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zu Hessen auch ein paar alter lewen hat, derer warter
derselbige, so die jungen anhere bracht, sei, daß alle
tage zwanzig pfund schepfes oder kalbfleisch beiden uf
zweimal des tages als des morgens um 9 ohr, des
abends aber um 5 ohr das fleisch, und alle gebet eine
stunde hernacher das trinken geben wird, welcher gestalt
dan E. kf. G. lauen alhie mit wartung der speise und
trinkens auch geschicht. Demnach aber der landgraf,
daß es teglichen uf einen lawen zuviel, gedaucht und
den lawenwarter derhalben beredet und aber der warter
untertenigst gegenbericht vorbracht, daß solche 20 pfund
von einem, sonderlichen aber vom lauen uf einen tag,
so mans ihme gebe, ufgefressen wurde, hat S. f. G.
sich gemusiget, selbs dabei zu sein, da man das fleisch
ihnen vorgeworfen, und habens S. f. G., daß es also,
wie der lauenwarter gesagt, ergangen selbs gesehen.
Den jungen aber, weil sie noch klein, gib man ein
desselbigen fleisches vier pfund des tages. Dieweil aber
die junge lowin krank anherbracht, wie solches E. kf. G.
cammersecretarius Johann Jhennitz[1] gesehen, daß sie
mit den hinterfußen nicht wol furtgekonnt, ist sie gestorben. Ich habe aber, vor E. kf. G. mit untertenigstem zucht zu schreiben, den abdecker holen und daß
es alsbald in mein beisein ufhauen lassen. Da man
gesehen, daß die lunge und leber ganz und gar zufaren,
auch ums herz ein nesterlein herum gewesen und der
meister gesagt, daß sie der gebresten halben zu leben
nicht gemugt. Ich habe zu obgemelten E. kf. G.
secretarien geschickt, ihnen bitten lassen, sich nicht zu beschweren und herab zu kommen, weil er aber gleich in
der ratstuben gewesen, haben ihnen andere E. kf. G.
geschefte daran verhindert, das alles E. kf. G., darmit
dieselbige, daß es an der wartung, wie vor augen, kein
mangel sei, auch wes ich uf mein fleißiges nachfragen
vom hessischen lowenwarter berichtet, gnedigs ansehen
wegen, in allem untertenigsten gehorsam, derer ich mit
leib und gut zu dinen beflissen, unangezeigt nicht habe
lassen wollen.
II. An die Kurfürstin.
Durchlauchtigste hochgeborne kurfurstin und frau[2], E. kf. G. sint meine untertenige gehorsame dinst mit hochstem fleiß zuvorn bereit. Gn. kf. und frau, E. kf. G. kann ich alles gehorsams unangezeigt nicht lassen, daß E. kf. G. zuvorn vermelt mit ubergebung einer kleinen supplicacion, die lauen belangend, daß der an drei junge wieder wurden, und ir also neune zusammenkommen und aber uf die drei junge kein fleisch geben wird. Weil aber an dem fleisch, so uf die sechs alten lauen geordent und teglichen einen gulden austregt, die sechs alten lauen nirget genuge haben, die drei junge davon auch erhalten werden mussen und kf. Durchläuchtigkeit, mein gn. kf. u. herr, darauf teglichen mehr nicht zu verordenen lassen gn. bedacht, wurden die lauen verderben. Und nachdem die drei jungsten leuen fornen im hoflein, da der lebenwarter aus und eingehen muß, aus ursachen, wann man die zu den elter leuen tet, von ihnen zerrissen werden mechten, itzo in verwahrung sind, so ist doch der besorg, dieweil die lauen so wachsen, daß sie einsten den lauenwarter durch ergrimmung zureißen mechten, und das gewelbe, darinnen die ersten lauen, ehe das lauenhaus gebauet wurden, noch vorhanden und gar an dem itzigen lauenhause gelegen, das nur an einem holzenen stackeit oder gitter mangelt, konnten die leuen darein gebracht und ohne [zerstört] oder schadentuung jemandes dorin [zerstört, vielleicht: verwahrt] werden. Derwegen ich Peter Gehanzen (!) den zimmermann, daß solch gegitter zu vorkommung schadens zu machen hoch vonnoten angezeiget. Der bericht mich, daß heut von hochgedachten m. g. kf. u. herrn, allen bau zu tun, ganz vulgar inen zu halten, befelich kommen sei, habe E. kf. G. aus untertenigster pflicht ich unangezeit nicht lassen wollen, gehorsamster bitt, wes E. kf. G. weiters hirein getan haben wellen, mich des genedigs zu berichten. Dat. Dresden, Montags den 19. juli ao. 68.
Moritz Schelcher, der 1795 als Sohn eines Zeichenmeisters in Dresden geboren war und 1863 als vormaliger Gutsbesitzer hier starb, schreibt in seinen 1856 aufgesetzten Lebenserinnerungen (handschriftlich im Besitze des Herrn Geheimen Rates Dr. Walter Schelcher) über das Dresdner Leben zur Zeit seiner Kindheit u. a. folgendes:
Zunächst gab es in Dresden drei Wachtparaden. Früh 9 Uhr von 60 bis 80 Mann von den Gardeducorps zu Pferde vor dem Königlichen Schlosse an der katholischen Kirche. Gleich darauf von der alten Schweizergarde am Taschenberge. Um 11 Uhr war dann die große Infanterie-Wachtparade auf dem Jüdenhofe vor der alten Bildergalerie mit Fahnen und großer Musik. Mein seliger Vater versäumte keinen Tag dort zu erscheinen; es war der Sammelplatz aller Neuigkeiten, die Erholungsstunde, wo nur Luft, nicht wie jetzt bayrisches Bier geschluckt wurde.
Die Schloßgasse wimmelte zu jeder Tagesstunde von prachtvollen Uniformen der Garderegimenter, von
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 127. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/130&oldid=- (Version vom 21.2.2026)