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Aufsehen zu erregen, in der sächsischen Residenz gewesen. In den 25 Jahren seither waren nur wenige hochfürstliche Besuche zu verzeichnen gewesen; selbst die Trauung des 18 jährigen Kurfürsten im Jahre 1769 mit der 17 jährigen Prinzessin von Pfalz-Zweibrücken hatte sich ohne besonderen großen Prunk und ohne viele begleitende Verwandte abgespielt. Bald darauf waren, wie über einen Teil Deutschlands, so auch über Sachsen und die Stadt Dresden sehr schwere Jahre gekommen: Mißwachs, Teuerung, Hungersnot, physische Krankheit, moralische Schwächung, die sich in den Jahren 1771 bis 1772 austobten.
Vorübergehend hatte Kriegsunruhe gedroht, als 1778 Sachsen im Bunde mit Preußen in den sogenannten bayerischen Erbfolgekrieg eingriff. Verschanzungen waren vor der Stadt errichtet worden, die man später mit mancherlei Buschwerk bepflanzte. Mit großer Freude wurde in Dresden der Bote empfangen, der 1779 den Abschluß des Teschener Friedens meldete. Hatte der Bund Sachsens mit Preußen den Einwohnern Dresdens wieder preußische Soldaten, diesmal aber als Freundesbesatzung, gebracht, so war der Feldherr, der während des siebenjährigen Krieges nächst Friedrich dem Großen am längsten in Sachsen operiert hatte, Prinz Heinrich, lange Zeit Gast des sächsischen Hofes und lebte im Hauptquartier zu Großsedlitz oder während des Winters im Brühlschen Palais zu Dresden selbst.
Dresden war nicht mehr die Luxusstadt von ehedem, was gar manche Erwerbszweige zu beklagen hatten, aber der mittlere Bürgerstand befand sich unter den bescheidenen Umständen gewiß wohl und lebte behaglich dahin. Alle Reisenden jener Zeit, die von ihrem Aufenthalt in Dresden Aufzeichnungen hinterlassen haben, betonen diese gewisse behagliche Stille, die fast immer hervorleuchtende Zufriedenheit mit der schlichten, patriarchalischen Lebensweise des Landesfürsten; nur dann und wann werden Klagen darüber laut, daß er zu sparsam sei, daß er zu wenig Geld unter die Leute bringe, es vielmehr für seine einzige Tochter aufhäufe.
Um so interessanter mußte es nun sein, als die Kunde kam, daß das sonst so stille Pillnitz, der Nachbar-, der Vorort von Dresden in höfischer Beziehung, der Treffpunkt für die zwei mächtigsten Stände des deutschen Reiches, ja man darf wohl sagen, für die zwei mächtigsten Fürsten des mittleren Europa werden sollte. Diese Kunde, die gewiß für längere Zeit Frieden zu versprechen schien, war um so willkommener, als der biedere Bürger mit seinem Landesherrn und mit den Grundherren gelitten hatte, da in den Jahren 1790–91 in verschiedenen Gegenden des Landes die Bauern sich erhoben hatten. Zwar war es der Regierung gelungen, die Unzufriedenen, die durch das verderbliche Beispiel in Frankreich angesteckt worden waren, mit Kraft und Geschick niederzuhalten. Aber die Töne, die dabei laut geworden waren, hatten die Leute doch sehr erregt und die Gemüter lebhaft beschäftigt. Schien es doch, als bereite sich in deutschen Landen der Umsturz vor, der von Frankreich aus soviel Schrecken verbreitet, freilich aber auch soviele Menschen gewaltig entzückt hatte.
Vergegenwärtigen wir uns an der Hand der Akten des Königl. Hofmarschallamtes[1], die ich habe einsehen können, nunmehr die Vorbereitungen, die zur Zusammenkunft in Pillnitz getroffen worden sind.
Voran wurde gestellt, daß, da der Aufenthalt der Gäste auf dem Lande vorgesehen sei, zu strenges Zeremoniell bei Empfängen, Besuchen, Gegenbesuchen, Stellung von Kammerherren, Adjutanten und Kammerjunkern nicht zu berücksichtigen sei; es sollte nicht zu förmlich und dadurch lästig zugehen. Wenn auch bei der Tafel distinguierte Stühle und Gedecke nicht weggelassen werden könnten, sollte doch nicht allenthalben bei der Sitzordnung alles ganz genau abgewogen werden. Die einzuladenden Damen und Herren sollten pêle mêle sitzen dürfen. Es wurde dabei ausdrücklich betont, daß wegen der kleinen Räume im Schlosse zu Pillnitz nur bis einschließlich der Generalmajore eingeladen werden könne. Alle in Dresden angekommenen Fremden würden, ehe sie nicht vorgestellt worden seien, zu keiner Festlichkeit herangezogen werden. Selbstverständlich sollte für das nicht an der Hoftafel unterzubringende Gefolge gute Verpflegung und zwar beim Traiteur Bähr in Pillnitz versorgt werden. Das Wachtkommando zu Pillnitz sollte zur Sicherheit und Handhabung guter Ordnung verstärkt werden. Kommen Herrschaften nach Dresden zu Besichtigungen, dann soll zur Begrüßung geschossen werden.
Auch die Stadt wurde von so manchen Verordnungen berührt[2]. Das Königl. Preuß. Oberpostamt zu Breslau wendete sich schon am 17. August an das Churf. Sächs. Hofpostamt und zeigte an, wieviele Wagen am 25. August von Görlitz ab nach Pillnitz kommen werden, wieviele Postillone und Pferde man bei der Rückkehr über Großenhain nach Baruth brauchen werde, und zwar für 5 Wagen und die Königl. Jäger, sowie die Postillone, 40 Pferde fest und noch 6 zur Vorsorge. 12 tüchtige Postillone, damit sie allerorten auf das schleunigste fortgebracht werden könnten, müßten gestellt werden.
- ↑ Die Anwesenheit Sr. Röm. Kays. Majt. Ecopolds des 2ten nebst des Erzherzog Franz Königl. Hoheit, ingl. Sr. Königl. Preuß. Maj. Friedrich Wilhelm des 2ten nebst des Kronprinzen von Preußen Königl. Hoh. in Pillnitz, im Monath August 1791 betreffd.
- ↑ Ratsarchiv. G. XXVIII. 31. Acta die wegen der im Churfürstl. Hoflager zu Pillnitz in der Woche vom 21. Aug. 1791 eintreffenden fremden höchsten Herrschaften allhier getroffenen Vorkehrungen betreffend.
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 135. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/138&oldid=- (Version vom 26.3.2026)