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Grabstein des Elias Lehmann, † 1691, kurfürstl. sächs. Leibarzt. (Taf. LIII.) In der Mitte des Steines wird von zwei gemeißelten Putten das metallene Wappen des Verstorbenen gehalten. Darüber und darunter sind für die Inschrift, die nur in dem oberen vorhanden ist, zwei erhabene Felder hergestellt, die von schweren wulstigen Blattranken rahmenartig eingefaßt werden.
Die Grabungen im Jahre 1910 haben viele schöne Werke der
Bildhauerkunst zutage gebracht und diese Zeugen einer reichen Kunstbetätigung im
17. Jahrhundert in Dresden wieder einer allgemeinen Betrachtung und Würdigung
zugeführt. Vieles jedoch, über das uns insbesondere Oettrich in seinem
Verzeichnis, für dessen Anfertigung wir ihm heute noch dankbar sein müssen,
Nachrichten überliefert hat, scheint für immer verloren zu sein. Man kann annehmen,
daß z. B. die Grabdenkmäler der bekannten Dresdner Baumeister, des 1691
verstorbenen Wolfgang Kaspar von Klengel, von dem Oettrich als einem kostbaren
Epitaphium spricht, und seines Nachfolgers im Amt als Oberlandbaumeister Johann
Georg Starke, † 1695, die beide in der Sophienkirche bestattet wurden, sicher
bedeutendere Werke waren. Von einem jedenfalls sehr beachtenswerten
Kunstwerk, das aus dem Jahre 1608, demnach der Zeit, als die Nosseni-Werkstatt blühte,
stammte, berichtet Oettrich auf Seite 42, 43. Es war das Doppelgrab des kurfürstlich
sächsischen Kanzlers Bernhard von Pölniz und seiner Gattin Ursula und stand in
der Halle am Eingang zur Kirche. Die Eheleute waren in Lebensgröße mit
gefalteten Händen neben einander liegend dargestellt, zweiunddreißig Ahnenwappen
an dem Grabmal angebracht. Zur Zeit der Anfertigung dieses Denkmals lebte
der Gatte noch, denn er unterzeichnete noch im Jahre 1611 mit anderen Räten,
deren einige ebenfalls in der Sophienkirche ihre Ruhestätte fanden, die dem Rat
und der Stadt vom Kurfürsten Johann Georg I., der in jenem Jahre die
Erbhuldigung der Dresdner Bürgerschaft entgegennahm, verliehenen Statuten,
Privilegien und Freiheiten. Wie so manche andere Hinweise auf die Kulturverhältnisse
jener Zeit bei Oettrich zu finden sind, so ist auch einer aus der kurzen
Aufzeichnung bei diesem Grabmal herauszulesen. Oettrich führt an, daß Ursula von Pölniz
„in harter Geburt zusamt der bei sich tragenden Leibesfrucht Todes verblichen
ruhet“. Fast auf jeder Seite des Verzeichnisses kann man ähnliche inhaltsschwere
Worte lesen. Die Zahl der in jungen Jahren verstorbenen Frauen, die ein Opfer
der mangelnden Hygiene und der geringen medizinischen Kenntnisse dieser Zeit
wurden, ist unverhältnismäßig groß.
Die Bildwerke geben in ihrer Gesamtheit einen guten Begriff der bildhauerischen Tätigkeit des 17. Jahrhunderts in Dresden und zeigen, daß die sächsische Plastik der Spätrenaissance ihre Fortsetzung ohne Unterbrechung im 17. Jahrhundert gefunden hat und daß dieses Jahrhundert nicht vor dem vorhergehenden zurücksteht. Wie in diesem waren in jenem gute Künstler am Werk. Nur wenige der erhaltenen, aus der Sophienkirche stammenden plastischen Arbeiten konnten
Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 78. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/90&oldid=- (Version vom 7.3.2026)