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XVIII. Jahrgang          1909          Nr. 2.


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Fürstenbesuche in Dresden.
Von Professor Dr. Paul Rachel.

I. Deutsche Kaiser. (Fortsetzung).
Matthias. 1617.

Zweimal war Kaiser Maximilian II. bei Kurfürst August von Sachsen in Dresden erschienen, 1564 und 1575, beide Male, um von dem für die Reichspolitik und die Politik des Hauses Habsburg wichtigsten Reichsfürsten die Zustimmung zu der Wahl eines künftigen Kaisers zu erlangen. Beide Male hatte er erreicht, was er wollte: er selbst wurde nach seines Vaters Tode zum Kaiser, sein Sohn Rudolf zum römischen König und daraufhin auch zum Kaiser erwählt. Beide Male hatte Kurfürst August aus dynastischen Rücksichten und aus Abneigung gegen die kalvinistische Partei unter den Reichsfürsten die alte Anhänglichkeit an das Haus Habsburg kräftig erwiesen.

Unter seinen beiden Nachfolgern, Christian I. und Christian II., ist kein Kaiserbesuch zu verzeichnen. Es lag dies einerseits an der eigentümlichen Geistesart des Kaisers selbst, an Rudolfs II. Abneigung, seine Länder zu verlassen und in unmittelbare Verhandlungen mit anderen Fürsten zu treten; anderseits aber auch an der anderen Richtung, die die sächsische Politik wenigstens unter Christian I. einschlug. Dieser hatte eine selbstständigere Haltung gegen das Haus Habsburg eingenommen; die kalvinistischen Tendenzen erhielten durch seinen Kanzler Crell für einige Zeit die Oberhand, eine Verbindung mit Frankreich und den Niederlanden rückte ins Bereich der Möglichkeiten. Dies änderte sich nach seinem Tode unter dem Administrator Herzog Friedrich Wilhelm von Sachsen-Weimar; dieser brach sehr jäh mit Crells kalvinistenfreundlicher Politik und zeigte sich dem Hause Habsburg bei verschiedenen Reichstagsbeschlüssen sehr willfährig.

Noch entschiedener erwies sich in beiden Hinsichten Christian II., als er die Regierung selbständig übernommen hatte: Crell wurde hingerichtet, und der Kurfürst näherte sich der kaiserlichen Politik aus einem ganz bestimmten dynastischen Grunde. Das Haus Sachsen, das bereits seit 1483 die Anwartschaft auf die Jülich-Cleve-Bergischen Lande mehrmals bestätigt erhalten hatte, hoffte nun sehr bald in deren Besitz zu gelangen, und geriet gerade dadurch mit anderen Fürsten, besonders mit dem Kurfürsten von Brandenburg, in Widerstreit. Ein Zusammengehen mit dem mächtigsten evangelischen Mitkurfürsten war nicht mehr zu denken, als 1609 sich trotz kaiserlichen Verbotes der zu erbenden Lande der Pfalzgraf von Neuburg und der Kurfürst von Brandenburg bemächtigten. Christian II. sah sich nun (1610) selbst veranlaßt, den Kaiser Rudolf, der mittlerweile seine sämtlichen Erbländer an seinen Bruder Matthias verloren hatte und nur noch Kaiser war, in Prag aufzusuchen und ihn um die Belehnung mit dem erhofften Erbe zu bitten. Diese sehr inhaltslose Zeremonie fand unter großem Gepränge und den in jener Zeit üblichen Trinkgelagen statt, bei denen nach zeitgenössischen Berichten sich der kraftvolle, dem Lebensgenusse sehr ergebene „sächsische Herkules“ besonders hervortat. Von irgendwelcher politischen Bedeutung war der Vorgang nicht, denn aus einer Frage des Rechtes war längst eine Frage der Macht geworden.

Ein Jahr nach dieser Prager Zusammenkunft starb Christian II., und ihm folgte sein Bruder Johann


Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 17. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/20&oldid=- (Version vom 23.2.2026)