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und Festigung erhalten; außerdem war auch vorauszusehen, daß die große westeuropäische Frage, die Erschütterung der monarchischen Herrschaft in Frankreich, und die für die zwei sich treffenden Monarchen sehr wichtige polnische Frage berührt werden würden. Während Friedrich August die politische Annäherung der beiden deutschen Großmächte nur mit Freude zu begrüßen hatte, der französischen Umsturzbewegung aber nur als Glied des Reiches, nicht als Oberhaupt eines größeren Staatswesens von eigener auswärtiger Politik gegenüberstand, war er in der polnischen Frage ganz persönlich interessiert. Um es jedoch vorauszusagen: auch in dieser Angelegenheit wollte er nicht irgendwie hervortreten. Es entsprach seinem ganzen Wesen, sich in wichtigen Angelegenheiten zurückzuhalten, weder mit seiner Meinung, noch mit irgendwelchen Absichten hervorzutreten. Und da Rußlands Haltung in der polnischen Angelegenheit von ganz besonderer Bedeutung sein mußte, traf diese seine Zurückhaltung auch durchaus das Richtige.

Ehe in die Erzählung all der Vorbereitungen, die von der Regierung, dem Hofe und der Stadt Dresden für die Tage der fürstlichen Zusammenkunft besprochen und getroffen worden sind, eingegangen wird, sei über ihn, der 1750 geboren und 1768 als ganz junger Mann zur Regierung gekommen war, sowie über seine Gemahlin, die übrigen Verwandten des Ehepaares und über das Leben am Pillnitzer Hofe in jenem Jahre 1791 einiges nach Briefen berichtet, die die Erzherzogin Marie Christine, die Lieblingsschwester und Vertraute Kaiser Leopolds II., an diesen bei einem Besuche am Dresdner Hofe geschrieben hat. Sie war mit ihrem Gemahl, einem Oheime des Kurfürsten von Sachsen, mit Herzog Albert von Sachsen-Teschen, zur Regentin der österreichischen Niederlande ernannt worden und reiste im Mai 1791 nach Brüssel. Bei ihrem Besuche am Dresdner Hofe verband sie mit dem Zwecke, die Verwandten ihres Mannes zu besuchen, auch den, die Verlobung und einstige Vermählung des jungen Erzherzog Carl, eines Sohnes Leopolds II., zu betreiben. Das herzogliche Ehepaar Sachsen-Teschen besaß keine Kinder und hatte daher eines der zahlreichen Kinder Leopolds an Kindesstatt angenommen, und zwar den später so berühmt gewordenen Sieger von Aspern. Da er damals schon 20 Jahre alt war, beschäftigte sich Marie Christine eifrig mit dem Gedanken, ihn gut zu vermählen. So hatte sie denn den Plan gefaßt, sich für ihren Pflegesohn womöglich schon jetzt die Prinzessin Auguste von Sachsen zu sichern.

Aus ihren Briefen seien folgende Stellen hervorgehoben[1]: Der Kurfürst scheint ihr in der Tat ein achtungswerter Fürst von guten Grundsäßen zu sein, gerecht, treu, sehr übereinstimmend mit Leopold; er hat gegen sich nur die Leidenschaft für die Etikette und seine Verlegenheit[2], die sich manchmal daraus erklärt; ja, sie bezichtigt ihn einmal einer gewissen Eitelkeit und Pedanterie (méthode); doch ist er äußerst höflich und ihr und ihrem Manne zeigt er eine schmeichelhafte und herzliche Freundschaft. Er liebt seine Familie, ist aber von einer Zurückhaltung, die ihn bis in die kleinsten Kleinigkeiten geheimnisvoll erscheinen läßt. Bei seiner Umgebung und ebenso in weiteren Kreisen ist er sehr beliebt, man zeigt ihm wirkliche Anhänglichkeit und Achtung.

Obwohl er etwas schwer zugänglich war, hatte sie am 10. Mai doch mit ihm eine Unterredung über den Heiratsplan. Sie wollte ihn nicht damit belästigen oder beunruhigen, noch eine Antwort herauspressen. Carl, sagte sie ihm, sei ihr Sohn; sie und ihr Mann wünschten ihn einst verheiratet zu sehen, und zwar mit der Tochter, die sie kenne und die sie nach ausgezeichneten Grundsätzen erzogen sehe. Sie habe ihre Absicht auch ihrem Bruder und dessen Frau, also den Eltern des jungen Erzherzogs, anvertraut; diese hätten ungemeßnes Vergnügen an der Sache gehabt und mit Freuden eingestimmt. Der Kurfürst hatte sich von diesen Eröffnungen sehr geschmeichelt gefühlt, aber da er seine Tochter glücklich sehen wolle, sie noch jung sei, ihre Gesundheit auch noch nicht fest sei, wolle er im Augenblick an keine Verpflichtung denken. Auch wolle er einst die Prinzessin selbst entscheiden lassen. Darauf betonte sie sogleich, sie finde das alles in Ordnung; der Kaiser werde auch außer sich sein, wenn er denken solle, ihn schon zeitig zu binden.

Gerade während Marie Christinens Anwesenheit in Dresden-Pillnitz wurden die neuen Aussichten des Kurfürsten auf den polnischen Thron bekannt, deren Bedingungen ihrem Heiratsplane zwischen Erzherzog Carl und Prinzessin Auguste nicht förderlich waren. Die polnische Krone sollte dereinst an des Kurfürsten Tochter kommen, doch sei diese nur mit Zustimmung der Republik Polen zu verheiraten. Es ist erklärlich, daß der Kurfürst, der sich dahin äußerte, seine Tochter stehe ihm höher als alle Kronen dieser Welt, bei näherer Verhandlung die Bedingung stellen wollte, daß er die Prinzessin frei verheiraten und diese dereinst auch nach eigenem Willen nach Sachsen reisen dürfe. Der ganze Plan einer Heirat mit Erzherzog Carl scheint zu schwinden, denn wie soll denn seine Gemahlin nach Brüssel reisen und bei ihnen, den Pflegeeltern ihres Mannes, bleiben


  1. Briefe der Erzherzogin Marie Christine an Leopold II., S. 101 ff.
  2. Diese Verlegenheit erklärt sich vielleicht auch zum Teil aus seiner Kurzsichtigkeit, über die sich Friedrich Wilhelm II. gegenüber dem Grafen Karl Brühl 1788 gelegentlich lustig machte. v. Krosigk, Karl Graf von Brühl. Berlin 1910. S. 153.
Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 133. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/136&oldid=- (Version vom 25.3.2026)