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von Kopidlno. Die Buchstaben bedeuten: GY [ržy = Georg] z [= von] K [opidlna].
Wer war Georg Kopidlansky? Bei uns weiß man nichts von ihm, um so besser kennt man ihn in Böhmen, denn er hat seinen Namen mit blutiger Hand in die Geschichte des Landes eingezeichnet. Die Chronisten und Geschichtschreiber Böhmens wissen von der Raubsucht und Mordgier dieses Ritters böse Dinge zu erzählen.[1]
Der Famile Kopidlansky gehörte im 15. Jahrhundert Burg und Ort Kopidlno, zwischen Gitschin und Prag gelegen. Der Besitzer der Herrschaft im Anfange des 16. Jahrhunderts, Sigmund Kopidlansky, hatte zwei Brüder, Johann und Georg, beide gewalttätige Naturen, wie sie in jener Zeit, in der die Wildheit des alten Husitentums noch ungeschwächt fortlebte, unter dem tschechischen Adel nicht selten waren. Adel und Städte lagen damals in heftigem Streite um ihre beiderseitigen Rechte, insbesondere um die Brau- und Schankgerechtigkeit auf dem Lande. Die zwischen den beiden Parteien herrschende Feindschaft äußerte sich in strengen Maßregeln der Städte gegen Übertretungen der Adligen. Die Prager namentlich ordneten ein schnelles Vorgehen gegen die Verüber von Exzessen und Gewalttaten an. Wer während des Marktes das Friedegebot übertrat, sollte am Leben gestraft werden. Einer solchen Übertretung machte sich am 3. Oktober 1506 der junge Ritter Johann Kopidlansky schuldig, indem er im Streit einen andern Edelmann erschlug. Er wurde gefangen gesetzt, zum Tode verurteilt und noch an demselben Abend unter dem Pranger enthauptet, ohne daß man ihm auch nur den erbetenen geistlichen Beistand gewährte. Mit der gleichen Härte gingen die Pilsner gegen einen ihrer Befehder, den sie überwältigt hatten, vor. Die Erbitterung des Adels gegen die Städter wurde dadurch aufs höchste gesteigert.
Als Georg Kopidlansky, der damals im Dienste des Königs Wladislaw II. von Ungarn gestanden haben soll, von der Hinrichtung seines Bruders erfuhr, schwur er den Pragern blutige Rache. Er verschrieb sein Erbe der Mutter und dem Bruder, nahm durch schriftliche Erklärung vom 18. Juli 1507 seine Entlassung aus dem Landesverbande, wurde ein offener Feind des Landes und tat insbesondere den Pragern unsäglichen Schaden. Diese schlugen nun vor, die Sache auf dem Rechtswege entscheiden zu lassen. „Er kam darauf,“ so erzählt Palacky, „unter Zusicherung freien Geleits nach Prag auf den Hradschin und erklärte sich unter der Bedingung zur Versöhnung mit den Pragern bereit, wenn diese zum Frommen der Seele seines enthaupteten Bruders in Prosik, wo derselbe begraben worden, eine Kaplanei stiften würden. Da jedoch keiner dieser Wege zu Frieden und Einigkeit führte, so dauerten jene schmählichen Vorgänge, deren detaillierte Erzählung das menschliche Gefühl anwidert, noch an zwei Jahre lang. Der fast verthierte Mann gesellte sich einige waghalsige Abenteurer bei und übertraf durch beispiellose Kühnheit und Grausamkeit alles, was man bisher von Räubern und Reiterschaaren gehört hatte; wie ein Überallundnirgends überfiel er die Prager, ihre Freunde und Unterthanen, wo sie sich außerhalb der Stadtmauern blicken ließen, hieb ihnen ohne Barmherzigkeit und Ausnahme Hände, Füße und Nasen ab, brannte und plünderte Städte und Dörfer und verschwand immer wieder, so oft die öffentliche Macht sich zu seiner Verfolgung anschickte. Es hieß, daß er im Notfalle bei einigen Adeligen heimlichen Schutz und Unterkommen fand . . . Was Wunder, wenn in dem Munde des gemeinen Volkes ein solcher Mann bald eine halbmythische Figur, eine Art Dämon wurde. Diese Ereignisse vermehrten die endlosen gleichzeitigen Wirrnisse unseres Vaterlandes.“
Endlich wurde im Jahre 1509 der entsetzliche Raubkrieg, während dessen die Prager durch ihren Dienstmann Wenzel Kawan den Familiensitz Kopidlno geplündert und niedergebrannt hatten, durch das Eingreifen des Königs Wladislaw beigelegt. „Die Hauptartikel seiner Entscheidung waren folgende: 1) Johann Kopidlansky ward nicht um einer Sache willen enthauptet, die seiner Ehre hätte Eintrag thun können. 2) Georg Kopidlansky hat durch seine den Pragern angesagte Fehde seine Ehre nicht geschädigt und der Krieg, den er führte, soll ihm und seinen Genossen nicht weiter im Bösen verhoben werden; die beiderseits erfolgten Schmähungen sollen dem guten Rufe beiderseits nicht zum Schaden gereichen, alle Gefangenen sollen frei entlassen werden. Für die Plünderung Kopidlnos erstanden Elisabeth von Nemyčewes und ihr Sohn Sigmund von Kopidlno bei dem Landrecht 20 000 Gulden, zahlbar vom Prager Stadtrath und Bürgermeister . . . Der König bewog die Prager auf das Urtheil hin, sich zur Zahlung von 5500 Gulden in bestimmten Terminen zu verpflichten, und dabei sollte es sein Bewenden haben. Also alle begangenen Schandthaten und Grausamkeiten, alles Vergießen unschuldigen Blutes und aller unberechenbare Schaden wurden der Vergessenheit übergeben, es handelte sich nur um die
- ↑ Wenzel Hagek, Böhmische Chronica, deutsch von Joh. Sandel, Prag 1596, Bl. 206 ff. – Franz Pubitschka, Chronologische Geschichte Böhmens, Teil VI Bd. 2, Prag 1798, S. 477 ff. – F. A Wacek, Die Ritter Kopidlansky von Kopidlno, Strzewacz und Radslaw, in J. Hormayrs Archiv für Geographie, Historie, Staats- und Kriegskunst Jahrg. 7, Wien 1816, S. 515 ff., 541 ff. – Legis Glückselig, Die Blutrache des Kopidlansky, in der Illustrierten Chronik von Böhmen, Bd. 2, Prag 1854, S. 179 ff. – Franz Palacky, Geschichte von Böhmen. Bd. 5, Prag 1867, S. 131, 141 ff., 182 ff., 204.
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 222. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/225&oldid=- (Version vom 22.2.2026)