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Ehre der Parteien, die allerdings Georg Kopidlansky, nicht aber Kawan, vor Beginn des Krieges auf ritterliche Weise sich gewahrt hatte.“ (Palacky.)

Aber noch war die Ruhe im Lande nicht gesichert. Im Jahre 1510 sammelte der Ritter Zdeněk Dobrohost von Ronsperg im Pilsner Kreise eine Räuberschar und trieb mit ihr, gestützt auf die Burgen Herstein und Ronsperg, Straßenraub und blutige Befehdung der Städte. Der Oberstburggraf Lew und die Mannschaft des Pilsner Kreises zogen gegen ihn und eroberten beide Burgen. Unter den Genossen des Dobrohost soll sich auch Georg Kopidlansky befunden haben, der sich wohl zu sehr an das Räuberleben gewöhnt hatte, um sich wieder in die staatliche Ordnung fügen zu können. Über sein Ende erfahren wir nichts Sicheres. Die „Illustrierte Chronik von Böhmen“, die Geschichte und Sage ineinander verwebt, berichtet, er habe die von ihm verteidigte Burg Herstein zuletzt in Brand gesteckt, die Tore geöffnet und sich mit seinen Getreuen wütend und mordend unter die eindringenden Feinde gestürzt, bis er von zahllosen Wunden bedeckt sterbend zu Boden gesunken sei.

Dies scheint aber doch nur eine Sage zu sein, die das unbekannte Ende des gefürchteten Raubritters mit dem Schimmer des Heldentums umkleiden wollte. Kopidlansky kann nicht 1510 umgekommen sein, denn eben unser Pokal beweist, daß er 1511 noch lebte. Es ist doch nicht anzunehmen, daß nach seinem Tode jemand in Venedig einen Pokal mit seinem Namen und Wappen zu seinem Andenken habe anfertigen lassen. Ein derartig geschmücktes Prunkgefäß kann nur zu einer persönlichen Widmung gedient haben. Vielleicht geht die Vermutung nicht fehl, daß er bei der Einnahme von Herstein entkommen und ins Ausland geflüchtet ist. Die Republik Venedig hatte damals für solche Raufbolde in ihren Kriegen mit Frankreich gute Verwendung. Wenn er selbst in Venedig war, konnte er wohl auf den Gedanken kommen, den Seinigen in Kopidlno ein Werk der Kunst seiner neuen Heimat als Lebenszeichen zu senden. Auf eine solche Bedeutung des Pokals weist auch die ungewöhnliche Anbringung der Jahreszahl hin.

Es erhebt sich die Frage, wie der Pokal nach Dresden gelangt sein mag. Wenn man als wahrscheinlich annimmt, daß er nicht direkt von Venedig, sondern aus Böhmen hierher gekommen sei, wird man die Beziehungen Dresdens zu Böhmen, insbesondere zum böhmischen Adel ins Auge fassen müssen. Diese Beziehungen waren am lebhaftesten in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges, wo zahlreiche protestantische Adlige, die aus Böhmen vertrieben waren, sich in Dresden vorübergehend oder dauernd niederließen. Unter ihnen kann sich recht wohl ein Glied oder ein Verwandter jener Familie Kopidlansky befunden haben, die damals in Böhmen noch zahlreich vertreten war. Die Herrschaft Kopidlno freilich war bereits vor Mitte des 16. Jahrhunderts in andere Hände übergegangen. Im Jahre 1616 erwarb sie Johann Rudolf von Trczka und von diesem ging sie 1624 durch Tausch an Wallenstein, den Herzog von Friedland, über.[1] Trczkas Tochter Elisabeth war mit dem Grafen Wilhelm von Kinsky verheiratet, der als Getreuer Wallensteins mit diesem und seinem Schwager Adam Erdmann von Trczka 1634 in Eger ermordet wurde.[2] Graf Kinsky hatte 1628 hier in der Moritzstraße ein Haus (jetzt Palais de Saxe) gekauft, das seine Witwe dann noch lange Jahre bewohnte.[3] Es ist nicht unmöglich, daß sie den Pokal aus Kopidlno von ihren Eltern mitbekommen und ihn dem Rate, dem sie für die Aufnahme in Dresden zu Danke verpflichtet war, verehrt hat. Es wäre dann erklärlich, daß er in dem umfangreichen Verzeichnisse ihres Nachlasses, das im Königl. Hauptstaatsarchiv aufbewahrt wird, nicht mit aufgeführt ist.[4]

Vielleicht wird einmal durch einen zufälligen archivalischen Fund auch diese Frage aufgeklärt. Erfreulich ist es jedenfalls, daß jetzt der hohe Wert des Kunstwerks durch die Ermittlung seiner Beziehung zu einer merkwürdigen Persönlichkeit noch eine Steigerung erfahren hat.

Dr. Otto Richter.     

Das Dresdner Salzwesen bis zur Errichtung der Schandauer Salzkasse 1631.
Von Dr. Otto Fürsen.

( gemeinfrei ab 2038)


  1. Wacek a. a. O. S. 545.
  2. Hallwich in der Allg. deutschen Biographie Bd. 38, S. 537 ff.
  3. Fr. Aster, Die Aufnahme der böhmischen Exulanten in Dresden, in den Dresdner Geschichtsblättern Bd. 1, S. 207.
  4. Mitteilung des Herrn Lehrer Bergmann.
Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 223. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/226&oldid=- (Version vom 26.3.2026)