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deckte die Flanke, indem sich die Brigade seitwärts des Berges zurückzog. Unter dem heftigsten Kugelregen gewann ich unter Verlust mehrerer Mannschafft den Berg und focht mit meinen Leuten gegen die feindlichen Tirailleurs bis es finster ward und das Feuer des Feindes aufhörte, wo ich mich dann auch zurückzog und nachdem ich das Bataillon gesammelt gegen 9 Uhr die Brigade ausruhend erreichte. Mein Adjutant vertheilte hier ein Brodt stückweise an uns Offiziers, welches er an diesem Tage in einem Dorfe Beute gemacht hatte. Wie dies schmeckte, könnt ihr lesenden denken.
Einige Stunden noch verweilend, marschirten wir diese Nacht so wie den darauf folgenden 30. weiter, zusammengeklemmt in den schrecklichsten ungangbarsten Wegen und Schluchten der Gebürge, kämpfend mit Feinden, die uns seit- und rückwärts immer verfolgten, unter Mangel an Lebensmitteln und unter anhaltendem Regen. So wanden wir uns denn nach Böhmen zurück, annoch in der Angst, daß das ganze Corps werde capituliren müssen, denn leider muste die Brigade oft Kehrt machen und wir schlugen einigemal ganz entgegengesetzte Richtungen im Marsch ein. Landleute als Führer wurden gewaltsam herbeygeschafft und durch Soldaten mit gespanntem Hahn escortirt, um sie am Weglaufen zu hindern. Die Canonen musten über steinige Anhöhen gehoben, ja einige Geschütze demolirt werden, da die Achsen brachen und Pferde liegen blieben, wo die Röhre vernagelt, die Affuitage unbrauchbar gemacht und die Munition ins Wasser oder Koth geworfen wurde. Krautstrünke waren zuweilen unsere einzige Nahrung, an Brandwein war nicht zu denken, obgleich einigemal sich rußische Marketender zeigten, vor denen wir uns aber fürchteten, da sie Kalkwasser für Schnaps verkauften, auch so theuer waren, daß ich selbst sah, wie ein Cavallerie-Offizier einem dergleichen Marketender einen harten Thaler für einen Schnaps gab, als ihm der letztere aber nichts wieder geben wollte oder konnte, ersterer ihm eine derbe Ohrfeige gab und abritt. Gegen Abend kamen wir nach einem Eichenwald bey Töplitz in Böhmen, doch aber sehr spät, da eine Menge todter Pferde, zerbrochener Wagen und Karren unsern Marsch hinderte, und bezogen wir hier ein Bivouaque.
Den 31. blieben wir hier stehn, das Verfolgen des Feindes hatte aufgehört und wir erhielten Brodt und Schnaps, wir Offiziers sogar rothen Wein, und erfuhren, daß während dem wir, die Klüxsche Brigade, den Rückzug gedeckt hatte, unser commandirender General v. Kleist den Feind bey Culm geschlagen habe und der feindliche General Vandamme gefangen worden sey. Meine Freude darüber war groß, überhaupt über unsere Rettung, denn schon hatte ich gedacht, daß mein Loos abermals nicht anders sey, als gefangen zu werden . . . . .
Den 1. September rückten wir mit unserm Bivouaque etwas weiter und hatten Ruhetag. An diesem Tage wurde ich meines interimistischen Bataillons-Commandos entledigt, indem mein Bataillon, welches von 600 Mann zuletzt nur 200 Mann stark war, denen andern Bataillons unsers Regiments einverleibt wurde, wo ich denn eine Compagnie beim 2. Bataillon bekam, welches unter Commando des Major von der Wense stand. Ich muß gestehen, daß es mir nicht ganz gleichgiltig war, obgleich ich einer Menge Geschäffte überhoben wurde und auch vielleicht nicht Chef geblieben wäre. Allein da ich das Bewustsein hatte, meine Schuldigkeit gethan zu haben und nicht dafür konnte, daß durch Wind und Wetter, Hunger, Durst und Ermattung meine sonst brav gewesenen Landwehrmänner nicht gleich alten Kriegern ausgedauert hatten, zumal auch durch die Exponirung meines Bataillons ein bedeutender Abgang an Getödteten und Verwundeten entstanden war, so tröstete ich mich denn und hatte noch mehr Ursach dazu, als ich erfuhr, daß einem Bataillons-Commandeur Capitain v. Trebra in jener schrecklichen Nacht vom 27. zum 28. sein ganzes im Beuthner Creise gebildetes Landwehr-Bataillon weggelaufen war, wofür er später 2 Jahr auf Festung kam – und er hatte doch die Leute auch nicht halten können . . . . .“
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Daß sich die schlesische Landwehr während der Schlacht bei Dresden nicht gerade mit Ruhm bedeckt hatte, war bei der geschilderten mangelhaften Ausrüstung und Einübung wahrlich nicht zu verwundern. Um so erstaunlicher ist es, was die preußische Heereszucht in den nächsten Wochen aus diesen Truppen zu machen verstanden hatte. In der Schlacht bei Leipzig kämpfte das 7. Landwehrregiment heldenmütig in vorderster Reihe und ward nahezu aufgerieben. Die Schilderung, die Doercks von diesem blutigen Kampfe gibt, ist ergreifend. Mit 1 400 Mann in die Schlacht gerückt, bestand das Regiment nach dem Viktoriaschießen noch aus 61 Mann! Das kleine Häuflein tapferer Männer wurde dem Könige Friedrich Wilhelm vom General v. Klüx mit dem Bemerken vorgeführt, daß dieses Regiment wert wäre, unter die königliche Garde aufgenommen zu werden, worauf der König der Mannschaft persönlich dankte, da sie viel zum Erfolge der glorreichen Schlacht beigetragen hätte.
| Inhalt: Füstenbesuche in Dresden. I. Deutsche Kaiser: Leopold II, 1791 (Schluß). Von Prof. Dr. Paul Rachel. – Schlesische Landwehr vor Dresden 1813. |
| Herausgeber Dr. Otto Richter, Ratsarchivar in Dresden. – Druck und Verlag der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung in Dresden. |
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 156. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/159&oldid=- (Version vom 17.2.2026)