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eine reizvolle Behandlung aus. In der Bearbeitung des Steines und in der Form und Stellung der Wappen weist dieser Grabstein noch besondere Merkmale auf, die ihn mit zwei anderen Grabsteinen, dem schon genannten der Clara Elisabeth von Haugwitz und dem des Paul John, in Zusammenhang bringen. Bei allen drei Grabsteinen ist der äußere rahmenartig erhöhte Schriftrand nur der Schrift vorbehalten und wird an keiner Stelle durch einen Teil der Figur überschnitten, wogegen das bei der inneren Hohlkehle des Randes in ausgedehntem Maße der Fall ist. Die Köpfe reichen auf allen drei Grabsteinen bis an den Schriftrand und die Wappen greifen über die Hohlkehle hinaus. Besondere Übereinstimmungen, welche die Herkunft der Steine aus derselben Werkstatt annehmen lassen, dürften auch in der Art der Helmdecken, der Form der Schilde, in der Verzierungsweise des Grundes, dem Faltenwurf und der besonderen Behandlung der Hände mit eigenartig gebildeten äußeren Fingergliedern und Nägeln zu finden sein. Allerdings befremdet zuerst das wenig durchgebildete Antlitz der Frau von Haugwitz im Vergleiche zu den ausdrucksvollen Köpfen der beiden anderen Dargestellten. Den Formen der Buchstaben kann bei der Vergleichung von Grabsteinen im 17. Jahrhundert kein besonderer Wert beigemessen werden. Die Schrift, die zumeist wohl von untergeordneten Werkstattgehilfen ausgemeißelt wurde, ist häufig bei Grabsteinen, die nachweislich aus derselben Werkstatt stammen und in derselben Zeit entstanden sind, ganz verschieden.

Hervorragend gute Bildnisdarstellungen und Beweise von bedeutendem Können sind die beiden in der Auffassung und Behandlung völlig von einander verschiedenen Grabsteine des Michael Schulze und des Christian von Treben. Wirkt die Gestalt des Michael Schulze mehr durch die Frische und Lebendigkeit der Darstellung und die absichtlich in großen Flächen behandelte Gewandung, so übertrifft der Grabstein des Christian von Treben alle anderen an künstlerischem Werte. Diese Arbeit zeigt eine vorzügliche Beherrschung des Reliefstils. Kühn setzt sich der Meister über den Zwang hinaus, den sonst der Schriftrand auf die Figur des Dargestellten ausübt. Die Gestalt, der Helm und die Wappen sind völlig ungezwungen auf der Fläche verteilt. Die vornehme Männergestalt ist in ihrer ganzen Haltung sehr lebendig, Kopf und Hände naturwahr und individuell gestaltet. Besonders geglückt ist die Wiedergabe der weichen Haarwellen. Die Haartracht nimmt noch die Aufmerksamkeit in Anspruch durch den langen Zopf mit dem Kleinod an der Spitze, der über die linke Schulter auf die Brust herabfällt. Vortrefflich ist das Stoffliche der Kleidung gekennzeichnet. Der große künstlerische Eindruck leidet allerdings ein wenig durch die etwas kleinliche Durchbildung der Rüstung und Kleidungsstücke, bei denen jede Niete und jede Spitzenmasche mit peinlicher Genauigkeit wiedergegeben sind. Ohne Zweifel hat man es hier mit der Arbeit eines ganz bedeutenden Künstlers zu tun, dessen Name vielleicht durch zufällige Funde übereinstimmender und bezeichneter Arbeiten oder durch urkundliche Hinweise einmal bekannt werden wird.

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Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 66. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/78&oldid=- (Version vom 2.3.2026)