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Den oberen Teil des Altares in der Nordsakristei nimmt ein Alabasterrelief, die Kreuztragung, ein. (Taf. XXXI, Abb. 2.) Die gehäufte Komposition der sehr lebhaft bewegten Gestalten erinnert an Kupferstiche gleichen Inhalts von Martin Schongauer und Albrecht Dürer. Bemerkenswert ist die Gewandbehandlung, an der neben breiten Flächen Faltennester mit kleinen tiefgebohrten Löchern auftreten. Außer in der Komposition und der Gewandbehandlung erweist sich die deutsche Art dieses Meisters in der Darstellung einer größeren Anzahl hervorstechender charakteristischer Köpfe mit phantastischen Kopftrachten. Der unter der Last des Kreuzes in die Kniee gesunkene Christus wendet sein Antlitz einer rückwärts stehenden Frauengestalt zu, welche, die Hände betend gefaltet, mit schmerzlich verzogenem Antlitz ihren Blick in die Augen des Heilandes versenkt. Diese Frau, ebenso wie der durch Haar- und Barttracht sowie persönliche Auffassung bemerkenswerte Kopf des Simon von Kyrene, sind trefflich ausgeführte Bildnisse, in denen man wohl mit Recht Mitglieder der Familie, der einst dieses Relief als Epitaph zugehörte, erblicken kann. Oettrich beschreibt auf S. 115 das neunzehnte Epitaph aus Marmor, Alabaster und Metall mit folgenden Worten: „Am 4ten Pfeiler siehet man ein Epitaphium, welches vorstellet die Ausführung Christi sein Creutz tragend. Zu beyden Seiten stehen Moses und Johannes der Täuffer, oben drüber ist die Auferstehung Christi, der den Teuffel unter seine Füße tritt, neben welcher der Glaube und die Hoffnung und zu alleroberst ein Engel, unten aber die Gedult, zwischen welcher zwey Mettaline Täfelgen mit folgenden Schriften zu sehen sind.“ – Es war das Epitaph der 1629 verstorbenen Gertrud Helffrich geb. Dörer, Gattin des kurfürstl. Rates Nicolaus Helffrich. Gertrud Helffrich dürfte demnach in der den Heiland anbetenden Frauengestalt auf dem Relief im Bildnis dargestellt sein, ihr Gatte in der Gestalt des Simon von Kyrene. Von dem Epitaph sind noch, allerdings in sehr verstümmeltem Zustande, drei Statuen, Hoffnung, Glaube und Johannes der Täufer früher in das Stadtmuseum gerettet worden. (Taf. XXVIII, Abb. 2.) Durch die Eigenart der Gewandbehandlung und durch andere Merkmale ist die Zugehörigkeit dieser drei Figuren zu dem Relief unschwer zu erkennen. Da mir keine anderen im Stile damit übereinstimmende Arbeiten bekannt geworden sind, vermag ich einen Künstlernamen für das schöne Relief und die zugehörigen drei Figuren nicht zu nennen. Sebastian Walther, wie Gurlitt in Heft 21 der Bau- u. Kunstdenkm. d. Kgr. Sachsen S. 106 vermutet, kann nach allem vorher Gesagten nicht dafür herangezogen werden.

Zwei Grabsteine aus der Sophienkirche dürften dagegen dem Sebastian Walther noch zuzuweisen sein, der des 1639 verstorbenen Rudolph von Vitzthum aus dem Hause Apolda (Taf. XXXII, Abb. 1) und der einer Gattin Nossenis, der 1606 verstorbenen Christina geb. Hanitsch. (Taf. XXI, Abb. 4.) Bei dieser sind die Engelvoluten und die Engel mit dem schopfartig gelockten Haar, sowie die Falten der Tücher, auf denen die Engel gelagert sind, mit ähnlichen Darstellungen auf den anderen Sebastian Waltherschen Werken völlig übereinstimmend.

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Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 55. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/67&oldid=- (Version vom 26.2.2026)