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XIX. Jahrgang 1910 Nr. 3.
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Zahlreicher und bedeutender, als es manchem auf den ersten Blick scheinen möchte, waren die Beziehungen des berühmten Berliner Baukünstlers und Malers Karl Friedrich Schinkel zu Dresden und zu Dresdner Persönlichkeiten.
Den ersten nachhaltigen Eindruck von Dresden empfing der werdende Künstler im Mai 1803, als der damals zweiundzwanzigjährige in Begleitung seines Freundes Steinmeyer zu Beginn seiner ersten großen Kunstreise in Sachsens Hauptstadt den ersten längeren Aufenthalt nahm[1]. Seinem Entzücken über die hier geschauten Kunstschätze wie über die reizvolle landschaftliche Umgebung gibt er in einem auf der Weiterreise von Wien aus an seinen Vormund, den Apotheker Valentin Rose, gerichteten Briefe mit den Worten Ausdruck[2]: „Dresdens Schönheiten fesselten mich, unter beständiger Anschauung, vierzehn Tage; seine unendlichen Schätze sind bekannt genug. Die Galerie und die Antiken, welche ich in jeder müßigen Stunde besuchte, waren mir das Interessanteste. Die herrlichen Umgebungen der Stadt ließen mich auf kleinen Exkursionen manche frohe Stunde genießen. Eine der genußreichsten war die kleine Fußreise durch den Plauenschen Grund nach Tharand. Der Plauensche Grund, dieses allgemein geliebte Thal, wird dennoch von dem, in welchem Tharand liegt, bei weitem übertroffen; die Gebirge sind höher, üppiger bewachsen; das Thal ist geräumiger und durch mannigfaltige Seitenthäler abwechselnder. Im tiefen Grunde liegt die kleine Stadt mit dem Bade; in der Mitte des Thals erhebt sich ein steiler Hügel, auf dem man die Kirche des Orts und die Ruinen des alten Schlosses erblickt, das der Sage nach römischen Ursprungs sein soll.“ Während dieses ersten Dresdner Aufenthaltes dürfte das in Wasserfarben gemalte Schinkelsche Bild „Dresden und das Elbtal mit einem komponierten Vor- und Hintergrunde“[3]) entstanden sein.
Ein zweites Mal weilte Schinkel im Sommer 1811 in Dresden, um die Stadt, für welche er eine besondere Vorliebe hatte, seiner jungen Frau zu zeigen[4]. Zu künstlerischen Zeichnungen und Entwürfen fand er damals leider keine Zeit.
Das Jahr 1817 führte Schinkel nach dem idyllischen Seifersdorf bei Dresden. Hier entwarf er für seinen Freund und Gönner, den General-Intendanten der Königl. Schauspiele in Berlin und Herrn auf Seifersdorf, Grafen Karl von Brühl, den Plan zu einem Umbau des dortigen Schlosses[5].
In den folgenden Jahren wurde Schinkel durch seinen ihm geistesverwandten Freund, den Bildhauer Friedrich Tieck[6], auch mit dessen Bruder, dem Dichter
- ↑ G. F. Waagen im Berliner Kalender auf 1844, 323 f. Aus Schinkels Nachlaß (Berlin 1862 ff.) I, 5. Anm.
- ↑ Ebenda I, 46 f.
- ↑ Ebenda IV, 444.
- ↑ Berliner Kalender auf 1844, 345; A. von Wolzogen, Schinkel als Architekt, Maler und Kunstphilosoph (Berlin 1864) 35.
- ↑ H. v. Krosigk, Graf Karl v. Brühl und seine Eltern (Berlin 1910), 337.
- ↑ Vgl. Berliner Kalender auf 1844, 330. 356. 362; A. v. Wolzogen a. a. O. 40.
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 97. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/100&oldid=- (Version vom 20.1.2026)