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zu den Fassaden des Dresdner Wachtgebäudes auszuarbeiten und einzureichen. Ulrichs Schreiben[1] an Schinkel, dem ein Riß des bereits in den Jahren 1806/07 fertiggestellten Grundbaues, sowie der in Aussicht genommenen inneren Einrichtung des im jonischen Stile geplanten Gebäudes beilag, beginnt mit den Worten:
Durch Ew. Hochwohlgebohren auch im Auslande bereits vielfach anerkannten Ruf im Fache der Baukunst überhaupt, vorzüglich aber auch im Fache der schönen Baukunst veranlaßt, sowie durch Ew. Hochwohlgebohren bekannte Humanität ermuthiget, nehme ich mir die Freiheit, so vielseitige Kenntnisse auch für den Staat und den Monarchen, welchen ich zu dienen die Ehre habe, in einer Angelegenheit in Anspruch zu nehmen, welche hier mehrseitiges Interesse erregt, und hoffe dabei um so mehr Ew. Hochwohlgebohren wohlwollende Nachsicht zu erhalten, als ja überhaupt die Begrenzung der Länder auf die Nützlichkeit des Wissens keinen Einfluß ausübt.“
Gefällig und uneigennützig, wie Schinkel allzeit war, schickte er Anfang März des Jahres 1830 bereits die gewünschten, nach seinen Angaben gezeichneten Risse[2]. Sie trugen, so lästig an sich das für den frei gestaltenden Künstler auch sein mochte, den gegebenen Verhältnissen nach Möglichkeit Rechnung. Doch hatte es sich, um die Anlage des Gebäudes künstlerisch zu gestalten, unbedingt nötig gemacht, den schon vorhandenen Grundbau wenigstens in der Weise zu verändern, daß die ursprünglich zurückliegende Mitte der Vorderfront vorgerückt wurde. Statt des beabsichtigten Ziegeldaches empfahl Schinkel ein ganz flaches Zink- oder Kupferdach. Ein an den König gerichtetes Schreiben des Militäroberbauamtes vom 29. März 1830 unterbreitete diesem die ebenso wohlerwogenen wie feinsinnigen Schinkel’schen Pläne. Ulrich urteilt darin über dieselben: „Der Entwurf dieser Risse zeichnet sich hauptsächlich durch Einfachheit und Reinheit des Styles und die dadurch entstehende feine Eleganz, die sich mit mäßiger Dehnung der Massen sehr schön vereinigen läßt, sehr vorteilhaft aus, und es wird daher ein solches Gebäude auch in der Nähe von so ansehnlichen und prächtigen Gebäuden, wie das Königliche Schloß und die katholische Hofkirche ist, nicht unansehnlich erscheinen“. Wie nicht anders zu erwarten war, entschied sich der König alsbald für Schinkel. Ein königlicher Erlaß vom 14. April 1830 wies das Militäroberbauamt an, den Bau der neuen Hauptwache unverzüglich nach Schinkels Vorschlägen in Angriff zu nehmen. Zum obersten Bauleiter wurde Oberstleutnant Ulrich ernannt. Als künstlerischer Berater sollte ihm auf Schinkels Vorschlag der seit 1827 an der Dresdner Akademie der bildenden Künste angestellte Professor Joseph Thürmer, der 1818 Griechenland bereist hatte und für einen gründlichen Kenner der griechischen Baukunst[3] galt, zur Seite stehen und insbesondere „die Vorzeichnung und Schablonierung der einzelnen Theile zu den Fassaden“ übernehmen. Am 21. April 1830 begann der Bau und ging genau nach Schinkels wohldurchdachten Angaben, die seine weitere Mitwirkung erübrigten, glatt von statten. Nur bezüglich der Ausschmückung des Vordergiebels wich die Bauleitung von dem Vorschlage des Meisters, der ihn durch eine Viktoria[4] geziert wissen wollte, ab und ließ dafür eine von dem Bildhauer Joseph Hermann modellierte sitzende Saxonia anbringen. Am 3. Dezember 1832 wurde die neue Hauptwache, ein von zwei Eckpfeilern eingeschlossener sechssäuliger jonischer Peristylos edelster griechischer Form, ein Meisterwerk Schinkelscher Baukunst[5], bezogen. Nicht unerwähnt mag noch bleiben, daß Schinkel für die nach seinen Angaben gezeichneten wertvollen Pläne nichts als „die Diäten der beim Auftragen der Risse angestellt gewesenen Bauconducteure“, im ganzen 31 Taler, erhielt. Um ihn persönlich zu ehren, wurde ihm durch die sächsische Gesandtschaft in Berlin ein Ring überreicht.
Einen unschätzbaren Dienst erwies Schinkel unserm Dresden schließlich noch in der Mitte der dreißiger Jahre. Als es sich nämlich im Jahre 1835 darum handelte, ob das große Opernhaus nach den Plänen des Berliner Oberbaurats Carl Gotthold Langhans und des Dresdner Hofbaumeisters Gottlob Friedrich Thormeyer bloß umgebaut, oder aber, wie Gottfried Semper, der auf Schinkels Empfehlung 1834 als Professor der Baukunst an die Kunstakademie zu Dresden berufen worden war[6], vorschlug, durch einen großzügigen völligen Neubau ersetzt werden sollte, war Schinkel derjenige, der sich nach reiflicher Überlegung mit aller Entschiedenheit für das letztere erklärte und
- ↑ Das nur abschriftlich vorhandene Schreiben trägt leider kein Datum.
- ↑ Veröffentlicht in Schinkels Sammlung architektonischer Entwürfe, Heft XXIII, Taf. 144; vgl. Aus Schinkels Nachlaß IV 298 f.
- ↑ Vgl. über Thürmer H. Holland in der Allgemeinen Deutschen Biographie, Bd. XXXVIII (1894), 221 f.
- ↑ Die Mitte des Giebelfeldes der Berliner Hauptwache sollte nach dem ursprünglichen, nicht zur Ausführung gekommenen Schinkelschen Entwurfe gleichfalls eine Viktoria schmücken, vgl. Kugler, C. F. Schinkel, 40 f.
- ↑ Kugler a. a. O. 41; Berliner Kalender auf 1844, 404; Die Bauten von Dresden a. a. O. 258; Paul Schumann, Dresden (Leipzig 1909), 228, Abb. 120.
- ↑ Vgl. Paul Schumann, Dresden, 234.
keiner künstlerischen Wirksamkeit (Berlin 1842) 40 f.; Berliner Kalender auf 1844, 352 f.
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 101. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/104&oldid=- (Version vom 21.1.2026)