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war erneut geschärft worden für die hohe strategische
Bedeutung des Platzes. Gleich nach dem Schmalkaldischen Kriege begann Moritz den Ausbau der
Festungswerke in so genialer Weise durchzuführen, daß
er auf Jahrhunderte hinaus den Ruf Dresdens als
einer Festung ersten Ranges begründete. Auch sonst
entfaltete er eine großartige Bautätigkeit. Das Schloß
ward nun zu einem weitbewunderten Fürstensitze; die
Elbbrücke wurde durchgängig mit steinernen Bogen
versehen; kurz, überall spürte man das Walten seines
vorwärtsdrängenden Geistes.
Die Rückwirkung auf die Bevölkerung blieb nicht aus. Die Bürgerschaft gewann wieder Vertrauen zu ihm. Die Einwohnerzahl wuchs zusehends, Wohlstand und Bildung zogen in Dresden ein. 1549 wurde auch Altendresden mit Dresden zu einer Stadtgemeinde verschmolzen, beiden Städten zum Heile, denn mancher nachbarliche Hader ward mit dieser Verbindung begraben.
So darf man wohl mit Recht sagen, daß gerade der wegen des Schmalkaldischen Krieges auch in Dresden so viel angefeindete Moritz erst den Grund legte für die spätere glänzende Entwicklung und hohe Bedeutung der Stadt.
Der im Jahre 1875 verstorbene Historiker Professor Gustav Helbig, der Geschichtslehrer Heinrich von Treitschkes an der Kreuzschule[1], hat sich in den bewegten vierziger Jahren als Mitglied des Deutschen Vereins lebhaft auf politischem Gebiete betätigt. Mit besonderer Anteilnahme verfolgte er die Bestrebungen zur Herstellung der deutschen Einheit, die sich in der Nationalversammlung zu Frankfurt verkörperten. Er benutzte seine Beziehungen zu einzelnen Mitgliedern des Parlaments, um sich aus erster Hand über die Aussichten und den Fortgang des Einigungswerks unterrichten zu lassen. Solche briefliche Berichte von Abgeordneten finden sich mehrere in seinem handschriftlichen Nachlasse, den die Dresdner Stadtbibliothek aufbewahrt. Sie sind, ohne gerade zur Kenntnis der Tatsachen etwas Neues beizutragen, doch von Interesse als Stimmungsbilder aus jener hochstrebenden, wenn auch mit Unfruchtbarkeit geschlagenen ersten deutschen Volksvertretung und sollen deshalb hier Platz finden; vorausgesetzt wird dabei freilich die Bekanntschaft des Lesers mit dem geschichtlichen Hintergrunde, dessen Aufrollung hier zu weit führen würde.
Der erste und umfangreichste dieser Parlamentsbriefe rührt her von dem Rittergutsbesitzer Dr. jur. Paul Hermann auf Weidlitz bei Bautzen. Dieser, am 17. April 1809 als Sohn des Stadtsyndikus und späteren Bürgermeisters Dr. Hermann in Dresden geboren, war ein Jugendfreund Helbigs. Er hatte in Leipzig und Berlin die Rechte studiert, war dann in der Sächsischen Generalkommission für Ablösungen und Gemeinheitsteilungen beschäftigt gewesen und bewirtschaftete seit 1842 die vom Vater ererbten kleinen Rittergüter Weidlitz und Pannwitz. An der Gründung des Landwirtschaftlichen Kreisvereins zu Bautzen und des Zweigvereins „am Schwarzwasser“ hatte er den Hauptanteil, in beiden führte er bis zu seinem Tode den Vorsitz. Von 1854 bis 1862 war er Mitglied der II. Kammer des Landtags und stellvertretender Vorsitzender des Landeskulturrats. Er starb am 17. August 1862[2]. Sein Brief lautet:
Für Deinen Brief vom 26. d. Dir herzlichst dankend, antworte ich folgendes darauf: Linkes und rechtes Zentrum stehen sich hier so nahe, daß im rechten Zentrum manche mehr links sind als im linken, und umgekehrt, obwohl man in der allgemeinen Richtung den Unterschied schon herausfindet. Man hat sich hauptsächlich nach dem Interesse für die Mitglieder zusammengeschart, und ich fand im rechten Zentrum, da solches auch eine weit stärkere Partei ist, mehr Mitglieder, für die ich mich interessierte, als im linken. Du könntest also, wenn Du hier wärest, ebenfalls im rechten Zentrum Platz nehmen. Man muß jetzt überhaupt die Sache im Auge haben und die praktischen Verhältnisse und nicht mit der Liberalität liebäugeln und spielen, wie es hier manche Professoren tun, die ihrer Studenten wegen liberaler tun als sie sind und eine Farbe annehmen, die ihrer sonstigen Einsicht nicht entspricht. Doch machen hiervon Beseler, Duncker, Dahlmann, Waitz, Droysen, Edel, Michelsen, Raumer und Zachariä rühmliche Ausnahmen. Wir haben jetzt wirklich Freiheit genug und können sie nur sichern, wenn wir ihr durch weise Beschränkung Maß und Grenzen setzen. – Wenn alle Wahlen so ausgefallen wären wie die sächsischen, so wäre es mit der Nationalversammlung längst aus. Wer Izstein an die Spitze von Deutschland setzen, die wegen des Aufstandes in Baden Verhafteten bei den jetzigen Verhältnissen amnestieren,
- ↑ Vgl. Dresdner Geschichtsblätter 1904 S. 247
- ↑ Nach freundlicher Mitteilung seines Sohnes, des Herrn Rittergutsbesitzer Dr. Friedr. Hermann auf Weidlitz.
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 11. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/14&oldid=- (Version vom 31.12.2025)