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dank der Gewichtigkeit seiner Stimme dem genialen Semperschen Gedanken zum Siege verhalf[1]. Mit dem eingehenden Studium der Semperschen Pläne an Ort und Stelle beschäftigt, weilte der große Mann damals ein viertes und letztes Mal in Dresden, der Stadt, die, wie wir sahen, ihm allezeit außerordentlich wert und teuer war und die ihrerseits ihm viel zu verdanken hat.
August der Starke hatte nach seinem Regierungsantritt 1694 den Kammerdirektor und Geheimen Rat Ludwig Gebhard von Hoym, der die Ränke der Generalin von Neitschütz und ihrer Tochter, der Gräfin von Rochlitz, in der kurzen Regierungszeit Kurfürst Johann Georgs IV. unterstützt und sich auch sehr bereichert hatte, gefangen auf den Königstein abführen lassen. Am 20. März 1696 wurde sein Prozeß gegen Zahlung von 200 000 Talern niedergeschlagen und er nicht nur entlassen, sondern bald darauf zum Kammerpräsidenten ernannt. Er gehörte vom 14./24. Juni 1697 an mit dem Grafen von Löwenhaupt und dem Herrn von Einsiedel einer Kommission an, die, unter dem Vorsitze des Statthalters Fürsten von Fürstenberg, die in der Verwaltung des Staates und der Städte, sowie in Hofstaate eingerissenen Mißbräuche untersuchen und abstellen sollte; durch Hinzutritt des Geheimen Rates von Rumohr und des Hofrates Zech zum Generalrevisionsrat erweitert, dehnte die Kommission ihre Kompetenz auf eine Revision sämtlicher Landeskollegia, weil diese dem Kurfürsten-König verdächtig geworden seien, aus. Ihr Urteilsspruch sollte sogar in Justizsachen den Spruch der Höchsten Gerichtshöfe ungültig machen.
Es ist hier nicht auf die Verhandlungen und Beschlüsse der Kommission, die bis ins Jahr 1699 bestanden hat, einzugehen. Von Anfang an mag sie Erregung und Unzufriedenheit hervorgerufen haben, da man Steigerung der Lasten befürchtete, Abstellung der Mängel und Bestrafung der Schuldigen aber kaum erhoffen durfte, wenn ein so bedenklicher Charakter, wie der Geheime Rat von Hoym dabei eine bedeutende Rolle spielen durfte[2].
Wie aufgeregt gewisse Kreise gewesen sein mögen, beweist ein „Pasquill“[3], welches am 28. November 1697 am Dresdner Rathaus angeklebt gefunden worden war. Die Finderin, Frau Rosine Scheidemannin, eines Fußtrabanten Eheweib, hatte sich gleich am Abend in die Wohnung des Herrn Actuarius adjunktus Sebald Ernst Henckelmann begeben, diesen aber nicht angetroffen. Am anderen Morgen erschien sie zwischen 7 und 8 Uhr in dessen Wohnung von neuem und sagte dann aus: Die Schrift, die sie da vorlege, sei zwischen ihrem und dem Beutlerladen unter hiesigem Rathause an die Mauer geklebet gewesen, welches sie dann eher nicht gewahr worden als zwischen 9 und 10 Uhr, da es die gegenübersitzenden Schnürweiber gesehen, welche sie nachmals alsobald abgerissen, und würden dieselbe über 2 Personen nicht gelesen haben.
Der Inhalt des von ihr gefundenen Anschlags war nun allerdings geeignet, auf dem Rathause lebhaftes Bedenken zu erregen, denn in sehr heftigen, aufreizenden Worten werden Bürger und Handwerksgesellen zu Mord und Aufruhr aufgerufen. Das ziemlich große Blatt enthält in sehr großen, offenbar mit Pinsel aufgetragenen Worten Folgendes:
Auf Ihr Bürger, wie auch Handwercks Gesellen und Lehrjungen und alles was man den Pöbel nennt, zerreißet den verfluchten Geheymbten rath Frey-Herrn von Höm, auf der Kreutz Gasse wohnent; sein verflucht Hertz aus dem Leib und den Cörber geviertheilt auf die Straßen, den Er hat rath gegeben mit unerträglichen Lasten zu beschweren. Ehe wird den Leuthen nicht besser, als das man solche räthe allezeith anfället und zu Todt schlägt auff dem Land oder in Städten, und der gantz Pöbel soll vor einen Man stehen, auff solche arth ist es gemachet worden in Königreich Engelland und anderen Orten, wenn die Leuth sind ausgesogen worden.
Ceter und Wehe sey über Höm und seinen verfluchten Samen geschrien. Amen.
Ceter und Wehe sey über Höm und seinen verfluchten Samen geschrien. Amen.
Ceter und Wehe sey über Höm und seinen verfluchten Samen geschrien. Amen.
Ceter und Wehe sey über alle und ihrn Samen geschrien, die Stadt und Land drücken. Amen.
Frau Rosine Scheidemannin wurde am 30. November vor den Actuarius, Herrn Georg Friedrich Schelcher, auf das Rathaus gerufen und nochmals und genauer befragt über alles, was vorgegangen, damit man sicher sei, daß der eigentliche Zweck des Pasquills, das Volk
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 102. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/105&oldid=- (Version vom 21.1.2026)