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Kurfürstentages und auf diesem erst die Komposition, dann die Sukzession. Im Juni 1616 erschien der Pfälzer Rat Ludwig Camerarius in Dresden[1], um den Kurfürsten zum Eintritt in die Union zu veranlassen; denselben Zweck verfolgten bei ihrem Erscheinen in Dresden (September 1616) der Brandenburger Kurfürst und Fürst Christian von Anhalt, freilich vergeblich. Johann Georg sah die Sachlage bald ruhiger an, besonders da ein Bote Maximilians, Herr Eustachius von Westernach, versicherte, daß die vorgeschlagene „Armierung“ nur zur Verteidigung des Reiches und gegen diejenigen geplant sei, die nach erfolgter Wahl noch mit Unfug oder Gewalt dagegen sein würden. Sehr geschickt wies der von Westernach außerdem darauf hin, wie 1564 und 1575 das Haus Sachsen dem Hause Österreich durch seine Treue und Anhänglichkeit viel Gutes erwiesen habe[2], und Maximilian schrieb dem Kurfürsten aus Wien am 23. November 1616[3], er betreibe die Sukzession eines wohlqualifizierten Friedliebenden, „alß damit alle androhende Unruhen, gefährliche Veränderung, noch mehreres Mißtrauen, Verwüstung des geliebten Vaterlandes und Unterdrückung deutscher Libertät zeitlich verhindert werden“. Sein Kandidat war Ferdinand II.
Maximilian hatte aber vor allem auch mit Klesls Einfluß auf den Kaiser zu ringen. Einen Einblick in den Kampf zwischen beiden gewähren die Berichte des kursächsischen Agenten Zeidler. Unter dem 22. September 1616 schreibt dieser dem Kurfürsten, Maximilian wünsche durchaus, daß das Sukzessionswerk Caesare vivente betrieben werde. Er soll dem Klesl haben sagen lassen: er solle es ja befördern, sonsten würde er es zu erfahren haben, „was ufn widrigen Fall mit Ihme fürgenommen werden würde“[4]. Am folgenden Tage[5] äußert sich Zeidler gegen den sehr einflußreichen Präsidenten des kursächsischen Geheimen Rates, Caspar von Schönberg auf Pulsnitz, über Klesl so: Dieser wolle die Sukzession Caesare vivente nicht; „vielleicht aus Beysorge, das er a sole oriente tamquam luna nicht mehr so sehr splendire und inter stellas heruntergesezt werden möchte, oder aber das er von der Süßigkeit des gegenwärtigen annehm- und nützlichen Directorii pene absoluti schwerlich weichen könne“.
Die geistlichen Kurfürsten, denen Maximilians Schrift ebenfalls verdrießlich gewesen war, drangen auf einer Tagung am 14. November darauf, daß der Erzherzog die Kurfürsten von Sachsen und von der Pfalz persönlich zu einem Kurfürstentage einladen solle. Maximilian wollte aber auf keinen Fall nach Heidelberg, wohl aber nach Dresden, wohin ihn schon früher einmal diplomatische Geschäfte geführt hatten. Doch meinte er, daß eine Reise des Kaisers selbst nach Dresden viel wirkungsvoller sein werde. Dieser schon mehrfach erwähnte Schritt, immer wieder verzögert, galt als die einzige Lösung in den politischen Wirrnissen.
Es vergingen einige Monate, ohne Klarheit zu bringen. Endlich griff Matthias wieder auf den Gedanken an einen Kurfürstentag zurück und glaubte, der Sache der Beruhigung Deutschlands dadurch zu dienen, daß er am 3. April 1617 die Auflösung der Union und der Liga befahl; er erreichte weder das eine noch das andere.
Endlich gelang es den Erzherzögen Maximilian und Ferdinand, Klesl dahin zu bringen, daß der böhmische Landtag für den August 1617 zur Königswahl berufen werde. Eine erneute Erkrankung des Kaisers trieb zur Beschleunigung dieses Staatsgeschäftes. Am 5. Juni traten die böhmischen Stände in Prag zusammen, am 7. wurde Ferdinand von ihnen als König „angenommen“, am 9. wurde er ausgerufen, am 29. gekrönt.
Während dieser Zeit war man in Prag auf den Gedanken gekommen, Johann Georg zur Krönung nach Prag einzuladen. Sollte er dahin nicht kommen wollen, so werde ihn Matthias[6] an einen Ort an der Meißnischen Grenze zu sich auf die Jagd und eine „Gartenmahlzeit“ honorifice einladen. Da werde alsdann König Ferdinand als Nachbar zu guter Nachbarschaft präsentiert, die Komposition im Römischen Reiche besprochen, die Wahl Ferdinands zum römischen Könige abgemacht und ein Kurfürstentag bestimmt werden. Wo dies Zusammentreffen statthaben solle, sei noch nicht klar, „vielleicht ümb die Gegend bey Aussig oder Leutmeritz“. Schon am 18. Juni meldet Zeidler, daß die Abreise des Matthias nach Ferdinands Krönung ernstlich erwogen werde. Er wolle eine Nacht zu Welwarn[7] bleiben und einige Tage in Lobositz ausruhen. Er beabsichtige nicht mit großem Komitate, sondern nur mit der „Kammer“ zu kommen. Zuvor solle noch der Kurfürst befragt werden, wo man sich treffen könne. „Und ist zwar dieß Orts wohl zu spüren, daß Ihre M. nicht böse Lust gar nach Dresden hette; es will aber derselbe aus Höflichkeit Eure Churf. Gnaden nicht gern in dero Hoflager beschwerlich sein[8].“
Und wirklich wurde der Plan einer Reise des Kaisers nach Dresden immer mehr ausgearbeitet. Um
- ↑ Er wohnte nach H.St.A. Loc. 10676, das Erste Buch Succession am Römisch. Reich betreffend, 1613-1617, Bl. 54, im güldnen Stern.
- ↑ a. a. O. Bl. 217.
- ↑ a. a. O. Bl. 297b.
- ↑ a. a. O. Bl. 205.
- ↑ a. a. O. Bl. 207.
- ↑ a. a. O. Bl. 420. Zeidler an Caspar v. Schönberg 7. Juni 1617.
- ↑ Stadt auf dem linken Moldauufer, nicht weit von der Einmündung der Moldau in die Elbe.
- ↑ a. a. O. Bl. 430.
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 20. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/23&oldid=- (Version vom 24.2.2026)