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und verschieden geformten Edelsteinen, Halbedelsteinen und Gemmen hergestellt sind. Das hervorragendste Stück ist ein Männerarmband aus Goldgeflecht, dessen drei das Geflecht umschließende Ringstücke und das mit zwei einen schwarzen Anker haltenden Händen aus weißem opaken Email versehene Schloß mit prachtvoll geschliffenen Rubinen und Diamanten besetzt sind. (Taf. LVIII.) An diesem kostbaren Armband kann man auch die Vollendung der damaligen Emaillierkunst bewundern. Wenn auch große Teile eines Stückes mit Schmelzfarben überzogen sind, so haben es die Goldschmiede doch trefflich verstanden, andere kleine Partien in Gold stehen zu lassen und dadurch der ganzen farbigen Erscheinung Ruhe zu verleihen. Die alten Prachtstücke mit farbigem Email machen keinen bunten Eindruck, sondern weisen eine wohltuende Farbenharmonie auf.
Dieser Vorzug und der weitere, daß die Ketten, Armbänder und Anhänger, obgleich sie die mannigfachsten Formen aufweisen, doch so gearbeitet sind, daß sie sich dem Körper leicht anschmiegen, sind auch in hervorragendem Maße an den kostbaren Ordensketten festzustellen, die einen höchst wertvollen Schatz für sich ausmachen. Die acht Ordens- oder Gesellschaftsketten stammen aus der Zeit von 1589 bis etwa 1630. Sie sind an vornehme Persönlichkeiten verliehene Gnadenbeweise von Fürsten, Abzeichen der Zugehörigkeit zu Gesellschaften, die einstmals blühend und tatkräftig edle Ziele verfolgten und die dazu beitragen sollten, wesentliche Übelstände abzuschaffen. Leider sind die Nachrichten über die erloschenen weltlichen Orden und Gesellschaften dürftig und nur aus einzelnen älteren Spezialwerken ist einiges darüber zu erfahren.[1] Die Gesellschaften sind ein Spiegel der Zeit und ihrer Sitten, ihre Gründungen könnten für manche Bestrebungen der neuen Zeit als Vorboten gedeutet werden. So sind der Orden St. Christophs eines Grafen Dietrichstein, der von Herzog Friedrich Wilhelm I. von Weimar gestiftete Orden gegen das Fluchen und Trinken oder der hessische Temperanzorden als frühe eigenartige Versuche der Mäßigkeitsbewegung anzusehen. Den Mitgliedern des Ordens von der Binde in Spanien wird als erste und heiligste Pflicht empfohlen, eine freisinnige Sprache zum besten des Landes zu führen. Machtvoll spricht sich das Bestreben zur Vertiefung wissenschaftlicher Bildung, Hebung der Dichtkunst und der Sprachveredlung in dem deutschen Palmenorden und ähnlichen Gesellschaften aus. Sind diese untergegangenen Einrichtungen auch von zeitgemäßen neuzeitlichen abgelöst worden, die ähnlichen edlen Zielen nachstreben, so besteht doch zwischen diesen und den alten Gesellschaftsorden der eine große Unterschied, daß jene alten Ordensstiftungen nicht aus dem Volke heraus, sondern aus dem Herzen und Geist deutscher Fürsten entsprossen sind und Fürst und Volk in ihren gemeinsamen Bestrebungen verbanden.
- ↑ Alwin Schultz bildet in seinem Werke, Deutsches Leben im XIV. und XV. Jahrhundert, (Wien 1892, auf Tafel XXIX und Figur 505 und folgende) Darstellungen von Ordensabzeichen u. a. auf Grabsteinen ab, von denen mehrere nicht gedeutet werden konnten.
Robert Bruck: Die Sophienkirche in Dresden. H. von Keller, Dresden, Dresden 1912, Seite 83. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Die_Sophienkirche_in_Dresden_(1912).pdf/95&oldid=- (Version vom 16.3.2026)