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den Hecker in die Reichsversammlung aufnehmen, das deutsche Posen den Polen preisgeben wollte, der hat keine Liebe zum Vaterland; wer so stimmt, muß auch wollen, daß so entschieden wird, eine solche Entscheidung führte uns aber nicht zur Einheit und Macht, sondern zum Bürgerkrieg und Untergang, und so dumm sind diese Leute nicht, daß sie hier nicht das voraussehen mußten, wenn auch sonst die Königlich Sächsischen Republikaner durch Wissenschaft und politische Bildung sich eben nicht auszeichnen. Hätte man, bei der damals vorherrschenden Richtung, in Dresden nur Köchly[1] gewählt, so war dies doch ein geistreicher, wissenschaftlich gebildeter Mann, aber welche schwache Geister vertreten Sachsen! Ich kann keinen für fähig halten, einen Staat zu organisieren, etwas Dauerndes zu schaffen, doch nehme ich hiervon Biedermann und Koch[2] aus, da diese zu den Republikanern nicht gehören. Wie Blum[3] so eine Geltung erlangen konnte, begreife ich nicht, ich habe hier noch nichts von ihm gehört, was das Verfassungswerk von Deutschland nur irgend gefördert, und doch hat er sich ganz ausgegeben. Ruge[4] hat doch noch Wissenschaft und Geist und seine Reden geben immer Stoff zur Gegenrede, obwohl dem, der im praktischen Leben steht, dabei völlig klar wird, daß so ein Philosoph ebensowenig wie ein Dichter (Uhland) zum Staatsmann paßt. –

Das rege Leben in den deutschen und konstitutionellen Vereinen Sachsens tut sehr not, wir haben noch eine gehörige Schule durchzumachen, um den Forderungen der neuen Zeit gewachsen zu sein. Die „Deutschen Blätter“ hat man hier nicht.

Nicht allein Weib und Kind ziehen mich nach Haus, sondern auch meine Wirtschaft und meine Verhältnisse zu unserm landwirtschaftlichen Vereinswesen. So eine Wirtschaft geht ohne den Herrn nicht auf längere Zeit fort, und die Geschäfte bei den Vereinen konnte ich bei meiner plötzlichen Abreise nicht so ordnen, daß ihr gehöriger Fortgang gesichert war. Ich bin daher in diesen Sachen unersetzlich, hier aber ersetzlich, kann deshalb zu Hause nützlicher wirken als hier, und der Mann muß stets so nützlich als möglich wirken. Du schreibst, mein Stellvertreter könne vor Weihnachten nicht eintreten, ohne zu bemerken warum, ich kann dies also nicht verstehen.

Du schreibst, man solle möglichst zu vermitteln und zu versöhnen suchen. Einem Feinde darf man nie Konzessionen machen, zumal einem, der mit ungleichen Waffen kämpft. – Die Preußen sind hier mit die tüchtigsten Leute, ihre Besonnenheit und Zähigkeit hat die Versammlung gehalten. Ein Stockpreußentum ist hier nicht zu erspähen, und Sonderinteressen zeigt nur hier und da ein Österreicher.

Über die Brentanosche Sache sowie die Amnestiefrage und den Skandal dabei findest Du einen recht guten Aufsatz in Nr. 22 und 23 der Flugblätter aus der Nationalversammlung. Ein Blatt, was ich Euch dringend empfehle. Maß hält schon die Versammlung, sie kann auch jetzt nur ihr Ansehen erhalten, wenn sie so gemäßigt wie möglich auftritt. Nur der Gelehrsamkeit und Redseligkeit ist mehr Maß zu wünschen; was muß hier das deutsche Volk noch lernen, ehe es praktisch wird für die neuen Verhältnisse. Hätte man doch die Grundrechte in der Fassung vorgelegt, wie sie der Dahlmannsche Entwurf des deutschen Reichsgrundgesetzes im Art. IV § 25 gibt, in einem Paragraphen fast alles, was die Zeit verlangt! und jetzt legt man 48 Paragraphen in zwölf Artikeln vor und über jeden Paragraphen wird oft mehrere Tage verhandelt und bei der Abstimmung noch so viel hineingebracht, daß man, wenn das Ding fertig ist, wohl fragen muß: können denn die Deutschen ein Gesetz machen? und sind doch so lang bei den Römern in die Schule gegangen! Da wirft man Gesetz und Ausführungsbestimmungen bunt durcheinander, und mit der Zeit könnte wohl in betreff mancher Bestimmungen auch hier das Sprichwort wahr werden: allzuviel ist ungesund. Wie ganz anders hatte Dahlmann dies alles gefaßt, der nur die Grundrechte hintereinander aufstellte, welche das Reich dem deutschen Volke gewährleistet und welche der Verfassung jedes einzelnen Staates zur Norm dienen sollen. Sonach war hier die weitere Ausführung der Gesetzgebung den einzelnen Staaten überlassen, welche hierbei zugleich Gelegenheit hatten, ihre Sonderinteressen zu berücksichtigen, und die Reichsversammlung verhandelte nur über das Prinzip; damit wär man zur rechten Zeit fertig worden, wenn aber soll die jetzige Arbeit fertig werden? Jetzt verhandeln wir schon wieder zwei Wochen über das Verhältnis der Kirche zum Staat, und wie erheben die Ultramontanen hierbei ihr Haupt; so viel Ultramontanes hatt’ ich hier nicht vermutet und welche Ansichten über den Staat tauchen von dieser Seite auf, über den Staat, der nur die Kirche geknechtet, während doch die Kirche Gottes Werk fördere und der Staat nur das Irdische! Nun, die Ultramontanen können leicht eine schöne Zukunft haben. Sie denken, dehnt ihr nur das Wahlrecht aus bis in die untersten Schichten des Volkes – wo es noch uns gehört – führt überall das Einkammersystem ein – dann brechen wir das Gegengewicht


  1. Professor Hermann Köchly, bis zum Dresdner Maiaufstand Lehrer an der Kreuzschule, gest. 1876.
  2. Professor Karl Biedermann (gest. 1901) und Bürgermeister Karl Wilh. Otto Koch (gest. 1876) in Leipzig.
  3. Robert Blum, Theatersekretär in Leipzig, erschossen am 9. Nov. 1848 in Wien.
  4. Schriftsteller Arnold Ruge, gest. 1880.
Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 12. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/15&oldid=- (Version vom 4.1.2026)