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Keines der erhaltenen wertvollen Epitaphien ist völlig unversehrt geblieben. Ein durch Vornehmheit der Gestaltung und Beherrschung der Bronzetechnik gleich ausgezeichnetes Werk ist das dem Altar benachbarte, an der Nordwand befestigte Wandnischendenkmal der im Jahre 1652 verstorbenen Herzogin Sophie Hedwig von Sachsen. (Taf. XXXIII, Abb. 1.) In einer Nische, die von zwei Marmorpfeilern seitlich begrenzt und oben von einer Renaissancemuschel abgeschlossen wird, kniet die Herzogin, vor ihr zur Seite ihre beiden verstorbenen Kinder. Die drei Figuren sind aus Bronze gefertigt. An den Pfeilerfüßen stehen die Bronzewappen von Sachsen und Schleswig-Holstein jetzt völlig unkonstruktiv auf den Schildspitzen. Wie Tafel IX bei Kirsten zeigt und wie es in der Beschreibung bei Oettrich S. 102 vermerkt ist, waren ursprünglich zwei stehende Putten als Schildhalter angebracht und zwar in völlig gleicher Art, wie die Schildhalter an den italienischen Renaissancegrabmälern. Leider sind diese beiden Marmorfiguren bei einer früheren Instandsetzung der Kirche spurlos verschwunden. An den äußeren Seiten der Pfeiler vermitteln Konsolen, die in weiblichen Hermen enden, den Übergang von dem reich ausgestatteten unteren Teile des Denkmals zum oberen Abschluß. Dieser besteht aus einem barocken Giebel, auf dem zwei eine Fruchtschnur haltende Engelkinder gelagert sind, und als Bekrönung dient über einem Engelskopf mit Volutenumrahmung ein hochaufragendes Kruzifix. Den unteren Teil des Epitaphs bilden an den Seiten unter den Pfeilern zwei Konsolen mit Frauenköpfen, von denen nach unten zu einer Mittelkonsole Fruchtkränze ausgehen und die ein Bronzeschild begrenzen, das folgende Inschrift trägt:
Der Durchlauchtigen Hochgebornen Fürstin und Frawen Frawen Sophien Hedwigen, Hertzogin zu Sachßen, auch Cleve und Berg, geborner Hertzogin zu Schleßwig und Holstein. Des durchlauchtigen Hochgebornen Fürsten und Herrn Herrn Moritzens Hertzogens zu Sachßen auch Cleve und Berg weyland hertzvielgeliebten Gemahlin. Welche nebenst dero beyden jungen Herlein Hertzog Johann Philippsen seynes Alters 19 und Moritzens 32 Wochen und 7 Tage alt dieses Orts beygesetzet. Verschied in GOTT selig allhier zu Dreßden den 27. September anno 1652. Nachdem sie des Tages zuvor obgedachtes jüngsten Herrleins genesen und und Ihr Alter auff 22 Jahr weniger 10 Tage gebracht und im Ehestande 1 Jahr 10 Monat 8 Tage gelebet. Derer Seelen in GOTTES Hand.
Das Werk ist für die sächsische Kunst der Zeit deshalb besonders bemerkenswert, weil es deutlich die Vermengung der italienischen und niederländischen Formen zeigt. Die Muschel, die verlorenen Schildhalter und die Engel, sowie der architektonische Aufbau können die Herkunft aus Italien nicht verleugnen, wogegen die schlichte Gestalt der knieenden Fürstin, die ineinander gesteckten Blätter der Fruchtgehänge, die seitlichen Konsolen u. a. Bildungen sind, wie man sie an niederländischen Arbeiten zu sehen gewöhnt ist. Der Name des Künstlers dieser vorzüglichen Arbeit ist leider nicht bekannt.
Mit der Bezeichnung: „Hans Reis alhier goss mich anno domini 1.6.1.5.“ versehen ist das Bronzeepitaph des Karl von Osterhausen, † 1606, jetzt im Stadtmuseum.
Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 56. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/68&oldid=- (Version vom 26.2.2026)