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Am Karfreitage, dem 8. April, tauchte zuerst ein plänkelnder Haufe vor den Mauern der Festung Dresden auf und feuerte einige Schuß in das herzogliche Schloß, so daß die Leute erschreckt aus der Predigt auf die Straße liefen[1], aber er zog dann, ohne weiteren Schaden zu tun, ab. Man atmete in der Stadt schon wieder auf, als am 13. April in aller Morgenfrühe die Kundschaft einging, der Kurfürst ziehe auf beiden Elbufern in drei Heeresabteilungen von Meißen her mit allem Geschütz gegen Dresden heran[2]. Man konnte nicht länger zweifeln, die Belagerung stand unmittelbar bevor. In „höchster Not“ schickten die Räte nochmals eine Botschaft an den Herzog und baten um schnellen Entsatz.

Man sollte meinen, daß schon der Handstreich vom 8. April die Verteidiger zur größten Vorsicht gemahnt hätte, aber dazu will es nicht stimmen, wenn man liest, wie überraschend leicht sich der Angreifer des Zugangs zur Elbbrücke versicherte. Von Altendresden zwar durfte man bei dem durchaus offenen Charakter des Städtchens keinen langen Widerstand erwarten, aber was soll man dazu sagen, wenn auch der Turm am Eingang der Elbbrücke im ersten Ansturm genommen werden konnte, weil er nur mit einer geringen Anzahl Knechte besetzt war, die leicht überwältigt und erschlagen wurden? Und vollends wie soll man es von so kriegserprobten und erfahrenen Befehlshabern wie Otto von Dieskau und Lodron verstehen, daß sie vergessen haben sollten, die Schanzkörbe bei den Verteidigungswerken auf der Brücke füllen und die eichene Verplankung der Mittelbrücke abwerfen zu lassen, wodurch doch sofort dem Feinde der glatte Übergang über die Elbe abgeschnitten worden wäre. Die einzige Vorsichtsmaßregel, die die Kommandanten nach den Berichten von A. Weck, Melchior von Ossa und dem Dresdner Zeitregister[3] – wo übrigens fälschlich der 6. April als Tag der Beschießung angegeben – ergriffen hätten, soll der noch dazu als übereilt und nutzlos getadelte Befehl zum Niederbrennen der Vorstädte gewesen sein, der dem gründlich verhaßten Grafen Lodron in die Schuhe geschoben wurde.

Aus dem offiziellen Aktenmaterial ergibt sich nun klar, daß Dieskau und Lodron zusammen die Abbrennung einiger Häuser in der Vorstadt vorm Wilischen Tore beschlossen hatten. Das war aber für die damalige Zeit, bei dem engen Anschmiegen der Vorstädte an die eigentliche Stadt eine durchaus notwendige Maßnahme, um gegen den Angreifer freies Schußfeld zu erhalten; bei Leipzig und Zwickau war man nicht anders verfahren. Und als am Morgen des 13. April die alarmierende Kunde von dem Anzuge des Kurfürsten in Dresden eintraf, da verlautete ganz bestimmt, daß der Feind sein Geschütz über Briesnitz heranführe, so daß also gerade der Hauptangriff vor dem Wilischen Tore drohte, wodurch sich ohne weiteres diese Anordnung der Kommandanten erklärt. Es war nicht ihre Schuld, wenn ein ungünstiger Wind das Feuer rasch verbreitete und wenn dann Bubenhände auch in der Stadt das Zerstörungswerk fortsetzten. Dieskau meldete selbst am 14. April dem Herzog den Brand. 15 Häuser (Weck gibt 21 Häuser an), die neue Hofmühle und die Ratsmühle seien in Rauch und Flammen aufgegangen. „Es ist Feuer in mehreren Häusern gelegt gewesen, daß nicht ein kleine verreterei in der stadt ist“. Die Stimmung des kleinen Mannes war gewiß nicht willig und die Disziplin unter dem böhmischen Fußvolk ließ viel zu wünschen übrig. So wird es sich auch erklären, daß die höheren Ortes wahrscheinlich längst angeordneten Sicherheitsmaßregeln und Befehlseinteilungen entweder gar nicht, oder nur widerwillig, oder willkürlich in eigenem Interesse durchgeführt wurden.

Gleich die ersten Schüsse des Feindes verursachten eine entsetzliche Verwirrung in der Stadt. Plündernde Horden durchstreiften die Gassen, während die Sorge um ihr Hab und Gut die Bürger bei den Löscharbeiten zurückhielt. Aber es ging alles schnell vorüber. Schon am nächsten Morgen, am 14. April zwischen 9 und 10 Uhr früh, zog der Kurfürst, ohne einen Sturm zu wagen, wieder nach Meißen zurück. Der Tumult in Dresden dauerte freilich nach Ossa noch zwei Tage an, aber bald lagen auch diese Schreckenstage wie ein wüster Traum hinter den Bewohnern Dresdens. Wie tief aber der Eindruck der erlebten Szenen auf das Gemüt eines Melchior von Ossa wirkte, das mag seine lebendige Schilderung der Belagerung selbst zeigen. Ossa beginnt mit dem Abzuge des Herzogs nach Böhmen.

„Aber in des ward dem feinde rahum [raum] gelassen, daß das ganze land Meißen bis aufm Stolpen [und] Dippolswalde geplundert, die stedte eingenommen und gebrandschatzt [wurden], dann der Kurfürst rückte gegen Meißen und ließe am Karfreitag [April 8] auch Dresden berennen vor mittage. Da liefe jedermann aus der predigen und nahm des feindes gewahr. Indes nahm bemelter Kurfürst den Hain ein, geschach den 10. tag aprilis. Und auf den mittwoch in Ostern, war der 13. tag aprilis, ward Dresden von feinden belegert und schlugen ihr leger in die alten stadt Dresden, gegen deme schloß uber das wasser, und schossen den tag sehre uber die Elbe, aber man verschoß den tag gegen dem feinde ungefehrlich bis in 60 ctn. pulver. Aber den torm an der brucken bei Alten-Dresden, der do besatzt


  1. Handelsbuch des Melchior von Osse.
  2. Voigt: Moritz von Sachsen, I, 359.
  3. Im H. St. A.
Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 9. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/12&oldid=- (Version vom 31.12.2025)