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Die feierliche Aufbahrung der Verstorbenen aus vornehmen und reichen
Familien gestaltete sich im 17. Jahrhundert zu einer Schaustellung, bei der die
Liebe von Verwandten und Freunden oft das Maß an Ehrungen überschreiten
ließ. Wie bei den ruhmredigen Grabinschriften des 17. Jahrhunderts, so wandte
man auch bei der Bestattungsfeierlichkeit alles auf, um Reichtum, Stellung und
Einfluß des Verstorbenen äußerlich erkennen zu lassen. Der Kleiderluxus der
Zeit machte selbst nicht vor den Särgen der Toten halt. Kostbarer Spitzenbesatz,
wertvolle Tressen, Knöpfe aus Edelmetall finden sich fast in allen Gräbern
vornehmer Personen des 17. Jahrhunderts. Zur Tracht gehörte auch der Schmuck,
Geschmeide, Orden u. a., ein kostbar eingebundenes Gebetbuch und ein Kruzifix
wurden dem Verstorbenen in die gefalteten Hände gelegt.
Allgemein war die Sitte, den Frauen und Kindern fein gearbeitete Perlenkränze und Totenringe mit in das Grab zu geben. In allen Frauen- und Kindergräbern des 17. Jahrhunderts sind diese Gegenstände vorgefunden worden. Wie wir heute unseren lieben Toten Kränze auf das Grab geben, so wurden in jener Zeit Kränze in den Sarg gelegt und kleine Fingerringe als Liebes- oder Freundschaftszeichen verehrt. Die Kränze bestanden aus auf Draht gereihten Silberperlen, Blumen, Girlanden und andere Ornamente bildend, die vielfach ein wertvolles Mittelstück von Goldschmiedearbeit oder aus echten Perlen bestehend tragen, das die Anfangsbuchstaben des Namens und das Todesjahr des Verstorbenen enthält. (Taf. LIV.) Die Kränze waren oft in ihrer ganzen Ausdehnung mit durchbrochenen Knöpfen in Gold- und Emailarbeit besetzt, die wiederum größere und kostbare Perlen gefaßt hielten, wie sie in ihrer füllhornartigen Form und Rosettengestalt die Abbildungen (Taf. LV) darstellen. Wie diese Kränze, wurden auch die Totenringe eigens als Grabbeigaben angefertigt und waren jedenfalls beim Goldschmied vorrätig zu kaufen. Daß diese Ringlein nicht von Lebenden getragen wurden, erweist ihre auf den Tod bezügliche Ausstattung, wie z. B. ein Totenkopf mit gekreuzten Knochen, ein weißes Kreuz in schwarzem Schilde, die in weißem Email auf schwarzem Grunde angebrachten Buchstaben J.E.S.V.S oder ein Lamm mit der Glaubensfahne und ähnliches. Diese Ringe sind so klein und dünn, daß sie sich zum wirklichen Gebrauche unmöglich eignen konnten.
Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 80. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/92&oldid=- (Version vom 7.3.2026)