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unsere ganze Brigade, die außer unserm Bataillon aus denen Bataillons Graf Dohna, v. Burgsdorf und v. Waldow bestand, bey Habelschwerdt. Eine Beschämung wurde uns hier erspart, denn die andern Bataillons musten die aus ihren Creisen mitgebrachten Fahnen (als mit einer solchen uns unser Creis-Ausschuß nicht electrisirt hatte) ablegen und wurden bedeutet, sich erst dergleichen vor dem Feinde zu verdienen. Wir hatten übrigens einen neuen Brigadier Major v. Falkenhausen erhalten, der uns brav exerziren ließ und mit uns über steile Berge und Sturzacker manoeuvrirte, sodaß wir endlich zu einer General-Probe reif wurden, die der General v. Gneisenau mit uns abhielt und zu der wir den 28. nach Alt-Wilmsdorff und den 29. über Glatz nach Bischkowitz marschirten. Der Herr General waren sehr gnädig und frugen jeden Offizier nach seinem Nahmen und bisherigen Geschäft. Einer derselben, der früher Soldat, zuletzt aber bürgerlicher Schneidermeister war, erwiderte ihm: „I nu, kennen Sie mich denn nicht, ich war ja ihr Compagnie-Schneider!“ War das nicht naiv? Überhaupt waren mitunter Offiziers bei der Landwehr gewählt worden, daß man zu jener Zeit es noch bedauern muste, zu dieser Classe zu gehören. Doch der Fehler war geschehen, der Kern der Nation, gebildete Männer und Jünglinge waren als freywillige Gemeine eingetreten und zu Führern der Landwehr fehlte es demnächst an tauglichen Subjecten. Später suchte man es nun wohl zu redressiren und schon während des Waffenstillstandes wurden freiwillige Jäger, die bereits bei Lützen mitgefochten hatten, bey uns als Offiziers eingestellt und dagegen krank sein wollende Landwehr-Offiziers entlassen, die wir auch gern verlohren, da ihr Heroismus nur Maulmacherey gewesen war und sie froh waren, heimgehen zu können . . . . .
Am 15. July hatten wir die letzte Parade und zwar vor dem General v. Kleist, der uns unsers guten Exerzirens wegen Felddienstfähig fand. Andere Bataillons, die nicht so weit waren, wurden zu Reserve-Bataillons bestimmt. Da uns nun bekannt wurde, daß wir zur Armee stoßen und baldigst marschiren würden, so erhielten wir auch endlich alles nöthige Feldgeräthe und was das Nöthigste war, Schuhe, da bisher alle Paraden hatten gröstentheils barfuß abgehalten werden müssen, wo wir befohlnermaßen nur das erste Glied und die Flügelleute der andern Glieder beschuht vorstellen konnten. Den 23. July marschirten wir nun ab und zwar bis Wartha, wo ich vom Brigadier Befehl erhielt, sogleich mit Fouriers abzugehen und für den andern Tag in Töpliwoda ein Lager abzustecken. Eine dergleichen Lager-Absteckung war in der Folge nicht mehr nöthig, denn wenn und wo es dem commandirenden General gefällig war, ließ er halten, einschwenken, Gewehr abnehmen und Gewehr zusammen setzen, wo dann das Lager sich von selbst bildete, wenn man sich dahinter legte. Den 24. übernachteten wir in diesem Bivouaque unter dem gräßlichsten Regen und im Kothe, da kein Halmen Stroh geliefert wurde. Es schien, als wenn man uns an dergleichen Partien gewöhnen wollte. Den 25. marschirten wir bis Heidersdorff, wo uns der General v. Klüx besah, zu dessen Brigade wir kamen. Dieser Mann fiel uns allen außerordentlich auf und wir versprachen uns, von seinem Adlerblick durchdrungen und von seiner imposanten Art im Ausdruck schüchtern gemacht, nicht viel Gutes von ihm, zumahl wir zu bemerken glaubten, daß ihm der Zuwachs seiner Brigade durch uns nicht sehr angenehm war, weil er uns besonders lächelnd fixirte, als wir ihm unsere früheren Verhältnisse nennen musten, wo sich nun freilich alle Stände, ehemalige Offiziers, Gens d’armes-Unteroffiziers, Offizianten, Theologen, Juristen, Bauverständige, Oeconomen, ja sogar ein Portraitmahler, ein Apotheker und ein Leinweber (welcher letzterer sich aber Leinwand-Fabrikant nannte) meldeten.
Unser bisheriger Brigadier erhielt ein Streifcorps und die Brigade desselben, nämlich wir 4 Landwehr-Bataillons wurden jetzt das 7. Landwehr-Regiment genannt, dessen Commando unser bisheriger Bataillons-Commandeur Major v. Kickpusch bekam und wogegen ich interimistischer Bataillons-Commandeur wurde. Wir marschirten nach der Besichtigung über Nimptsch nach Poseritz, wo wir abermals bivouaquirten. Den 26. [Juli] über Ober-Lauden nach Jelline bey Strehlen, wo wir einquartirt wurden und bis zum 6. August cantonirten. Hier ging nun mein Leiden als Bataillons-Commandeur an, denn dem Herrn General v. Klüx hatten wir in unserem Aufzuge nicht gefallen und wir erhielten jede Compagnie einen Mann als Modell von der Linie, nach dem unsere Leute sich formiren und packen sollten. Unsere leinenen Tornister wurden nun mit Kasten von Schindeln versehen (wo denn nach einigen Tagen schon die Ecken durchgebohrt waren), die Feldflaschen und Brotbeutel gehörig geordnet, die Mützen gesteift und die Mäntel rollen gelernt, kurz ein Befehl jagte den andern, doch aber konnte man es dem General ansehen, daß wir ihm bey allem unserm guten Willen zuwider waren. Exerzirt wurde nun auch dabey mit großer Strenge, allein wir marschirten immer zu krumm und wir Offiziers konnten nun doch leider die Rücken der mitunter alten Landwehrmänner nicht grade machen . . . . .
Den 5. August muste ich das Dorf umzingeln und alle Pferde in Beschlag nehmen und nach dem Haupt-Quartier[WS 1] senden. Hierdurch wurden wir nun so zu sagen mobil gemacht, alle Kapitains erhielten jeder 1 Reit- und ein Packpferd (letzteres mit zur Aufnahme der Mäntel der jüngeren Offiziers) und jedes Bataillon
Anmerkungen (Wikisource)
- ↑ Vorlage: Qnartier
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 152. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/155&oldid=- (Version vom 16.2.2026)