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in welchen Ich von Ihrer Khays. M. geworffen worden, werde verbleiben müssen, Euer Churf. Dl. und dero Löbl. Hauß der Justitien zum Besten wier dienen khönnen, das an Mier nichts mangeln solle.“ Wenn er ihm ohne „vorgegebene Gelegenheit“ schreibe, solle ihm das nicht als Vermessenheit, sondern für eine „guete aufrechte Teutsche Affection“ gehalten werden.

Am 28. September 1612 hatte Johann Georg Veranlassung, sich beim Kaiser für die Zusendung zweier englischer Hunde, die ihm ganz lieb und angenehm seien, zu bedanken. Sie waren ein Ersatz für einen großen Hund, nach des kaiserlichen Landjägermeisters von Losenstein Meinung „capitan“ aller Hunde, den Matthias in Frankfurt zu schenken versprochen hatte, der aber mittlerweile, wie der Kaiser schreibt, „verreckht“ sei. Am 22. Oktober 1612 bat der Kaiser von Prag aus um einen Gegendienst, um Zusendung von etlichen Falken, da er gehört habe, daß ihrer in des Kurfürsten Lande viele und gute gefangen würden; sie sollten dem Falkenmeister Peter Paul della Granja zugesendet werden. Johann Georg konnte nicht damit dienen, denn er hatte selbst nur zwei, „die eben erst aus der Maus gekommen“, von denen man nicht wissen könne, wie sie sich anließen; er hatte daher sogleich an den Herzog von Württemberg um solcher Vögel willen geschrieben.

Erst zwei Jahre später vernimmt man von neuer Verbindung vertrauterer Art zwischen den beiden Fürsten. Der Kaiser läßt dem Kurfürsten unter dem 2. Juni 1614 bei „jetziger Occasion“ 100 Eimer Wein zukommen: 20 Oedenburger, 30 Ruster, 16½ Eisenstädter und 4 „Toggeyer“; dazu noch 2 Fuderchen Österreicher. Aus der Zeit bis zu den Verhandlungen über die Reise des Kaisers nach Dresden liegen nur noch einige kurze Neujahrsglückwunschschreiben vor.

Die „Occasion“, bei der das reiche Geschenk an Wein abgesendet war, bildete eine Gesandtschaft des Kaisers an Johann Georg während des sogenannten Linzer Tages 1614. Auf ihm sollte über die Sukzession in den Habsburgischen Ländern und über die Komposition im Reiche verhandelt werden. Dies letztere war das zusammenfassende Wort zur Bezeichnung der Auseinandersetzung der zwei großen politisch-kirchlichen Parteien im Reiche. Die Nachfolge in den Habsburger Landen war besonders schwierig zu regeln, da außer den kinderlosen Brüdern des Kaisers, den Erzherzögen Albert und Maximilian, ein Neffe des Kaisers, Erzherzog Ferdinand aus der steirischen Seitenlinie, und König Philipp III. von Spanien in Frage kamen. Dieser letztere behauptete nämlich näheres Erbrecht als Ferdinand zu besitzen.

Auf dem Linzer Tage wurde nun in Aussicht gestellt, daß der König von Spanien gegen gewisse Zusagen von seinen Forderungen auf das Gesamterbe zurücktreten werde. Immer wahrscheinlicher wurde es, daß, unter Verzichtleistung der Brüder des Kaisers, Ferdinand von Graz Erbe der österreichischen Länder werden sollte. Schwieriger schien die Frage der Nachfolge im Reiche. Johann Georg war erbötig, einen Habsburger zu wählen, und zwar auf einem Kurfürstentage, der ohne Angabe eines besonderen Zweckes berufen werden sollte. Als der Kaiser davon vernahm, war er der Meinung, die Kompositionsfrage mit der Sukzessionsfrage zu verbinden. Klesl verfocht dagegen die Meinung: erst die Komposition, dann die Sukzession; denn so seien die zwei anderen evangelischen Kurfürsten neben Sachsen, Pfalz und Brandenburg, allein zu gewinnen.

Die Verhandlungen über diese Frage rückten, infolge der Meinungsverschiedenheiten der Parteien und der starken Forderungen der Evangelischen, nicht vorwärts. Dies veranlaßte den sehr energischen Erzherzog Maximilian dazu, die Angelegenheit am Hofe des Kaisers und im Reiche zu betreiben. Dieser Bruder des Matthias, damals 59 Jahre alt, Hoch- und Deutschmeister, hatte einst, aber vergeblich, König von Polen werden wollen. Im Thronstreite seiner Brüder hatte er zu Matthias gehalten, jetzt trat er mit größtem Eifer für die Nachfolge des Neffen Ferdinand ein. Er entwickelte dem Kaiser sein politisches Programm in einer sehr lebhaften Eingabe und betonte vor allem: zur Durchführung der Pläne des Hauses Österreich sei der feste Kern eines Heeres notwendig. Er griff damit den Plan eines kaiserlichen Rates, des Grafen Hohenzollern, auf: 25000 Mann zu Fuß, 4000 Reiter auf ein Jahr; die Kosten sollten der Kaiser, Erzherzog Albert, der Statthalter der Niederlande, sowie König Philipp III. von Spanien und die gehorsamen Stände zahlen. Wenn man so gerüstet sei, könne man den Gegnern den Willen aufzwingen. Unter den politischen Mitteln, die während der „Armierung“ anzuwenden seien, bezeichnete er als das wichtigste: Johann Georg von Sachsen ist durch einen persönlichen Besuch des Kaisers für die Wahl Ferdinands zum Nachfolger auf den Kaiserthron zu gewinnen. Dies sagte deutlich, daß der Schlüssel zur Lösung der für Deutschland wichtigsten politischen Frage ohne Zweifel in Dresden lag.

Der Kaiser erließ darauf unter dem Einflusse Klesls ein Dekret, nach dem erst die Sukzession in den Erblanden zu pflegen, im Reiche aber Komposition und Sukzession voneinander zu trennen seien. Während Maximilians Reise ins Reich und nach den Niederlanden, die er zur Betreibung der großen Sache unternahm, wurden sein Memorial und des Kaisers Dekret verraten. Manche behaupten, Klesl selbst habe dies veranlaßt. Dem Pfälzer Kurfürsten, also dem Haupt der Gegner, wurde es zugesteckt. Johann Georg war in der ersten Erregung geneigt, seinerseits auch zu rüsten; er forderte zum mindesten sogleich die Berufung eines

Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 19. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/22&oldid=- (Version vom 24.2.2026)