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Das Oberpostamt setzte sich mit dem geheimen Finanzkollegium in Verbindung, und dies wendete sich an den Bürgermeister Otto: Der Magistrat möge Anstalten treffen, daß es an Vorspannpferden zum Einspannen in die Post nicht fehlen möge. Man erwarte diese Pferde nicht von den Lohnkutschern selbst, sondern durch Vermittelung des Magistrats nach einem Reskript des Jahres 1713. Die Angelegenheit erschien als so wichtig, daß der Kurfürst unter dem 23. August durch den Grafen G. Wallwitz an den Rat und den Oberamtmann Näcke schreiben ließ: „also sollst Du, Oberamtmann, und ihr, der Rat, die Lohnkutscher und andere Anspänner anhalten, daß sie dem Posthalter Schönfeld mit guten tüchtigen Pferden und geübten Knechten gegen 7 Groschen das Pferd für die Meile assistieren. Daß bei Vermeidung schwerer Verantwortung etwas nicht verabsäumt werde.“ Als nun der Rat den Posthalter sogleich zitiert und aufgefordert hat, bei allen Lohnkutschern, Fuhrleuten, Pferdeverleihern und Vorwerksbesitzern die vorhandenen Pferde auf ihre Tüchtigkeit zu untersuchen, berichtet dieser einem „hochweisen“ Rat zurück, was er festgestellt habe.

Wir erhalten hierbei eine Statistik über die 1791 in Dresden[1] vorhandenen Kutsch-, Acker- und Reitpferde. Schönfeld konnte insgesamt 135 Kutschpferde feststellen, davon 37 auf der Schloßgasse, wo noch vielfach der Adel seine Quartiere hatte, 6 auf der Wilsdruffer und nur 2 auf der Seegasse. An der Elbe gab es 20 solcher Pferde, darunter einen Besitzer von 10 Tieren, sicher mit dem Schiffshandel im Zusammenhang stehend. Ackerpferde gab es in Dresden damals noch 75, und zwar an dem Umkreis der Stadt, wo noch Felderbetrieb war. Auf der Rampischen Gasse 14[2], auf der Großen und Kleinen Plauenschen Gasse[3] ebenfalls 14, im Poppitz 4, auf dem Roten Hause (vor Strehlen) 4. Reitpferde konnte Schönfeld 54 zählen; verhältnismäßig die meisten auf einer Gasse waren die 15 auf der Kreuzgasse, wo es ja mehrere herrschaftliche Häuser gab.

Es fehlte auch damals nicht, wie schon bei früheren Anwesenheiten von Kaisern, an dringlichen Mahnungen, für Sicherung gegen Feuersgefahr und gegen Hausdiebstähle ganz besonders zu sorgen. Die Hauptlast der Besucher traf Pillnitz und die Hofverwaltung.

Als im Jahre 1791 die beiden mächtigsten Reichsfürsten hier anlangten, um als Gäste des stillen, zurückhaltenden Kurfürsten von Sachsen gewichtige Dinge zu besprechen, bot Pillnitz noch nicht völlig den Anblick, wie wir es jetzt kennen. Es fehlte ihm das einheitliche Gepräge, das es in unseren Tagen aufweist. Mit wenig Worten sei auf die bauliche Entwickelung des Lustschlosses und auf die Gestaltung, die es 1791 zeigte, eingegangen[4].

Pillnitz hatte in älteren Zeiten ein oberes Schloß, an dessen Stelle jetzt die sogenannte Ruine steht, und ein unteres Schloß. Beide waren seit 1403 in wechselndem Besitz gewesen. Die Karras, die Carlowitze, die Ziegler, die vom Loß und von Bünau-Tetschen hatten es nacheinander besessen. 1694 kaufte es Johann Georg IV. und schenkte es der Gräfin von Rochlitz, einer geborenen Neitschütz, die aber zwei Monate später mit ihrem Geschenkgeber ziemlich gleichzeitig starb. Nach mancherlei Wechselfällen kam es in den Besitz Augusts des Starken, der es auch verschenkte, und zwar an die bekannte Gräfin Cosel; sie war 1706–1708 die Schloßherrin. Nachdem es wieder in des Kurfürsten Hände gekommen, nahm er, der oft und gern dort weilte, größere Bauten vor. Bisher hatte nur ein in deutschem Renaissancestil gehaltenes, mit hohen Giebeln geziertes Schloß gestanden, vielleicht nicht unähnlich dem Schönfelder Schlosse. Ziemlich gleichzeitig ließ August das sogenannte Wasserpalais mit seiner gefälligen Front nach der Elbe zu und das Bergpalais anlegen. Östlich von dem zwischen beiden Palais gelegenen Lustgarten stand das alte Schloß, südlich von diesem, nach der Elbe zu, wurde an Stelle einer abgebrochenen Kirche ein achteckiger Saalbau mit 4 Eckpavillons errichtet. Dem Saale gaben die Bilder schöner Frauen, die am Hofe Karls II. von England oder Augusts des Starken geglänzt hatten, den Namen Venustempel.

Nach Augusts des Starken Tode wohnte der Hof selten in Pillnitz; nur vorübergehend die Kinder Augusts III. Erst nachdem seit 1765 die Kurfürstin-Mutter Marie Antonie zugleich mit ihrem jungen Sohne Friedrich August Pillnitz als Sommersitz bevorzugt hatte, zeigte sich dort wieder neues Leben. Angeregt und unterstützt durch den Grafen Marcolini erweiterte der junge Kurfürst den Garten erheblich. Zu dem großen Schloßgarten hinter dem Bergpalais, der sich mit seinen mächtigen Baumreihen und breiten Rasenflächen noch heute so hinzieht, wie zu Augusts


  1. Wie es scheint, hat sich die Nachfrage aber nur auf Dresden-Altstadt erstreckt.
  2. Hier möchte ich daran erinnern, daß ich noch Anfang der sechziger Jahre des vorigen Jahrhunderts abends habe große Schafherden in die Schäferei auf der linken Seite der äußeren Rampischen Gasse (jetzt Pillnitzer Straße) von einem alten Schäfer mit seinem charakteristischen Humpelgange eintreiben sehen; ebenso noch auf der rechten Seite den Brand zwei großer Wiesnerscher Scheunen in der Gegend der jetzigen Mathildenstraße.
  3. Die altertümlichen doppelten Höfe der Grundstücke Große Plauensche Straße 4 und 6 erinnern noch heute an den Betrieb von Ackerwirtschaft.
  4. A. v. Minckwitz, Geschichte von Pillnitz von 1403 an. Dresden 1893. – C. Gurlitt, Die Kunstdenkmäler in Dresdens Umgebung I, 1904, S. 169.
Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 136. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/139&oldid=- (Version vom 26.3.2026)