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Sehr feine Arbeiten der Goldschmiedekunst sind die silbernen Buchbeschläge, deren Mittelstück zumeist das gravierte oder emaillierte Wappen der Familie zeigt, und vor allem die goldenen und silbernen Kruzifixe. (Taf. LIV.) Die Durcharbeitung des Körpers Christi, die gute Ziselierung geben diesen kleinen Arbeiten des Kunsthandwerks eine ganz besondere Bedeutung, umsomehr als man, trotz der verhältnismäßig großen Zahl der zutage gekommenen, eine reiche Mannigfaltigkeit in der Auffassung und Ausarbeitung des Körpers beobachten kann. Von den gefundenen Kruzifixen beanspruchen zwei eine besondere Beachtung. Das eine der Kreuze steht auf einem konsolartigen Untersatz, auf dem auch die kleinen Statuetten von Maria und Johannes am Fuße des Kreuzes angebracht sind. Es wird jetzt im Zimmer des Kirchenamtsvorstandes aufbewahrt. Das andere auf der Abbildung wiedergegebene Kreuz, im Stadtmuseum, ist eine treffliche Holzschnitzarbeit. (Taf. LIV.) Der Kopf des Heilandes von ergreifender und edelster Gestaltung, der Körper von großartiger Durchbildung legen Zeugnis dafür ab, daß diese Arbeit aus der Hand eines sehr tüchtigen Künstlers hervorgegangen ist.
In den Grüften der Sophienkirche wurden gefunden und in das Stadtmuseum gebracht:
| 69 | Ringe, | |
| 8 | einzelne Anhänger und Kleinodien, | |
| 28 | Armbänder, | |
| 21 | Ketten, darunter 8 Ordensketten und eine Anzahl Knöpfe, Zierrate und einzelne Kettenteile. (Taf. LV bis LXI.) |
Unter den Eheringen fanden sich nur wenige glatte unverzierte, die meisten, schmale dicke Reife, sind mit einer Verzierung von Ranken- oder Blumenornament aus schwarzem Email versehen. Als Verlobungs- oder Freundschaftsringe kann man wohl die bezeichnen, bei denen an der oberen breiteren Fläche zwei Hände ein Herz halten. Die Hände sind mit weißem, das Herz mit rotem Schmelz überzogen. Außer der gewöhnlichen Art der Siegelringe, unter denen sich einer mit einer antiken Gemme befindet, weisen die doppelten und vierfachen Ringe Formen auf, die wie in jener Zeit, heute wieder vielfach angefertigt werden. Durch eine besondere Drehung fügen sich die beiden oder die vier Glieder so zusammen, daß sie ein Ganzes bilden. (Taf. LVI.) Im Stadtmuseum wird ein ähnlicher, aus der Kreuzkirche stammender, Ring aufbewahrt, der aus drei um eine Achse beweglichen Reifen besteht. Die Siegelringe haben die aus dem Mittelalter übernommene Form beibehalten, der den Stein einschließende Kasten ist mit dem Ringe aus einem Stück gearbeitet. (Taf. LVII.) Wie bei den Eheringen, sind auch hier die glatten Flächen durch Email, das sogenannte Champlevé, in schwarz oder weiß, geschmückt, eine Verzierungsart, die gegen das Ende des 16. Jahrhunderts aufkam. Von ganz bedeutendem materiellen und künstlerischen Werte sind die Ringe mit edlen Steinen, Diamanten, Rubinen, Smaragden und bunter Schmelzarbeit. Schon der mittelalterliche Ring zeigt die Vorliebe für einen hochaufragenden Stein, die im
Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 81. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/93&oldid=- (Version vom 16.3.2026)