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deutschen Staaten noch nicht dauernd und ehrlich miteinander wirken konnten.
Am 22. August war der Kaiser mit seinem ältesten Sohne, dem Erzherzog Franz[1], in einer Pirutsche von Wien abgefahren. Am 25. August fuhr er, in Begleitung des Feldmarschalls von Lacy, sowie des Hofrates und Staatsreferendarius von Spielmann, von Theresienstadt nach der sächsischen Grenze, wo ihn im Namen des Kurfürsten Oberst von Niesemeuschel empfing. In Zehista wurde er von seiner Tochter und deren Gatten, dem Prinzen Anton von Sachsen, auf das lebhafteste und zärtlichste begrüßt. Der Wagen des Kaisers war auf den steinigen „Felsenwegen der Gebirge“ schadhaft geworden, und so bestieg er mit seinen Kindern die sächsische Kutsche und fuhr unter Vorritt des sächsischen Oberforstmeisters von Trützschler ohne irgendwelches Gepränge nach der Elbe zu[2]. Um 3/412 Uhr mittags fuhr er auf einer Schiffbrücke, die außer der fliegenden Fähre den Verkehr zwischen den beiden Elbufern vermittelte, über den Strom und wurde bald darauf vom Kurfürsten und dem Hofstaat in „ländlicher Gala“ begrüßt. In der Türe zum Salon des Bergpalais empfing ihn die Kurfürstin mit ihrer Tochter und den Prinzessinnen. Er stieg mit seinem Sohne in dem Flügel links vom Bergpalais ab, im „Kaiserflügel“. Die Zimmer waren prachtvoll ausstaffiert worden; im Schlafzimmer gab es goldbrokatenes Bettgehänge im Werte von 10 000 Talern.
Bald darauf um 1 Uhr kamen Friedrich Wilhelm II. von Preußen und der Kronprinz, begleitet vom Prinzen Hohenlohe, dem Obersthofmeister Grafen Brühl[3], dem General von Bischofswerder, dem Major von Schack, dem Geheimkämmerer Rietz, den Geheimsekretären Rietz und Lombard. Dem Könige war Oberst von Polenz bis an die schlesische Grenze entgegengeschickt worden. Auch er hatte in der Nähe von Görlitz einen Wagenunfall gehabt. Trotzdem eilte er so schnell, daß er an diesem Tage 13 Meilen in 71/2 Stunden zurücklegte. In Bautzen sollte ihm großer Empfang mit Tafel angeboten werden. Er nahm nur einige Erfrischungen, unterhielt sich aber leutselig mit den erschienenen Ehrenpersonen. Der König saß bei der Einfahrt mit Bischofswerder im gleichen Wagen. Dieser Zug, bei dem mehrere Kutschen achtspännig waren, kam vom Weißen Hirsch durch die Berggasse, jetzige Schillerstraße, und bewegte sich alsdann durch das Elbtal aufwärts, zuletzt in die Maillebahn. Rechts und links standen viele Landleute aus den Dörfern. Das heitere Gelände soll besonders dem Kronprinzen, dem späteren Friedrich Wilhelm III., sehr gut gefallen haben. Er äußerte sich, so heißt es, zu einem seiner Begleiter: „Wahrlich, hier ist gut seyn! und mein Großonkel [Friedrich der Große] hatte wohl recht, als er von Sachsen sagte: Die Natur scheint hier selbst Hütten zu bauen; wohin man tritt, läuft einem das Fett in die Schuhe, und wohin man blickt, wird man von Wein und Schönheit trunken“[4].
Kaiser, Kurfürst und Prinzen empfingen die Gäste, der Herzog von Curland führte sie in den rechten, neu gebauten Flügel am Bergpalais. Nachdem der König einen Feldjäger mit Depeschen abgesendet hatte, wurden alle Gäste zur Tafel geladen, die im sogenannten Venustempel stattfand. Die musikalische Aufwartung hatten hierbei die Holzpfeifer und Hautboisten der Leibgrenadiergarde, die in zwei Chören über den Eingängen des Venustempels verteilt waren. Die Gesandten von Österreich und Preußen, die Grafen von Hartig und von Geßler[5], waren mit bei der Tafel. Von den französischen Emigranten erschien hier zunächst nur der General Marquis von Bouillé, dem es neun Wochen vorher nicht gelungen war, die aus Paris fliehende königliche Familie zu rechter Zeit auf der Landstraße zu treffen und unter den Schutz seiner Reiter zu stellen. Nach der sehr angeregten Tafel, bei der des Kaisers liebenswürdige Unterhaltung mit seinen fürstlichen Nachbarn angenehm auffiel, ward Spiel und Konversation gepflegt. Um 6 Uhr begab sich der Hof in die Oper. Es wurde eine ganz neue von Stabinger aufgeführt; der Originaltext rührte von einem venetianischen Dichter her. Ihr italienischer Name „L’astuzie di Bettina“ wird deutsch „Das schlaue Lieschen“ gegeben.
- ↑ Geb. 12. Februar 1768. Wenige Monate nach der Pillnitzer Zusammenkunft, am 12. Dezember 1791, wurde diesem jungen Fürsten zu Wien eine Tochter, Marie Luise, geboren, die dereinst als Gemahlin Napoleons in Dresden und in Pillnitz erscheinen sollte.
- ↑ Den Überrock soll Leopold beim Peterswalder Gastwirt zurückgelassen haben und gemeint haben, er werde ihn sich bei der Zurückkunft schon abholen. Die kaiserliche Postchaise hat der Pirnaische Gastwirt Schmoll wieder ausgeflickt und nachmittags nach Pillnitz gebracht.
- ↑ Charles Brühl, der dritte Sohn des bekannten sächsischen Ministers.
- ↑ Der Aufenthalt der Fürstlichkeiten in Pillnitz und in Dresden ist nach den Akten des k. Archivs und des Hofmarschallamtes, sowie nach einem Büchlein geschildert: Das Fürstenfest oder umständliche Beschreibung der Feyerlichkeiten etc. in Pillnitz und in Dresden vom 25. bis 27. August 1791. Friedrichstadt bey Dresden. – In diesem Werke scheint mancher aufgeputzte Anekdotenkram nach nicht verläßlicher Quelle oder nach Phantasie zu sein. Durchgängig glaubhafter ist der Bericht eines Augenzeugen, den W. Schäfer in der Sachsen-Chronik II, S. 66 benutzt. Er ist am 31. August 1791 in Dresden abgefaßt und hat dem Herausgeber im Original vorgelegen. Der Verfasser selbst will aus Vorsicht seinen Namen nicht genannt wissen. Vielleicht ist es ein Hofbeamter; sicher ein Beamter.
- ↑ Der bekannte Freund der Familie Körner, Elisas von der Recke und der Herzogin Dorothea von Curland; er verließ noch 1791 den diplomatischen Dienst.
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 138. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/141&oldid=- (Version vom 27.3.2026)