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XII. Jahrgang 1903 Nr. 2.
Am 26. Dezember 1760 entschlief sanft und selig im 69. Jahre seines Alters der hochedle, rechtsgelahrte und hochweise Herr Karl Gustav Strauch, Erb-, Lehn- und Gerichtsherr auf Alt- und Neu-Kaitz, wohlverdienter Bürgermeister der Königl. und Churfürstl. Residenzstadt Dresden. Im vergangenen Sommer, als die Brandgeschosse des alten Fritzen verwüstend auf die Stadt herniedersausten, hatte er Leib und Gut unversehrt gerettet, aber der Schreck war ihm doch wohl zu stark in die Glieder gefahren. Er hinterließ ein sehr stattliches Vermögen: vor allem das Gut Kaitz bei Dresden, das auf 10 000 Thaler taxirt wurde, sein Wohnhaus am Altmarkte (jetzt Nr. 6)[1], ebenfalls im Werthe von 10 000 Thalern, und zwei Weinberge in Kötzschenbroda, auf 800 Thaler geschätzt. Ferner besaß er für 2000 Thaler Freiberger und Altenberger Kuxe und an Steuer- und Kammerscheinen und ausgeliehenen Kapitalien 12 395 Thaler. Auffällig groß war die hinterlassene Baarschaft: in seinem Schranke wurden, fein säuberlich in zahlreiche Packetchen und Säckchen verpackt, nicht weniger als 11 338 Thaler in Gold- und Silbermünzen vorgefunden; offenbar hatte der alte Herr in jenen unsicheren Kriegsläuften am liebsten das harte Geld in der Hand behalten, anstatt es an Andere auszuleihen, die durch Zerstörung ihres Eigenthums jederzeit an den Bettelstab gebracht werden konnten. Höchst ansehnlich waren auch die Vorräthe an einheimischem Wein, die er im Kufenhause, im Rathhauskeller und im Keller seines Hausnachbarn Kommerzienrath Gottlieb Benjamin Sahr (jetzt Altmarkt Nr. 7) aufbewahrte: sie wurden auf 5670 Thaler geschätzt; das beste Stück, das sich darunter befand, war eine Kufe mit 21/2 Faß 1666er und 1727er, das Faß im Werthe von 100 Thalern. Selbstverständlich fehlte es im Hause eines so vornehmen Bürgers nicht an feinem Mobiliar und einer guten Bibliothek. Die zu vertheilende Vermögensmasse betrug, nachdem zum Begräbniß und zum Unterhalt der Familie im Laufe des Trauerjahres 4475 Thaler verbraucht worden waren, noch 51 350 Thaler.
Die Erben des als Wittwer verstorbenen Bürgermeisters waren seine vier Kinder: drei Söhne, der Magister Johann Ägidius Strauch in Wittenberg, der Advokat Karl Gustav Strauch in Dresden und der Student der Rechte Johann Sigismund Strauch, und eine Tochter Johanna Euphrosyna. Die beiden jüngeren Brüder übernahmen zum Taxwerthe das Gut Kaitz, die Schwester das Wohnhaus am Altmarkte; Werthsachen und Hausrath wurden in vier gleichen Theilen unter den Geschwistern verlost. Die kaum 18 jährige Hausbesitzerin Jungfer Euphrosyne konnte als eine sehr begehrenswerthe Partie gelten. Und in der That näherte sich ihr schon im März 1761 ein aufrichtig gesinnter Freier, der junge Hofjuwelier Friedrich Reinhard Schrödel. Dieser pflog seitdem, wahrscheinlich vermittelt durch seine Tante, die Gattin des Nachbars Sahr, einen lebhaften Verkehr mit der Strauchschen Familie, zu Weihnachten war Verlobung und am 18. Februar 1762 ward die Hochzeit gefeiert. Wenn es in einem der Hochzeitsgedichte hieß:
- ↑ Strauch bewohnte den ersten Stock. Das Gewölbe war an den Kommerzienrath Sahr für 120 Thaler, der zweite Stock an den Geheimen Rath von Wurmb für 200 Thaler, der dritte Stock an den Geheimen Kriegsrath von Gude für 160 Thaler jährlich vermiethet.
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 3 (1901 bis 1904). Wilhelm Baensch Dresden, Dresden 1901 bis 1904, Seite 169. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_Dritter_Band.pdf/176&oldid=- (Version vom 14.11.2024)