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aus und über die Aussicht, den ältesten Sohn Leopolds, Erzherzog Franz, der ihn begleiten sollte, kennen zu lernen. Für die Ruhe Europas erhoffe er das Beste von der Zusammenkunft der beiden Monarchen. Mittlerweile traf bei Friedrich August auch ein Brief Friedrich Wilhelms vom 12. August ein. Er schrieb in sehr großen, unregelmäßigen, gleichsam erregten Zügen von Potsdam aus in recht schlechter französischer Rechtschreibung folgendes an ihn: „Monsieur Mon frère, Aiant apris de Vienne que Sa Majesté Imperiale arrive le 25. a Pillniz jattens ce moment avec impatiençe ou jaures lavantage de revoir Votre Altesse Electorale, jentreprends ce Voiage avec dautant plus de satisfaction que je puis me flatter quil contribuera a resserer les liens d’amitié et de bon voisinage qui nous lient, et quil aura les suites les plus heureuses pour le bien etre de nos Etats et de nos sujets. Je ne cesere d’etre Monsieur Mon frère de Votre Altesse Electorale Le bon frère F. Guillaume.“
Schon am 15. August antwortet Friedrich August sehr erfreut über das Zusammentreffen seiner zwei Nachbarn: „dont les vertus et la conformité de sentimens assureront le succés des mesures qui serant prises pour le bonheur de l’Europe et notre patrie particulière.“
Die Absicht Leopolds, in Pillnitz mit dem König von Preußen zusammenzutreffen, fachte die Hoffnungen der Emigranten, sich auf diese Weise endlich die Unterstützung Europas zu sichern, gewaltig an. Graf Artois reiste dem Kaiser Leopold nach und traf in der Nacht vom 18. zum 19. August so unerwartet in Wien ein, daß kein passendes Quartier für ihn zu finden war. Fürst Polignac hatte den spanischen Gesandten, der sich in der Nähe Wiens auf dem Lande aufhielt, gebeten, dem Prinzen seine Stadtwohnung einzuräumen. Er hatte es getan, im Hinblick auf die politischen Interessen Spaniens nicht gern; überhaupt sah man die Ankunft dieses politischen Sturmvogels in Wien nicht gern; ja der preußische Gesandte dort sah voraus, es werde auch seinem Fürsten nicht angenehm sein, wenn Graf Artois etwa auch nach Pillnitz komme. Wirklich betrieb dieser beim Kaiser dessen Einwilligung, mit seinen Freunden in Pillnitz erscheinen zu dürfen, auf das eifrigste. Schon am 20. August überreichte er dem Kaiser eine lange Denkschrift, in der er etwa folgendes erklärte: Sein nächstälterer Bruder, der Graf von Provence, der spätere König Ludwig XVIII., der sich jetzt Regent von Frankreich nennen sollte, und er selbst wollten vor Europa eine Kundgebung erlassen, in der sie alle Beschlüsse der Nationalversammlung verdammen und diese selbst für das Los des Königs und der Königin verantwortlich machen wollten. Sie erhofften ferner eine Erklärung der Mächte zugunsten ihrer Kundgebung und eine Anleihe von 12 Millionen Franken für den Regenten.
Der Kaiser ging auf alle diese Vorschläge selbstverständlich nicht ein, gestattete aber, sehr gegen seine innere Neigung, dem drängenden Schwager seiner Schwester, in Dresden zu erscheinen, unter der Bedingung, daß er darüber an den Kurfürsten von Sachsen und den König von Preußen schreibe. Noch am 20. August ist an Friedrich August ein Schreiben Artois’ etwa folgenden Inhalts abgegangen[1]: Seit ihn das Unglück seines Vaterlandes gezwungen habe, in Deutschland Aufenthalt zu nehmen, habe er den Kurfürsten schon immer besuchen wollen; aber die Geschäfte hätten ihn daran verhindert. Ohne weiter in Einzelheiten einzugehen, wolle er ihm nur anvertrauen, daß Kaiser Leopold es gebilligt habe, daß er sich zu derselben Zeit, in der dieser sich mit dem König von Preußen in Pillnitz begegne, nach Dresden begebe. Aus der Zusammenkunft erhoffe er viel Gutes für Ludwig XVI. und sein Vaterland. Auch hoffe er, Friedrich August werde sich freuen, wenn er (Artois) den Genuß habe, ihn zu sehen. Er werde keinen Augenblick versäumen, um bald nach Dresden zu kommen, und sichere dabei die Wahrung des Inkognito zu.
Dem Kurfürsten von Sachsen war schon von verwandter Seite eine Empfehlung Artois’ zugekommen. Kurfürst Clemens Wenzeslaus von Trier, ein Oheim Friedrich Augusts, ein Sohn König Augusts III. von Polen, hatte ihm am 12. August von Coblenz aus, das lange eine Art Hauptquartier der Emigranten war, über Artois geschrieben[2]: Eigentlich bedürfe er keiner Empfehlung, denn Artois sei ihr Verwandter (dessen Mutter, die im Jahre 1767 gestorbene Dauphine Marie Josepha, und des Kurfürsten Vater Friedrich Christian waren Geschwister gewesen, also Artois und der Kurfürst von Sachsen waren rechte Vettern). Er bezeichnet ihn als sehr liebenswürdig und fügt hinzu: „et ses malheurs le rendent encore plus intéressant“. Auch Artois’ Sache brauche nicht erst empfohlen zu werden, sie sei die aller Souveräne, denn, wenn die französische Revolution sich festige, so könnten – dies sagt er, der letzte Kurfürst von Trier, für sich richtig voraus – die Herrscher in ihren Ländern nicht mehr sicher sein, sondern das Schicksal Ludwigs XVI. gewärtigen, „dont la situation fait frémir et que l’on ne peut entendre sans gémir“.
Dem kurfürstlichen Hofe zu Sachsen standen bewegte Tage in Aussicht! Große deutsche Angelegenheiten sollten in Pillnitz auf lange Zeit Bekräftigung
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 132. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/135&oldid=- (Version vom 25.3.2026)