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Nosseniepitaph führt mit Notwendigkeit dazu, auch den Altar dem Sebastian Walther zuzuschreiben, ausgenommen das untere Relief des Abendmahls, das von anderer Hand ist, die Bekrönungsfigur des Heilands auf der Weltkugel, die den Stil und die Art Hegewalds aufweist und geringfügigere ornamentale Einzelheiten, die von verschiedenen untergeordneten Werkstattgehilfen gemeißelt zu sein scheinen.
Es tritt nun noch die Frage auf, wer das Abendmahlrelief am Altare gearbeitet hat. (Taf. XXX.) In seiner Komposition unterscheidet es sich wesentlich von Abendmahlsdarstellungen der deutschen Kunst.
In einer Säulenhalle haben sich an einem ovalen Tische der vor einem aufgehängten Vorhange sitzende und durch den Heiligenschein ausgezeichnete Heiland und seine Jünger zum Mahle niedergelassen. Durch die hinteren Bogen der Halle sieht man in weiter Perspektive mächtige säulengeschmückte Bauten, Pyramiden, einen Kuppelbau und ähnliches. Zwischen den Säulen sind links ein Wächter und ein Diener, der in einer großen flachen Flasche Wein herzuträgt, rechts ein Diener und der durch die Schlüssel am Gürtel kenntlich gemachte Kellermeister an einem Tische bemerklich. An der Säule stehen eine Kanne und ein Mischgefäß, wie die von der Decke herabhängenden Ampeln in reichen Renaissanceformen gehalten. Während Christus und die Jünger in ideale, sind die Diener in weltliche Tracht gekleidet. Die Gestalten sind fast alle in übertrieben kräftigen Formen mit stark hervortretenden Muskeln gegeben, die vielfach umgebogenen unruhigen Gewandfalten sind nicht eigentlich knitterig zu nennen, sondern sehen teilweise eher wie glattgestrichen und bei manchen Figuren wie künstlich gelegt aus. Diese Darstellung des Abendmahls in einer Säulenhalle mit dem Ausblicke auf Bauten und der seitlichen Anordnung der Diener zwischen den Säulen erinnert zu auffällig an die bekannten Gastmahlsdarstellungen Paolo Veroneses, als daß dieser Name hier nicht genannt werden müsste, um die Heimat der Komposition zu bezeichnen. Auch einzelne der Jünger Christi erinnern sehr an italienische Vorbilder, wie auch die ganze Art der malerischen Reliefbehandlung. Es kann kein Zweifel sein, daß dieses Abendmahlrelief von einem Jtaliener oder einem mit der italienischen, vor allem der venezianischen Kunst vertrauten Künstler entworfen worden ist. Mackowsky (S. 99) weist den Entwurf und die wenig bedeutende Ausführung des Reliefs dem Nosseni selbst zu und bezeichnet dieses Werk als das den Kunststil des Meisters veranschaulichende. Da wir keine einzige beglaubigte Bildhauerarbeit des Nosseni besitzen, die zum Vergleiche herangezogen werden könnte, seine Grabschrift und andere Nachrichten ihn nur Architekt, nicht Bildhauer nennen, so dürfte wohl der Entwurf für dieses Relief von Nosseni stammen, das Meißeln des Reliefs aber nach seiner Gepflogenheit einem der zahlreichen und bislang unbekannt gebliebenen Gehilfen seiner Werkstatt übertragen worden sein.
Die Feststellung, daß Sebastian Walther der Schöpfer der Alabasterreliefs am Nosseniepitaph und der genannten Teile am Altare war, läßt nunmehr eine
Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 53. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/65&oldid=- (Version vom 26.2.2026)