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durch einen Brief seines getreuen Hase vom 23. Juli 1829[1]. Es heißt dort: „Seine [des Kunstschriftstellers und Akademieprofessors Aloys Hirt] ehemaligen Kollegen Schinkel, Wach werden hier eintreffen“. In Dresden angelangt, nahm Schinkel, um sich von den großen beruflichen Anstrengungen gründlich zu erholen, im nahen Loschwitz Wohnung, von wo aus er an den augenblicklich gerade erkrankten Böttiger folgendes schrieb[2]:
ich sage Ihnen den verbindlichsten Dank für die gütige Übersendung des Klenzeschen[3] Briefs und freue mich im Voraus ihn mündlich bei Ihnen wiederholen zu können. Gestern schon war Ihnen mein Besuch zugedacht, ich erfuhr indeß von Herrn Hofrath Behrens[4] aus Berlin, den ich zufällig auf der Gallerie traf, daß Ihr Gesundheitszustand sich gestern leider verschlimmert hätte, und so wollte ich nicht wagen, Sie zu stören; ich hoffe aber, es wird nicht von längeren Folgen seyn. Sie erlauben mir daher wohl bei meinem nächsten Besuch in der Stadt anzufragen, ob ich das Glück haben kann, Sie zu sehen.
Mit wahrem Genuß und unter den wohlthätigsten Einwirkungen lebe ich hier in Ihren herrlichen Gegenden, was einem armen Berliner wohl einmal zu gönnen ist; sehnsüchtig sehe ich jeden kleinen Weinberg von Loschwitz an, ob er sich nicht eigne, daß man sich darauf einmal aus dem gehetzten Leben zurückziehen könne; und auch Hoffnungen und Bilder dieser Art haben schon eine heilende Kraft bei sich, ich erhalte mich möglichst offen dafür, um mit einer rechten Menge davon nach Berlin zurückzukehren, damit ich etwas zu zehren habe in unseren Wüsten.
Mit dem herzlichsten Wunsche, Sie recht bald hergestellt zu sehen und sprechen zu können, verharre ich mit wahrer Verehrung
Schinkel.
[Loschwitz], den 19. August 29.
NB. Den Brief vom 15. Aug. empfing ich erst gestern Abend, den 18. Aug.
Wie das Zusammentreffen der beiden sich gestaltete, wissen wir leider nicht[5]. Genau hingegen sind wir darüber unterrichtet, mit welchem Eifer Schinkel diesen dritten Dresdner Aufenthalt zu künstlerischer Betätigung in seiner Lieblingsbeschäftigung, im Zeichnen, benutzte. Damals entstand[6]:
- 1. Die Federzeichnung „Blick auf Dresden aus einer offenen Halle“, Entwurf für das später im Jahre 1839 gemalte Aquarellbild[7]
- 2. Die Bleistiftskizze „Dresden in der Ferne“.
- 3. Die Bleistiftzeichnung „Ansicht des Schlosses zu Dresden“.
- 4. Die Federzeichnung „Weißeritzbrücke im Plauenschen Grunde bei Dresden“.
- 5. Die Bleistiftskizze „Schloß Weesenstein bei Dresden“.
- 6. Die Federzeichnung „Burgruine bei Tharandt“.
Aus den gezeichneten Gegenständen ergibt sich übrigens, daß Schinkel 1829 wiederum einen Ausflug nach dem Plauenschen Grunde und nach Tharandt unternommen hat, wo es ihm bereits während seines ersten Dresdner Aufenthaltes so ausnehmend gut gefallen hatte.
Zu Beginn des Jahres 1830 trat an Schinkel die Aufgabe heran, seine hervorragende baukünstlerische Begabung erstmalig in Sachsens Hauptstadt zu betätigen[8]. In diesem Jahre sollte nämlich auf Befehl König Antons der Bau der Altstädter Hauptwache, der in den Jahren 1806/07 begonnen, während und nach den schweren Kriegszeiten aber länger als zwei Jahrzehnte völlig geruht hatte, wieder aufgenommen werden. Die dafür vom Militäroberbauamte gegen Ende des Jahres 1829 von neuem ausgearbeiteten Pläne wurden demselben vom König zurückgegeben, mit der Weisung, „die Architektur der neuen Hauptwache anders, nämlich nach dem neuesten architektonischen Style und wie es die neuere elegante Baukunst vorschreibt, auszuführen; über das Wie? möge sich das Direktorium des Militäroberbauamtes mit dem Königlichen Cabinetsminister Grafen von Einsiedel vernehmen“. Darauf hin richtete der damalige Director des Militäroberbauamtes Oberstleutnant Johann Karl Anton Ulrich, Kommandant des Königl. Sächs. Ingenieurcorps, im Einverständniß mit dem Minister an Schinkel, den genialen Erbauer der Berliner Hauptwache[9], das Ersuchen, künstlerische Entwürfe
- ↑ In Band 73 der Briefe an C. A. Böttiger.
- ↑ Der bisher unveröffentlichte Brief befindet sich in Band 174 der Briefe an C. A. Böttiger.
- ↑ Gemeint ist der bekannte Münchner Architekt und Oberbaurat Leo v. Klenze.
- ↑ Wohl der mit Ludwig Tieck befreundete Berliner Arzt, vgl. R. Köpke, Ludwig Tieck I, 363.
- ↑ In dem in Böttigers Nachlaß befindlichen, mit Aufzeichnungen aller Art von seiner Hand versehenen „Neuen Haus- und Volkskalender für 1829“ ist gerade über Schinkels Besuch nichts bemerkt.
- ↑ Aus Schinkels Nachlaß IV 498 ff.
- ↑ Ebenda II, 343, Nr. 42.
- ↑ Die folgende Darstellung ist den im Königl. Sächs. Kriegsarchive befindlichen Akten (Loc. 2891 und 5614) entnommen. Sie bildet eine Ergänzung zu den von Eugen Schuricht veröffentlichten Aufsätzen: „Zum siebzigjährigen Bestehen der Altstädter Hauptwache in Dresden“ (Kamerad XL. Jahrg. 1902, Nr. 48, S. 25 f.) und „Zur Baugeschichte der Altstädter Hauptwache in Dresden“ (ebenda XLI. Jahrg. 1903, Nr. 40, S. 9 ff.).
- ↑ Die neue Wache, das erste öffentliche Gebäude, das Schinkel schuf, wurde von ihm in den Jahren 1816–18 erbaut. Vgl. F. Kugler, Karl Friedrich Schinkel. Eine Charakteristik
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 100. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/103&oldid=- (Version vom 21.1.2026)