichtet eine Urkunde, daß er „von Herrn Bastian Walthern, weil H. Heegewald drüber verstorben, verfertiget worden, kost 50 Thlr., das Mahlwerk davon 30 Thlr., die Decke 12 Thlr.“ Die Nachricht gibt keine festen Anhaltspunkte, denn sie sagt nicht, wie viel von dem über dieser Arbeit verstorbenen Hegewald bereits daran geschaffen war. Es bleibt die Möglichkeit, daß Walther den Taufstein nur fertig stellte und ablieferte; der Auftrag war zweifellos dem Bildhauer Hegewald erteilt worden. Im übrigen ist die bildhauerische Arbeit an diesem Taufsteine so geringfügig, daß sich ein bestimmtes Urteil von ihr nicht ableiten läßt. Im Kgl. Grünen Gewölbe in Dresden wird ein Alabasterrelief, die Verkündigung der Geburt Christi an die Hirten, aufbewahrt, das die Bezeichnung S. W. 1640 trägt und von Erbstein, jedoch ohne anderen sonstigen Nachweis, dem Sebastian Walther zugeschrieben wurde.[1] (Taf. XXIV.)

Die Kunstart Sebastian Walthers läßt sich aber von einem anderen Werke aus feststellen. Es ist das Epitaph des Nosseni, das dieser sich vier Jahre vor


  1. Julius Erbstein. Das Königliche Grüne Gewölbe zu Dresden. 2. Aufl. Dresden 1894. S. 49. No 37.
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Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 49. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/61&oldid=- (Version vom 24.2.2026)