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Jagden. Am 22. Oktober 1893 erschien Kaiser Wilhelm II. beim 50 jährigen Militärjubiläum König Alberts zur Beglückwünschung. Zu den Geburtstagen König Alberts 1894 und 1896 kam der Kaiser zur Parade. 1896 folgte er einer Einladung zur zweiten internationalen Gartenbauausstellung am 9. Mai. Hierbei war es der Stadt Dresden zum ersten Male beschieden, einen Deutschen Kaiser zu bewirten. Am 23. April 1897 war er als Geburtstagsgast König Alberts anwesend. Am 23. April 1898 begrüßte Wilhelm II., zugleich mit Kaiser Franz Joseph, den siebzig Jahre alt gewordenen König Albert, der zugleich sein 25 jähriges Regierungsjubiläum feierte.

Im Jahre 1900 war der Kaiser mit seiner Gemahlin beim Ableben der Herzogin zu Schleswig-Holstein am 25. und 26. Januar in Dresden; in demselben Jahre und 1901 wiederum am 23. April zum Geburtstagsfeste. 1902 wohnte er am 23. Juni der feierlichen Bestattung König Alberts bei. 1903 erschien er am 17. März zur Erwiderung des Besuches, den ihm König Georg in Berlin abgestattet hatte, in unserer Stadt. 1904 war er am 19. Oktober bei der Beisetzung eben dieses Fürsten gegenwärtig. 1905 am 25. Oktober erwiderte er den ersten Besuch König Friedrich Augusts in Berlin. 1907 erschien er am 25. Mai zum Geburtstage eben dieses Königs in Dresden.

Sieben Kaiser des alten Reiches sind im Verlaufe von rund 450 Jahren in Dresden gewesen: den dritten Kaiser des neuen Reiches hat Dresden im Verlaufe von 23 Jahren 19 mal in seinen Mauern gesehen.




Schlesische Landwehr vor Dresden 1813.[WS 1][WS 2]

Unter dem Titel „Meine militairische Laufbahn geschrieben für meine Kinder im Jahre 1830[1]“ hat der Landwehrmajor Johann Carl Theodor Doercks Erinnerungen aus den Befreiungskriegen hinterlassen, die viel Merkwürdiges über den Zustand und das Verhalten der schlesischen Landwehr, insbesondere auch in den Schlachten bei Dresden und bei Leipzig, enthalten.

Doercks war 1794 bei der Festungs-Artilleriekompanie in Cosel, bei der sein Vater als Feuerwerker stand, als Gemeiner eingestellt worden und 1801 zum Oberfeuerwerker, 1806 zum Leutnant aufgerückt. Als solcher diente er 1806 und 1807 im schlesischen Festungskriege. 1810 nahm er seinen Abschied und erhielt die Stelle eines Kreiskassen-Kontrolleurs in Namslau. Im April 1813 bei der Erhebung Preußens meldete er sich wieder zum Kriegsdienst und wurde zum Hauptmann beim 7. Schlesischen Landwehr-Infanterieregiment gewählt. Er schreibt:

„So wurde denn auch zu jener Zeit die Landwehr unter Leitung des General v. Scharnhorst organisirt und aus sämtlichen waffenfähigen Mannschafften des Landes mit Ausschluß der angesessenen Wirthe durch’s Loos die Vertheidiger des Vaterlandes bestimmt, die Offiziers aber durch einen besondern aus Edelleuten, Bürgern und Bauern bestehenden Ausschuß in jedem Creise erwählt, als welcher letzterer auch für die Bekleidung und sonstige Armirung der Mannschafft (außer Gewehren und Munition, so der Staat lieferte) sorgen muste. Sämtliche pensionirte und im Civil versorgte Offiziers waren schon früher bey Errichtung von Reserve-Regimentern und Batterien aufgerufen worden, sich zum Wieder-Eintritt zu melden und so hatte auch ich mich gemeldet, war aber Seitens des Artillerie-Cheffs dahin beschieden worden, daß ich als Gesichtsschwach von einem Wiedereintritt entbunden seye. Allein dem ohnerachtet wählte man mich von gedachtem Ausschuß und übertrug mir eine Compagnie in dem zu errichtenden Bataillon. Leicht war mir es nun wohl, diesen Antrag durch meine anerkannte Invalidität abzulehnen, allein mächtig ergriffen von dem damals jeden Preußen beseeligenden Gefühl, die erlittene Schmach an den Franzosen zu rächen, entschloß ich mich für mein Vaterland zu kämpfen und Blut und Leben für dasselbe zu opfern, da ich besonders gesund und im kraftvollsten Alter von 36 Jahren mich befand und glaubte, daß mein geschwächtes Augenlicht dem Dienst als Infanterist nicht sonderlich hinderlich sein werde. Schwer wurde mir zwar der Entschluß, indem der Creis-Landrath, der mich wegen denen bedeutenden Lieferungen des Creises als Rechnungsführer besonders gut brauchen konnte, mir annoch eine gute Zulage bot, wenn ich zurückbliebe, als wodurch ich denn Frau und Kinder gut ernähren konnte, die ich dahingegen bei meinem Eintritt dem Schicksal Preis gab, falls uns das Kriegsglück abermals zuwider war und ich ihr keine Unterhaltung anweisen oder gar bleiben konnte, allein meine Begeisterung war zu groß und das Vertrauen auf Gott stärkte auch meine gute Frau, die zwar erst von einer Krankheit genesen war und die ich außer meiner damals 6 jährigen Tochter Linna mit einem Säugling, meinen Sohn Julius, verließ, jedoch als deutsche Frau meinem Willen sich ergab und mich nicht hinderte, an die Vaterlandsvertheidiger mich anzureihen.


  1. Schlesische Kriegstagebücher aus der Franzosenzeit 1806 bis 1815. Namens des Vereins für Geschichte und Altertum Schlesiens herausgegeben von Hermann Granier. Breslau 1904. Gegenwärtiger Auszug daraus erscheint mit freundlicher Einwilligung des Herausgebers.

Anmerkungen (Wikisource)

Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 150. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/153&oldid=- (Version vom 16.2.2026)