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war, stormten und gewonnen die feinde, erschossen und erworgten gute Knechte darob und, do mitten auf der brucke das holzwerk nicht abgeworfen, were es nuhe worden. Man ordente aber ein gut fehnlein Knechte auf die brucke, der worden viel beschedigt, aus dem, daß die schanzkorbe aus versehen der befehlsleute nicht gefullt waren. Und weil man also mit deme feinde zuschaffen hatte, ginge bis an 7 aber 8 feuren in der stadt auf und neben meinem hause, dorin ich war, brannten 3 starke heuser abe und fing mein haus an zweien orten an zu brennen. Do kam ich in große angst und not, dann ich war ganz schwach und hatte, was mir lieb war, weib, kind, barschaft, silbergeschirr, bucher etc. in diesem hause. Die kinder worden geflohet in Bartel Pragers hinterhaus, dorin ware zu der zeit Dr. Martin Trompecke, und kamen die 3 doctores Stramburger, Badehorn und Trompeck zu mir und holfen mir treulich arbeiten im brande. Ich lage den ganzen tag hinieden im hause, war matt; man mußte mich dornach hinauftragen. In deme erschrecken lief ich selbst 3 treppen [h]erabe. Und do die not am größten war, kamen 3 landsknechte gegangen, sagten, es were eine jungfrau im frauenzimmer erschossen, die hieße die Ossin; dann man schosse durchs frauenzimmer [h] erdurch, daß die kugeln drinne blieben liegen. Von solcher zeitung erschrak mein liebes weib uber die maße sehr; wie froh ich wurde, ist wohl zu bedenken[1], aber es ware gottlob nichts daran. Desselbigen tages ließ der graf von Lodron, welcher domals zu einem obristen in der stadt an herr Otto von Dieskau statt verordent ware, die vorstedte um Dresden abbrennen, tate den armen leuten einen treffenlichen schaden ahn alle not, dann der feind lage jenseit der Elbe, so brannt er auf dieser seiten abe, und ware ein boser verhurter mensch und hette doch anheims eine fromme ehrliche grefin. Uf fulgenden dornstag aber den 14. aprilis frue zwischen 9 und 10 zoge der feind wieder abe nach Meißen. Folgendes freitags den 15. aprilis sturmten mir heuptmanns Diefstetters knechte mein haus gewaltiglich uf anleitung des von Lodron quartermeisters, Hansen Schonau, und wollten ehe das Haus einnehmen, mich [h]erausstoßen und ward der lerm so groß, daß ich mich beschedigung an leib und gut des orts erwegte [erwog]. Endlich do der von Lodron auf mein ansuchen kein einsehen haben wollt, rettet mich gott der allmechtige noch durch fromme leut. Es war ein sichtlich wunderzeichen. Nachdeme die haustore alt und schwach, kein riegel hatte, die ich allein aufzustoßen genugsam sein wollte, durch so viel leute, die mit großer anzahl, mit großen kleftrigen beschlagenen beumen doran liefen nicht aufgehen wollte. Forwahr, gott der allmechtige hielt die zu durch sein kraft, sunst were es ein unmoglich ding gewest, der sei hierum gepreiset in ewigkeit!“
Es ist kein Zweifel, wir haben es hier mit einer klarspiegelnden Quelle zu tun, die das Bild des Mannes mit allen seinen Schwächen und Vorzügen scharf zurückwirft. Der Drang nach Wahrheit ist unverkennbar, aber er wird bisweilen überwuchert von einer Sucht, in allem persönlichen Mißgeschick immer den Ausfluß der Tätigkeit eines bestimmten Feindes zu sehen, eine Charaktereigentümlichkeit, die sich bei ihm später noch schärfer ausbildet und die ein gewisses Gegenstück findet in dem Glauben an einen persönlich helfenden gütigen Gott. In diesem Falle richtet sich sein Haß unveränderlich gegen Lodron und noch als dieser mit seinem Kriegsvolke am 4. Mai endgültig Dresden verließ, begleitete er seinen Abmarsch mit den grollenden Worten: „zoge von Dresden hinweg der rattenkonig mit seinen meusen, das war der oberste der von Lodron mit seinen knechten und seinen huren, der 4 und wohl herausgestrichen waren, fuhren auf einem leberfarben behangen wagen, vergaß seins frommen gemahels anheim. Die von Dresden und ihre kinder werden an diesen gast gedenken.“ – Es ist natürlich schwer zu entscheiden, ob der Vorwurf der Unzucht den Grafen so schwer trifft, wie Ossa meint; in seinen kriegerischen Fähigkeiten hat er ihn zweifellos viel zu ungünstig beurteilt. Wir wissen ja, wie er auch bei Herzog August in einer ganz anderen Wertschätzung gestanden hat. (Brief an Moritz, Jan. 21.)
Nach dem Abzuge Johann Friedrichs am 14. April hörte eigentlich in diesem Feldzuge die militärische Bedeutung Dresdens für Herzog Moritz auf, wenn er auch vorerst noch keineswegs die Stadt ganz von Truppen entblößt wissen wollte. Als aber die Heereshaufen Johann Friedrichs am 24. April auf der Lochauer Heide im ersten Ansturm überrannt wurden, als der Kurfürst selbst gefangen in des Kaisers Hände fiel, da entschloß sich Moritz am 2. Mai alle Truppen aus der Festung abzurufen, um sie unter Dieskaus Befehl gegen die noch unbezwungenen kurfürstlichen Streifkorps im Erzgebirge zu verwenden. Mit dem Abzuge der Besatzung schloß dann der letzte Akt des kriegerischen Schauspiels, das die Stadt seit den ersten Januartagen von 1547 geboten und das sich am 13. April zu tragischer Höhe gesteigert hatte.
Aber der eine Schreckenstag sollte für Dresden zur Quelle reichsten Segens werden. Der Flügelschlag einer großen Zeit hatte das stille Landstädtchen an der Elbe gestreift und unter seinem Hauche erwachte es nun zu reicherem Leben. – Wohl hatte sich keine der großen Entscheidungen des Feldzuges vor seinen Mauern abgespielt, aber der Blick des Landesherrn
- ↑ Eine Tochter Osses war Hoffräulein.
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 10. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/13&oldid=- (Version vom 31.12.2025)