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Brandenburg und weilte auf der Rückkehr am 21. Februar wieder vorübergehend in Dresden, ohne daß aber anscheinend diesmal viel von Belang gehandelt wurde. Die Truppen lagen immer noch um Freiberg und Chemnitz konzentriert, und so wird jetzt in Dresden die alte Stille geherrscht haben, wenn nicht auch hier wie überall im Lande schon die Sage von des Kaisers Tod umging und die Sorge von Haus zu Hause schlich, ob man nicht besser täte, schon jetzt dem Kurfürsten offen zuzufallen. An aufwühlenden Worten wird es gewiß nicht gefehlt haben, wenn der alte Carlowitz sich veranlaßt sieht, vertraulich an Türk am 28. Februar[1] zu schreiben: „Des Kurfürsten tat stehet uf dem ufstand des volkes, daß he [er] gern ein gemeen ufstehen erwecken wurde; wenn ihm das nicht gelucket, so ist he verdorben. Man merkets an den pfaffen, an ihren predigen wohl worauf sie umgehen.“
Aber die Anwesenheit der herzoglichen Räte hielt doch wohl die heimlich schwelende Glut nieder, daß sie nicht zu offener Flamme emporschlug. Als dann der römische König Ferdinand vom 1. bis 23. März sein Hauptquartier in der Stadt aufschlug, da vermochte selbst die weithin zündende Kunde von der Niederlage Markgraf Albrechts von Brandenburg bei Rochlitz (2. März) in Dresden nicht mehr gefährlich zu werden. Auch stand wohl der Rat auf Seiten des Landesherrn, denn wir haben keinen Grund, die Ergebenheitsversicherung des regierenden Bürgermeisters Peter Biener gegenüber Dr. Komerstadt (21. März)[2] anzuzweifeln.
Der Versuch zu einer kräftigen Offensive seitens des Herzogs Moritz war mit dem Tage von Rochlitz allerdings endgültig gescheitert, und es wurde immer klarer, daß erst die Ankunft des Kaisers die Entscheidung bringen könne. König und Herzog einigten sich denn auch während des Märzes über den weiteren Feldzugsplan dahin, daß man nur die festen Plätze besetzt halten und mit allen übrigen verfügbaren Truppen dem Kaiser nach Böhmen entgegenziehen wollte, um dann mit ihm gemeinsam den entscheidenden Schlag zu führen. In meisterlicher Weise wurde hauptsächlich auf Rat des listenreichen Carlowitz der Sühneversuch der ernestinischen Landschaft benutzt und durch einen mehrtägigen Waffenstillstand Ende März die nötige Zeit gewonnen, um die beabsichtigten Truppenverschiebungen in aller Stille und unauffällig vornehmen zu können. Bevor aber Moritz selbst nach Böhmen zum Kaiser ging, eilte er noch einmal nach Dresden zu persönlicher Rücksprache mit König Ferdinand und um die letzten Anordnungen für einen kräftigen Widerstand im Falle einer Belagerung selbst zu treffen. Fünf Fähnlein unter Otto von Dieskau und Graf Lodron wurden in die Stadt gelegt, wo nach A. Wecks Angaben auch noch Landvolk lag. Bereits Mitte März hatte man durch wiederholte Ausschreiben den Adel der Umgegend nach Dresden eingefordert, und wirklich waren nach den vorhandenen Listen gegen 120 vom Adel dem Rufe gefolgt. Ende März oder Anfang April suchte dann u. a. auch Herzog Moritzens Mutter in der Festung Schutz, und gleich ihr flüchteten viele vom platten Lande hinter die schützenden Mauern.
Wahrscheinlich hat diesmal der Aufenthalt des Landesherrn vom 23. bis 28. März gewährt, denn wie der erste Tag, so sind auch der 27. und 28. März uns durch Briefdaten einwandsfrei bezeugt. Sehr wichtige Dinge traten noch einmal an den jungen Fürsten heran, der sich anschickte, sein Land auf mehrere Wochen zu verlassen. Die Instruktion für die Räte zu der Unterredung mit der ernestinischen Landschaft, für die Gesandten, die eine Werbung des Kaisers zu einem großen kaiserlichen Bund in Ulm anhören sollten[3] und für Dr. Komerstadt, der die Versöhnung des Landgrafen von Hessen bei dem Kaiser selbst anbahnen sollte, waren Aufgaben von der höchsten Bedeutung. Alle wurden umsichtig und zweckmäßig gelöst, ehe der Herzog unter dem Schutze des Waffenstillstandes aus dem Lande schied.
Aber kaum war der Waffenstillstand zu Ende, so brachen drei schwere Wochen über die albertinischen Lande herein. Am 3. April trat Johann Friedrich von Geithain, wo er seit einem Monat stillgelegen hatte, den Vormarsch auf Dresden an und nirgends stieß er auf Widerstand. Chemnitz hatte sich bereits am 3. April an Reuß von Plauen ergeben, und nun öffneten ihm nacheinander Döbeln, Lommatzsch und Oschatz ihre Tore. Als am 5. April auch Meißen fiel, da erkannten die Räte in Dresden die Gefahr, die nun gegen die so lange verschont gebliebene Stadt heraufzog. In aller Eile suchten sie noch an Truppen zu sich heranzuziehen, was in der Umgebung irgend verfügbar war; u. a. beorderten sie zwei in Pirna liegende Fähnlein zu sich, was aber später von Moritz als Feigheit scharf getadelt wurde. Angesichts des Vorrückens des Kurfürsten scheint in der Tat auch die alte Zaghaftigkeit wieder über die Räte gekommen zu sein, denn auf die Kunde von Meißens Fall baten sie am 5. April den Herzog sogleich dringend, nun nicht mehr nach Böhmen zu gehen, sondern Dresden zu entsetzen. Dazu war aber keine Möglichkeit mehr, seit sich am 4. April zu Eger schon die Vereinigung der herzoglichen, königlichen und kaiserlichen Truppen vollzogen hatte.
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 8. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/11&oldid=- (Version vom 31.12.2025)