Seite:Die Sophienkirche in Dresden (1912).pdf/63
bildet ein verkröpftes Gebälk den oberen Abschluß. Die Gestalt des Ecce homo steht vor einer im oberen Teile als Muschel geschlossenen Flachnische und wird von zwei übereck gestellten korinthischen Marmorsäulen seitlich begrenzt, die auf den vorragenden Konsolen des Frieses aufstehen.
Wie Oettrich berichtet, haben die Bildhauer Walther und Hegewald das Epitaph ihres Meisters gefertigt. Gelingt es nun zweifellos, das aus der gemeinsamen Arbeit zu sondern, was Zacharias Hegewald gearbeitet hat, so muß das andere den Kunststil Sebastian Walthers bezeichnen. Zu gleicher Zeit tätige Bildhauer namens Walther treten vor der künstlerischen Bedeutung Sebastian Walthers als dem hervorragendsten Gehilfen und dem Amtsnachfolger Nossenis, als der er auch noch späterhin in der Überlieferung bekannt blieb, zurück und kommen nicht in Betracht. Gerade der Umstand, daß bei Oettrich ein Vorname nicht genannt wird, weist auf den berühmtesten des Namens, Sebastian Walther, hin. Daß zwei verschiedene Hände an dem Werke tätig waren, ersieht man deutlich auch ohne Berücksichtigung der schriftlichen Überlieferung, denn der Ecce homo unterscheidet sich stilistisch scharf von den Alabasterreliefs der beiden Seiten.
Sieht man sich nach Arbeiten Hegewalds um, so findet man nur einzelne Reste eines Werkes von ihm erhalten, Teile eines früheren Altares der Kirche in Kötzschenbroda, der nach dem Umbau der Kirche in den Jahren 1884/85 entfernt worden war. Es sind ein Alabasterrelief, die Geburt Christi darstellend, ein zweites mit der Taufe Christi und ein rundes, die Himmelfahrt (Taf. XXVII), von einem breiten Rahmen aus derbem Rollwerk, in das geflügelte Engelsköpfe eingesetzt sind, umschlossen. Ferner gehörten zu diesem Altare fünf Statuen aus Sandstein: Christus auf der Weltkugel stehend, die Apostel Paulus und Johannes (Taf. XXVIII, Abb. 1) und zwei geflügelte weibliche Figuren. Trotz der Übertünchung dieser Arbeiten kann man, besonders bei den Statuen und dem Rundrelief der Himmelfahrt, den Stil und die künstlerische Eigenart ihres Verfertigers noch gut erkennen. Diese stimmen bis in Kleinigkeiten mit dem Ecce homo des Nossenischen Epitaphs überein. Die Gleichheit in der Haltung und Auffassung der Figuren ist deutlich ersichtlich. Die Haupthaar- und Bartbehandlung wird in bewegten gelockten Strähnen gegeben, bei deren Enden und an anderen Stellen regelrechte Bohrlöcher stehen geblieben sind. Auffallend sind die rechtwinklig zum Nasenansatz verlaufenden oberen Teile der Augenhöhlen und die sehr schmalen oberen Augenlider. Das in schönen Falten mit großen breiten Flächen behandelte Gewand ist an manchen Stellen wie vom Winde bewegt vom Körper abgeweht. Es finden sich tiefe langgezogene, an ihren Enden rundlich und ziemlich breit ausgehende Faltennester, das zu den Füßen der Gestalten sich stauende Gewand bildet gehäufte Partien. Die Körper sind muskulös, die Hände mit breiten Handwurzeln und besonders kräftigen Fingern mit sehr langen ersten Gliedern gebildet, die Füße mit sehr hohem Mittelfuß zeichnen sich durch Vorstehen der zweiten über die erste Zehe aus, die letztere hat eine etwas eingebogene breite Form. Man könnte noch mehr
Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 51. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/63&oldid=- (Version vom 24.2.2026)