Seite:Dresdner Geschichtsblätter Fünfter Band.pdf/140
des Starken Zeiten, kam nun der sogenannte englische Teil mit dem stillen Weiher und dem reizenden Kuppelpavillon hinzu. Von 1788 an wurden zu besserer Unterbringung des zahlreicher gewordenen Hofstaates an das Wasserpalais wie an das Bergpalais je zwei Flügel angebaut. Von diesen sind die zwei am Bergpalais insofern besonders interessant, als der westliche noch heute, weil Kaiser Leopold 1791 darin gewohnt hat, der Kaiserflügel, der östliche aber, weil er damals einen König als Gast aufnahm, der Königsflügel genannt wird.
Die Zubauten am Wasserpalais waren 1791 zwar noch nicht völlig, aber doch in der Hauptsache beendet. Auf die Nachricht, daß hoher Besuch bevorstehe, war der Ausbau der Pavillons und ihre Ausstattung mit Möbeln noch beschleunigt worden. In der Umgebung des Schlosses, an der Insel, kann man sich schon 1788 ein Elbbadehaus denken, das, da es Prinz Anton mit Vorliebe benutzte, auch das Prinz Antons-Bad genannt wurde. Schon waren auch durch den Kurfürsten und Marcolini die stillen, traulichen Wege durch den Friedrichsgrund bis nach dem Porsberge angelegt. Die zum Rasten bestimmte zimmerartig behandelte Grotte auf dem Porsberge war 1780, die an der Stelle des oberen Schlosses errichtete Ruine seit 1785 entstanden.
So bot schon damals Pillnitz dem Freunde heiterer Architektur in lieblicher Gegend, wie auch dem Naturfreunde viele Reize dar. In dieser Vorliebe für das Lustschloß und seine Umgebung spiegelt sich das einfache Wesen des Kurfürsten, der unter Marcolinis Einwirkung Sinn für körperliche Bewegung im Freien, für Gartenplanung und Gartenarbeit, sowie für schöne Ausblicke von erhöhten Punkten in die Ferne gewonnen hatte.
Als die Zusammenkunft der Herrscher gesichert war, erkundigte sich Minister Graf vom Loß bei dem kursächsischen Gesandten in Wien, dem Grafen von Schönfeld, nach des Kaisers Gepflogenheiten und womit man ihm eine besondere Unterhaltung bereiten könnte. Schönfeld antwortete unter dem 17. August[1]: „Der Monarch liebt im allgemeinen nicht die Repräsentation; er ist von heiterer Laune, wenn er sich nicht durch Glanz seines Ranges geniert fühlt. Er liebt Schauspiele, vor allem solche, wo es viele Dekorationen gibt. Er ist weder entschiedener Liebhaber noch Kenner von Musik, aber trotzdem bereitet ihm die Oper Vergnügen; er liebt die Komödie, aber die Ballets sind seine Lieblingsaufführungen. Man sagt, daß er in Venedig viel getanzt habe, aber weder Tanz noch Jagd sind eigentlich sein Geschmack. Maskenbälle sind ihm nicht interessant, höchstens dann, wenn er unerkannt bleiben kann. Er liebt einen guten Tisch, und man hat mir versichert, daß er zu jeder Zeit reichlichen Appetit hat und zwischen den Mahlzeiten auch gern Konfekt und Zuckerzeug nimmt.“ Von seiner äußeren Erscheinung berichtet ein Zeitgenosse[2], daß er von ansehnlicher Größe war, blondes Haar hatte, das er in einer einfachen Locke ohne Tuppe glatt gekämmt und am Nacken etwas gekräuselt trug. „Seine Augen waren groß und hellblau, und hatten einen ernsthaften Blick. Die Nase war nicht lang und etwas aufgebogen, die Lippen voll. Um diese waren kleine Falten, die seinem Gesicht eine ausnehmende Freundlichkeit gaben. Die Stirne war hoch und gewölbt, die Gesichtsfarbe lebhaft.“
Die Spannung, die an den Höfen zu Wien und zu Berlin in diesen Tagen, die der Abreise der beiden Fürsten vorangingen, herrschte, war nach Schönfelds Depeschen und nach den Berichten des sächsischen Gesandten in Berlin, des Grafen von Zinzendorf, sehr bedeutend. Besonders in Berlin herrschte große Unklarheit, was denn nun eigentlich verhandelt werden sollte, umsomehr, als die Berichte des preußischen Unterhändlers in Wien, des Herrn von Bischofswerder, unmittelbar an den König gingen[3]. Die gewagtesten Vermutungen wurden geäußert; die Neugier der Gesandten von England und Polen fiel namentlich auf. In Wien war man auch fest überzeugt, daß der Gesandte der Kaiserin Katharina II., ein deutscher Prinz, General von Nassau-Siegen, dem Kurfürsten abreden sollte, die polnische Krone anzunehmen.
Sehr zweifelnd hatte sich der alte Fürst Kaunitz über den Erfolg der Zusammenkunft, die nicht sein, sondern des Kaisers eigenstes Werk war, ausgesprochen. Als man ihm ein Kompliment dazu machen wollte, antwortete er, man kenne ihn schlecht, wenn man annehme, daß er der Urheber davon sei; ohne Zweifel müßten die Verbindungen der Familie und das politische Interesse den Kaiser verpflichten, sich so eng wie möglich mit Sachsen zu verbinden. Die Annäherung von Wien und Berlin sei außerdem ein großes Glück für die Menschheit, aber er sehe voraus, daß die zwei Herrscher sich in Pillnitz so viele Dinge versprächen, die sie in der Folge weder erfüllen wollten noch erfüllen könnten, und nachher sei es an ihm, das, was sie in Verwirrung gebracht hätten, wieder zu entwirren[4]! Man sieht hier die alte Abneigung des Fürsten gegen Preußen und sein großes Selbstbewußtsein hindurchleuchten. Die Folgezeit hat ihm aber Recht gegeben, daß damals die beiden großen
- ↑ Hauptstaatsarchiv Loc. 738, Die Depeschen des Grafen von Schönfeld 1791.
- ↑ F. Hegard, Lebensgeschichte Kaiser Leopolds II, Prag 1792, S. 173.
- ↑ Schönfeld an Loß 20. August 1791. – Hauptstaatsarchiv Loc. 3402, Gesandtschaftliche Papiere des Grafen von Zinzendorf zu Berlin, 8. August 1791.
- ↑ Schönfeld a. a. O. 31. August 1791.
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 137. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/140&oldid=- (Version vom 26.3.2026)