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Ich erhielt Anfangs Aprill 1813 160 Mann überwiesen und 4 Offiziers, worunter zwei Oeconomen, ein Forstschreiber und ein Gens d’armes-Unteroffizier war, aus denen ich eine Compagnie formiren sollte. Die Aufgabe war nicht klein, da unter der Mannschafft niemand war, der bereits gedient hatte und ich die Unteroffiziers nolens volens daraus wählen und denen, die selbst nichts verstanden, Corporalschaften zutheilen muste. Eben so wenig wusten die Offiziers aus dem Civil, die noch mit einer Art Unlust eintraten, und ich hatte mit dem ehemaligen Gens d’armes (Lieutenant Lecher) wohl unsäglich zu thun, um nur einigermaßen eine militairische Ordnung und Disciplin einzuführen. Es war daher des Instruirens kein Ende, wobey uns jedoch ein heraus gekommener Kriegs-Catechismus gute Dienste that. Auch wurde mit Exerziren der Anfang gemacht, welches ich aber erst selbst erlernen muste, da ich als Artillerist nie ein Schießgewehr in der Hand gehabt und das Marschiren und die übrigen Evolutions gegen 1806 dermalen eine große Veränderung erlitten hatte. Alle Wochen kamen wir 2 mal zusammen, wo wir Offiziers das mittlerweile durch die Gens d’armes Erlernte wiederum unseren Untergebenen mittheilten, und mittlerweile wurde denn auch die Mannschafft mit Montirungs-Stücken versehen. Bey dieser Bekleidung beobachtete nun aber der diese Angelegenheit leitende Creis-Ausschuß eine besondere Oeconomie. Das Tuch zu denen Litefken (ein kurzer Überrock) war sogenanntes Halbtuch und nur auf den Sommer berechnet, die Beinkleider von weißer Kaufleinwand, für Schuhwerk, Wäsche und Mäntel hatten die Gemeinden zu sorgen, allein diese sorgten sehr schlecht und leider bekamen die Leute Mäntel von allen möglichen Couleuren so, daß wir putzig genug aussahen. Wegen Halsbinden wurden die Damen in Namslau in Anspruch genommen und lieferten solche dergleichen ohnentgeldlich von alten Trauerkleidern, die jedoch von keiner sonderlichen Dauer waren. Die Cavallerie wurde übrigens mehr wie die Infanterie begünstigt, denn sie erhielt egale Mäntel, von was aber? Von denen Leichenträgermänteln der verschiedenen Zünfte, die man in Beschlag nahm und mit gelben Kragen versah, welche aber auch, wie man sich denken kann, vom Zahn der Zeit sehr mitgenommen waren . . . .
Unsere Armirung war übrigens so, daß nur zwei Glieder Gewehre hatten, das eine aber mit Lanzen (versehen mit eisernen Spitzen) bewafnet war. Bey diesem Gliede hatte man denn, nach welcher Bestimmung ist mir unbekannt geblieben, jedem sogenannten Pickenirer eine Schaufel und ein Beil angehangen, gleichsam als wenn wir die Franzosen wie die Füchse ausgraben sollten, und so armirt, montirt und jeder Mann mit einem Tornister von grauer Futterleinwand, die eben auch nicht die Beste war, versehen, passirten wir die Spezial-Revue vor dem Ausschuße. Obgleich ich nun meine Mühe nicht gespart, die Unteroffiziers möglichst gebildet, ja selbst die Tambours trommeln gelernt hatte, so war ich doch von meinen Offiziers und einem versoffenen Feldwebel (einem cassirten Offizier, den ich bald nach dem Ausmarsch wieder degradiren muste) wenig unterstützt worden und unsere Dressur konnte daher noch nicht weit sein, als wir dem ohnerachtet Befehl erhielten, zur Belagerung von Glogau auszurücken, wo wir denn am 14. May 1813 unter dem hier beygefügten Liede[1] ausmarschirten und dadurch sowie durch Trommelschlag unsere Gefühle beim Abschiede von den Unsrigen zu betäuben suchten.“
Nach Schilderung der Märsche des Regiments berichtet Doercks über das Kantonnement im Städtchen Mittelwalde und die weiteren Erlebnisse:
„Hier in Mittelwalde sind wir bis zum 27. Juny stehen geblieben und haben fleißig exerzirt und nach der Scheibe geschossen, auch war kein Zaun um die Stadt vor uns sicher, den wir nicht mit unseren Lanzen niedergerannt hätten. Es wurden nämlich Kreidepuncte an diesen Zäunen gemacht und diese Puncte, die Franzosen vorstellten, musten im Sturmlauf mit Hurrah getroffen und ohne Erbarmen durchstochen werden. Ein Glück war es für uns, daß wir diese Waffen endlich los wurden und auch für dies Glied Gewehre bekamen, denn wir wusten nicht, wo wir diese Lanziers hinstecken sollten. Erst stellten wir sie ins Vorderglied und musten selbige, wenn die andern beiden Glieder chargirten, auf ein Knie niederfallen und die Lanzen fällen, wobey selbige aber weidlich auf die Köpfe geschlagen wurden, dann postirten wir sie im Hintergliede und hier waren sie uns wieder bey denen Evolutionen im Wege. Obgleich unsere Gewehre auch von mehrerley Calibre waren, so war es doch in aller Art besser, so wie uns der Verkauf der Lanzen an den Landsturm, der im Glaetzer Creise aus allen männlichen Einwohnern von 15 bis 60 Jahren gebildet wurde (deren Exerziren aber ohne Lachen nicht angesehen werden konnte), ebenfalls Vortheil brachte, da wir aus dem dafür und für die nunmehr auch abgeschafften und veräußerten Schaufeln und Beile (von denen wir das nötige Schanzzeug für eine Section behielten) gelösten Gelde das Schuwerk etwas repariren lassen konnten . . . . .
Während unseres Hierseins besah der Major v. Natzmer, Flügeladjutant Seiner Majestät des Königs,
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Mein Vaterland du hast gerufen,
Heil jedem Braven, der es hört!
Ich eil’ an deines Altars Stufen,
Gern bring’ ich alles, was mir werth,
Mein Gut und Blut in der Gefahr,
Mein Leben selbst zum Opfer dar usw.
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 151. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/154&oldid=- (Version vom 16.2.2026)