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erhielt 3 Wagen, einen Oeconomie-Bagage-, einen Patronen- und einen Caßen- und Medizinwagen. So erhielt ich nun auch 2 Pferde, welche mir mein Bursche, jedes an einem Strick, überbrachte. Kein Zaum, kein Sattel wurde uns geliefert, und da ich nun als Ritter von der traurigen Gestalt an meine Parthie bey Pohlnisch-Steine 1806 dachte, wo mich das Pferd beim ersten Schuß abgeworfen hatte, so nahm ich lange gar keine Notiz von meiner Cavallerie, sondern mein Bursche sorgte für selbige. Doch dieser wuste sich zu helfen, beim Einmarsch in Böhmen fand er in jedem Nachtquartier etwas, heute einen Zaum, morgen einen Sattel, übermorgen eine Schaberacke, so daß in 14 Tagen beide Pferde bekleidet waren. Zum Glück kam kein Kläger und ich konnte nach einiger Zeit, wo wir (jedoch erst nach der Dresdner Schlacht) das Mobilmachungsgeld erhielten, diese 50 Rthlr. meiner Frau anweisen, auch da ich bemerkte, daß mein Pferd ruhiger Natur sey, versuchte ich endlich zu reiten, und fand, daß es sich doch besser schlecht reiten als gut und weit gehen läßt . . . . .

Den 23. marschirten wir unter unaufhörlichem Regen bis Dorf Nassau im Sächsischen Erzgebürge, wo wir mitten unter den Wolken (der Himmel war ganz verfinstert) und unter Regenströmen campirten. Unsere armen Leute fingen an krank zu werden, und da keine Kranken nachgefahren wurden, blieben sie ihrem Schicksal überlassen und konnten sich nach Böhmen zurückschleppen, wenn sie die Aerzte für krank anerkannten. Ueberhaupt waren unsere Landwehrmänner sehr zu bedauern, Kartoffeln und Wasser war ihre Nahrung, die leinenen Hosen blieben immer naß am Leibe und die alten Mäntel waren nicht hinreichend zur Bedeckung in den kalten Nächten, und dann waren sie noch der übelsten Behandlung ausgesetzt. Früher wurden kraftlos gewordene zurückgelassen, bis selbige nachkommen konnten. Jetzt wurde beinahe alle Stunden angehalten und die Leute nach dem Rapport vom General nachgezählt, und da sich nun das Zurückbleiben ergab, die Arriergarde von einer ganzen Compagnie angeordnet, die eine halbe Stunde später abmarschirte und alle malade auffangen und beim Einrücken ins Bivouaque ins Hauptquartier transportiren muste, wo es alsdann Prügel gab; denn leider war die Landwehr, nachdem einige Leute bey Durchmärschen sich etwas zu ihrer Bekleidung zugeeignet hatten und weil der General sah, daß die Mannschafft nicht in ihren Gliedern blieb, sondern z. B. bey Erblickung eines Brunnens um zu trinken auseinander lief, in folle in die 2. Classe nolens volens versetzt und wir Offiziers zum Prügeln angewiesen. Freilich war dies alles sehr bitter, allein später sahen wir ein, daß diese Strenge doch durchaus nothwendig war. Da die Diarrhöe unter uns einreißen muste, so war es bey Austretenden beschwerlich und zeitraubend, bis sie ihre Sachen ab und nach Verrichtung ihrer Nothdurfft wieder aufgepackt hatten. Es wurden daher Löcher in das Hintertheil der Beinkleider geschnitten, um das natürliche Bedürfniß schneller zu verrichten, und die vielfältigen Dechargen musten uns freilich bey allen unsern Leiden oft zum lachen machen. Noch muß ich bemerken, daß in unserm erbärmlichen Aufzuge, wo wir uns langsam fortwälzten, wir noch öfters große Musterungen hatten, besonders beim Durchmarsch von Städten, wo entweder der General v. Kleist, als Cheff des Corps, oder der Brigadier Prinz August als Prinz vom Hause bey sich vorbey marschiren ließ. Dann hieß es in Parade vorbey marschirt, und wir sahen aus wie die Dreckschwalben s. v., doch musten wir berittenen Offiziers von den Pferden und salutiren. Nahm der Herr General v. Kleist die Parade ab, so zog Prinz August den Degen und passirten wir die Revue vor dem Prinzen August, so entblöste der General v. Kleist sein Schwerdt.

Den 24. blieben wir auf jenem hohen Berge bey Nassau stehen bis Mittag, dann marschirten wir bis vor die Stadt Dippoldiswalde, wo wir des Nachts 1/212 Uhr ins Bivouaque rückten. Es war eine so schreckliche Finsterniß auf diesem nächtlichen Marsch und in diesen Gebürgen der Weg so schlecht, daß ganze Colonnen untereinander geriethen und daß des Rufens und Schreiens der Commandeurs, die ihre Bataillons, Compagnien etc. benannten, kein Ende war, und viele Leute fielen und stürzten übereinander her, die Artillerie muste Zündlichter anbrennen und so muste endlich gehalten werden, wo wir, nämlich unser Bataillon, an eine Berglehne zu stehen kamen, an der die Landwehrmänner nur terrassenartig, das Gewehr zwischen den Beinen haltend, sich niedersetzen konnten, bis es denn tagte und wir weiter marschirten. Glücklicherweise wurden wir hier etwas gestärkt, 24 Mann erhielten ein Brodt. Es war freilich nicht viel, aber doch besser wie gar nichts, da wir besonders nie auf andere Art etwas lucriren konnten, und wenn wir Brodt in Vorbeimarsch durch Ortschaften begehrten, nur immer die Antwort bekamen „is alles schun weg, lieber Harre“. Den 25. gelangten wir in die Gegend von Maxen, wo wir abermals im Hafer bivouaquirten, es regnete aber wieder unaufhörlich. Ich hatte das Glück, mit meinem Bataillon einen Weg zu durchschneiden und an diesem stand eine Capelle, auf deren Schutz ich mich nun recht herzlich freute, aber so eben hatte ich dem darin stehenden Heiligen meinen Säbel umgehangen und wollte mich auf einem Haufen Haber commode machen, als mein Herr Regiments-Cheff mich delogirte, der mich zwar bey sich zu behalten erklärte, welches ich aber, da ich sein fürchterliches Schnarchen kannte, höflichst ablehnte.

Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 153. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/156&oldid=- (Version vom 16.2.2026)