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Wiedereröffnung der Vorstellungen, wie es in der Abendzeitung[1] heißt, „vom Publiko mit dem innigsten Danke anerkannt“. Lüttichau und Tieck richteten übrigens mit ihren Vorstellungen bei Schinkel nicht das geringste aus. Das darf uns nicht wundernehmen, da der Berliner Meister eine viel zu besonnene und feinfühlende Natur war, um lediglich auf eine flüchtige Anregung hin seinem Dresdner Kollegen Schuricht zu nahe zu treten.
Etwa um die gleiche Zeit wie den Dichter Tieck lernte Schinkel den Dresdner Archäologen, Kunst- und Theaterkritiker, Inspektor der Königl. Antikensammlung Karl August Böttiger kennen. Die ersten Beziehungen zwischen dem Künstler und dem Gelehrten ergaben sich aus einem Meinungsaustausch über die bedeutsamen Entwürfe künstlerischer Theaterdekorationen, die Schinkel seit dem Jahre 1815 unter wachsendem Beifall des Grafen Brühl und der Theaterbesucher für die Berliner Hofbühne zeichnete und malte[2]. Insbesondere die eine Dekoration zum letzten Akt der 1817 erstmalig in Berlin aufgeführten Gluckschen Oper Alceste: Das Innere eines hypäthralen (d. h. ohne Dach über dem Innenraum) dorischen Apollotempels bildete für beide den Gegenstand lebhafter wissenschaftlicher Erörterungen, die ich anderwärts in einem in der Seemannschen Kunstchronik[3] erschienenen Aufsatze: „Karl Friedrich Schinkels bildliche Darstellungen griechischer Hypäthraltempel“ ausführlich behandelt habe. Weiterhin, im Jahre 1825, schickte Schinkel an Böttiger das 6. Heft seiner Sammlung architektonischer Entwürfe[4] mit nachstehendem Schreiben[5]
Anliegend beehre ich mich Ihnen das 6. Heft meiner architektonischen Entwürfe, welches den Bau des neuen Museums in Berlin[6] enthält, zu geneigter Aufnahme zu überreichen; ich wünsche dabei nichts mehr als daß dies Werk Ihrem Kennersinne einigermaßen entsprechen möge. Das Unternehmen ist zu groß und wichtig, als daß nicht die Zustimmung so ganz bewährter Männer den Muth des Künstlers dabei gar sehr erhöhen sollte, welches ihm in so manchen zweifelhaften Fällen, die ein solches Unternehmen mit sich bringt, höchst nötig ist. Von Herrn Dr. Hase erfahre ich mit großer Freude, daß es mit Ihrem Befinden ungleich besser geht, ich wünsche, daß das Bad[7] die beste Wirkung haben möge, und Sie recht verjüngt zurückgekehrt sind.
Rauch[8] empfiehlt sich Ihnen aufs beste, und ich bitte um fernere Freundschaft und Wohlwollen, indem ich mit der größten Hochachtung verharre
ganz ergebener Diener
Schinkel.
Herrn Doctor Hase bitte ich mich ganz ergebenst zu empfehlen.
Berlin, den 5. August 1825.
Der Dr. Hase, den Schinkel am Schlusse seines Briefes grüßen läßt, ist der seit 1820 auf Böttigers Vorschlag an der Dresdner Antiken-Sammlung als Unterinspektor angestellte Altertumsforscher Heinrich[9] Hase, der Bruder des ausgezeichneten, damals dauernd in Paris lebenden Gelehrten Karl Benedikt Hase, dessen persönliche Bekanntschaft Schinkel im Jahre 1826 auf seiner Reise nach Frankreich machen sollte[10].
Im Jahre 1826 erschien im Konversationslexikon von Brockhaus[11] aus Böttigers Feder ein längerer Artikel über Schinkel. Böttiger nennt sich zwar am Schlusse desselben nicht, doch vermutet Schnorr von Carolsfeld[12] mit Recht in ihm den Verfasser, da der Geschichtschreiber Friedrich Christian August Hasse in einem Briefe an Böttiger vom 9. April 1824[13] schreibt: „Auf umstehender Seite stehen die Artikel, die Sie entweder schon übernommen haben oder für die Sie sich verwenden wollen“, und auf der folgenden Seite heißt es dann: „Vorläufig aus der sechsten Lieferung Schinkel in Berlin“.
Eine persönliche Begegnung Schinkels mit Böttiger fand im August des Jahres 1829 statt, als ersterer mit seinem Berliner Kollegen, dem Maler und Akademieprofessor Karl Wilhelm Wach[14], zu einem dritten längeren Aufenthalte nach dem geliebten Dresden gekommen war. Von Schinkels bevorstehender Ankunft erfuhr der gerade zur Kur in Karlsbad[15] weilende Böttiger
- ↑ Vgl. Anm. 13.
- ↑ Vgl. A. v. Wolzogen a. a. O. 89 f.; Joh. Valentin Teichmanns literarischer Nachlaß, herausg. von F. Dingelstedt Stuttgart (1863), 124; H. v. Krosigk, a. a. O. 335.
- ↑ Im XLIII, der neuen Folge XXI. Jahrgang 1910, Heft 34, S. 548–553.
- ↑ Tafel 37–48 enthaltend.
- ↑ In Band 174 der im Besitze der Königl. Öffentl. Bibliothek zu Dresden befindlichen Briefe an C. A. Böttiger.
- ↑ Vgl. darüber: Aus Schinkels Nachlaß III, 217 f.
- ↑ Gemeint ist Marienbad, das Böttiger einem Briefe der Elise von der Recke vom 26. Juli 1825 zufolge (in Band 158 der Briefe an C. A. Böttiger) in jenem Sommer aufgesucht hatte.
- ↑ Christian Daniel Rauch, der berühmte Berliner Bildhauer.
- ↑ Näheres über ihn im „Neuen Nekrolog der Deutschen“, Jahrg. XX, 1842 II, 790–792.
- ↑ Vgl.: Aus Schinkels Nachlaß III 9; A. v. Wolzogen a. a. O. 45.
- ↑ Vgl. Band XII, 2. Hälfte = Neue Folge Band II, 2. Abteilung, 38–41.
- ↑ Vgl. eine Bemerkung von seiner Hand zu Schinkels Briefen an Böttiger.
- ↑ Vgl. Band 74 Nr. 38 der Briefe an C. A. Böttiger.
- ↑ Vgl. den Berliner Kalender auf 1844, 357, 378.
- ↑ Vgl. den Brief des Oberhofpredigers von Ammon an Böttiger vom 12. Juli 1829 im 3. Bande der Briefe an C. A. Böttiger.
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 99. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/102&oldid=- (Version vom 21.1.2026)