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XXI. Jahrgang          1912          Nr. 3 und 4.


Von diesen Blättern erscheinen jährlich 4 Nummern im Umfange von 1½ bis 3 Bogen. Bestellpreis für den Jahrgang
3 Mark. Die Vereinsmitglieder erhalten die Blätter unentgeltlich zugesandt.


Der Kopidlansky-Pokal im Stadtmuseum.

Eins der wertvollsten Stücke unseres Stadtmuseums ist der hier abgebildete venezianische Glaspokal aus dem Jahre 1511. Er ist 37,7 cm hoch und reich mit Emailmalerei geziert. Die Cuppa zeigt in Rundmedaillons auf beiden Seiten ein mit geschwellten Segeln fahrendes Schiff, umgeben von kleinen Booten, und zwischen den Medaillons zweimal ein Wappen mit schräggeteiltem, schwarz und silbernem Schild und als Helmzier einen wachsenden Ziegenbock, ebenfalls schwarz und silbern; neben dem Wappen die Namensbuchstaben GY ZK, darunter die Jahreszahl 1511. Der Pokal, der sich seit alter Zeit im Ratsschatze befunden hat, gehört nach Form und Farbenschmuck zu den schönsten Erzeugnissen der venezianischen Glashütten aus dem Anfange des 16. Jahrhunderts. Eine große Seltenheit ist es, daß auch der Deckel unversehrt erhalten ist. Bei den hervorragendsten ähnlichen Stücken, dem Pokal des Königs Matthias Corvinus von Ungarn und Böhmen im Schlesischen Museum für Kunstgewerbe und Altertümer in Breslau und einem andern in der Sammlung des Barons Moritz von Rothschild in Paris, beide von etwas höherem Alter, aber nicht von so eleganter Form, fehlt der Deckel. Auch die Angabe des Herstellungsjahres ist eine besondere Merkwürdigkeit.

Seit langen Jahren bin ich bemüht gewesen, die Herkunft des kostbaren Glases und namentlich die Bedeutung des Wappens und der Buchstaben zu ermitteln, aber vergeblich. Selbst die namhaftesten Heraldiker vermochten mit dem Wappen nichts anzufangen. Erst vor kurzem ist es dem Direktorialassistenten am Königl. Kunstgewerbemuseum in Berlin Dr. Robert Schmidt, dem Verfasser eines ausgezeichneten Handbuchs über die Geschichte des Glases, durch die Feststellung eines ungarischen Sachverständigen, Paul Ghyczy in Pta. Csendes, ermöglicht worden, den einstigen Inhaber des Wappens und damit den Besteller des Pokals anzugeben[1]: es ist der böhmische Ritter Georg Kopidlansky


  1. R. Schmidt, Die venezianischen Emailgläser des 15. und 16. Jahrhunderts, im Jahrbuch der K. Preuß. Kunstsammlungen Bd. 32, Berlin 1911, S. 276 ff.
Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 221. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/224&oldid=- (Version vom 22.2.2026)