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hinter der Brücke herausragenden Dachreiter der alten Frauenkirche darstellt, der bis zuletzt diese Gestalt hatte, wenn er auch auf dem Bilde ebenso wie alle andern Türme der Stadt übermäßig in die Höhe gezogen erscheint. Der falsche Eindruck, daß das Türmchen auf der Brücke stehe, wird dadurch hervorgerufen, daß es sich infolge kräftiger Zeichnung zu sehr in den Vordergrund drängt und daß weder über noch unter der Brücke hindurch eine Spur vom Kirchengebäude zu sehen ist. Möglich wäre es auch, daß der Kupferstecher die vielleicht etwas flüchtige Zeichnung van Cleefs mißverstanden und das Türmchen tatsächlich auf die Brücke gesetzt hat. Faßt man es als das Frauentürmchen auf, so erweist sich das weiter rechts stehende große Gebäude mit dem hohen Dache und dem breiten Turme ganz zwanglos als die Kreuzkirche, so daß dann das Bild keinerlei Rätsel mehr aufgibt.
ist eine Brotspende, die seit alter Zeit aus landesherrlichen Mitteln alljährlich an Dresdner Arme verteilt wird. Vor einigen Jahren erklärte die Staatsregierung, die Spende einziehen zu wollen; sie hielt sich dazu für berechtigt, weil es sich nicht um eine Stiftung, sondern nur um eine jederzeit widerrufliche Gnadenbewilligung der Landesherren handle. Dies führte zu einem Streite mit der Stadtverwaltung, der schließlich durch einen Vergleich beendet wurde. In einem von mir erstatteten Gutachten konnte ich es als nahezu gewiß erweisen, daß die Brotspende eine uralte geistliche Stiftung ist. Man hatte seit dem 18. Jahrhundert den Ursprung des Paxbrotes darin gesucht, daß es nach dem Dreißigjährigen Kriege von den Landesherren aus Dankbarkeit für den wiedergewonnenen Frieden (pax) gestiftet worden sei. Diese Annahme wurde aber hinfällig, als sich ergab, daß die Spende schon in der Rechnung des Dresdner Rentamts vom Jahre 1579 (die älteren sind leider nicht erhalten) verzeichnet war. Es war nun nicht abzusehen, an welchen andern Frieden der Name anknüpfen sollte. In der Tat hat das Paxbrot mit dem Worte pax, der Friede, überhaupt nichts zu tun, sondern der Name ist offenbar herzuleiten von dem mittellateinischen paxema oder paxematicus panis, das ist ein zweimal gebackenes Brot, ein Brotzwieback, den man im Mittelalter besonders in den Klöstern herstellte, wo er jedenfalls auch an Arme ausgespendet wurde. Dieser Ursprung des Namens, der bereits im 17. Jahrhundert nicht mehr bekannt war, deutet allein schon darauf hin, daß die Paxbrotstiftung sehr früh, jedenfalls noch im Mittelalter, entstanden ist, und daraus erklärt es sich auch, daß sich in den Archiven weder eine Stiftungsurkunde noch eine sonstige ursprüngliche Nachricht vorfindet. Aber einen wichtigen Hinweis gibt die erwähnte Rechnung des Rentamts von 1579; in dieser ist das Paxbrot gebucht unter der Bezeichnung „Ausgabe für die geistlichen Zins zu Verrichtung der Spende und Almosen“. Das kann nichts andres heißen, als daß die Kornlieferung zum Paxbrot als Entschädigung für eingezogene geistliche Zinsen auf das kurfürstliche Amt übernommen worden ist. Man darf vermuten, daß die Paxbrotspende ursprünglich in einem der hiesigen Klöster ausgeteilt und bei dessen Aufhebung zur Zeit der Reformation von den Landesherren, die die Güter und Einkünfte des Klosters einzogen, fortgesetzt worden ist. Etwas Genaueres darüber wird sich, bei der Lückenhaftigkeit der Akten gerade aus jener Zeit, schwerlich feststellen lassen, aber wenn man in Betracht zieht, daß solche Rechnungsvermerke wie der erwähnte in alter Zeit ganz besonders zuverlässig und nicht selten die einzige Grundlage für bestehende Rechtsverhältnisse waren, wird sich an der Tatsache kaum rütteln lassen, daß die Paxbrotspende ursprünglich eine geistliche Stiftung gewesen ist.
Der 17. Jahrgang der „Dresdner Geschichtsblätter“ brachte hauptsächlich ein umfangreiches Tagebuch des späteren Generalmajors Friedrich Aster aus der Zeit der Teilung Sachsens 1814–15 und den Briefwechsel zwischen Ernst Rietschel und Julius Schnorr, sowie die Fortsetzung des Aufsatzes „Fürstenbesuche in Dresden“ von Paul Rachel. Außerdem gab der Verein ein neues Bilderwerk heraus, enthaltend die erste Reihe „Bildnisse hervorragender Dresdner aus fünf Jahrhunderten“ in 40 Lichtdrucktafeln, mit biographischem Text von Dr. Georg Beutel, wozu in den nächsten Jahren noch zwei weitere Reihen abwechselnd mit den Fortsetzungen der „Dresdner Bilderchronik“ erscheinen sollen. – Vorträge hielten Handelsschuldirektor Prof. Dr. Rachel am 12. Februar über Kaiser Maximilians II. und am 11. November über Kaiser Matthias’ Besuche in Dresden, Pfarrer Blanckmeister am 11. März über den Oberhofprediger Franz Volkmar Reinhard, Oberbibliothekar Hofrat P. E. Richter am 8. April über Oberlandbaumeister Dilich, den Schöpfer der Federzeichnungen kursächsischer Orte, Superintendent Oberkonsistorialrat D. Dibelius am 14. Oktober über Viktor von Strauß und Torney und Seminaroberlehrer Cand. rev. min. Sigismund am 9. Dezember über den Maler Kaspar David Friedrich in Dresden, dessen Werke in Lichtbildern vorgeführt wurden. Die Vorträge wurden im letzten Winter auch den Damen der Mitglieder zugänglich gemacht. Das Ziel des üblichen Sommerausflugs war diesmal die Burg Frauenstein. Der Ausflug[WS 1] fand am 31. Mai bei herrlichem Wetter unter Beteiligung von etwa 60 Mitgliedern statt; nach eingehender Besichtigung der mächtigen Burgruine fuhren die Teilnehmer zunächst bis Tharandt zurück und nahmen im dortigen Badehotel ein fröhliches Mahl ein, worauf abends noch die Tharandter Burgruine besucht wurde. – Die Jahresrechnung wies 6875 Mark Einnahme (darunter 6102 Mark Mitgliederbeiträge, 300 Mark Beitrag der Stadtgemeinde, 386 Mark Erlös aus Veröffentlichungen) und 9023 Mark Ausgabe (darunter 1665 Mark Aufwand für die Geschichtsblätter und 5990 Mark für das Bildniswerk, 100 Mark zur Erhaltung des Frohnauer Hammers bei Annaberg und 50 Mark zur Erhaltung der Burgruine Frauenstein) auf; es verblieb ein Kassenbestand von 1416 Mark. – Von den 957 Mitgliedern des Vorjahres schieden 26 durch Austritt und 24 durch Tod aus, während 93 neu eintraten, so daß die Mitgliederzahl am Jahresschlusse 1000 betrug.
| Inhalt: Dresden im Schmalkaldischen Kriege (1547). Von Dr. phil. O. A. Hecker. – Sachsenbriefe aus der Paulskirche. Mitgeteilt von Dr. O. Richter. – Ein Apotheker-Lehrvertrag 1718. Mitgeteilt von Carl Hollstein. – Zur ältesten Ansicht der Stadt Dresden. – Das Paxbrot. – Vereinsbericht für 1908. |
| Herausgeber Dr. Otto Richter, Ratsarchivar in Dresden. – Druck und Verlag von Wilhelm Baensch in Dresden. |
Anmerkungen (Wikisource)
- ↑ Vorlage: Ansflug
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 16. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/19&oldid=- (Version vom 17.2.2026)