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über alle näheren Anordnungen zu verhandeln, wurde der Oberstkämmerer Adam von Wallenstein[1] als Gesandter ausersehen. Da dieser in jenen Tagen am Podagra zu Bette lag, suchte ihn Kardinal Klesl persönlich auf und besprach sich mit ihm über die zu nehmenden Nachtlager des Kaisers und seines Gefolges und über die Frage, ob man sich etwa in Königstein treffen könne. „Vielleicht könnte von dannen auß bei so angenehmer Gesellschaft solch großer Herren durch liebe und gute Wort der Weg vollens bis auf Dresden erstrecket werden.“ Am 25. Juni kann Agent Zeidler bereits die Liste des Komitates beilegen; am 29. meldet er, daß schon eindringliche Beratungen stattgefunden haben über das, was man mit Johann Georg besprechen wolle, welche Akten man mitzunehmen gedenke, und namentlich, ob Klesl zu bewegen sei, die Reise nach Dresden mitzumachen. Ihm war, da er seit 1616 Kardinal geworden, der Gedanke nicht behaglich, in ein protestantisches Land zu reisen; ferner scheute er vor Etiketteschwierigkeiten zurück; auch hatte er das Gefühl, daß seine ursprüngliche Absicht: erst Komposition, dann Sukzession, nicht mehr durchführbar war.
Der Kaiser fühlte sich viel zu unselbständig, um ohne Klesl zu reisen; selbst des Kardinals Gegner, Ferdinand und Maximilian, bestanden daher auf dessen Mitreise, da sie sonst des Kaisers Unfähigkeit zu Entschlüssen zu fürchten hatten. Zeidler berichtete, man habe es Klesl freigestellt, ob er wolle oder nicht; reise er nicht, so solle er eine umfassende Bei-Instruktion mitgeben. Klesl war klug genug, dem kaiserlichen Boten Adam von Wallenstein die Sonderinstruktion mitzugeben, er solle erforschen, ob er trotz seiner „Kardinalischen Dignität in Sachsen annehmlich sei“.
Am 30. Juni meldet der Agent[2], daß Wallenstein mit drei Dienern ungesäumt abreisen werde und bitten lasse, „wenn er nach geschlossener Vestung ankomme, ob Ihme aus Cortesia das Thor möchte geöfnet oder aber ein Logiament in der Vorstadt bestellet werden“.
Die entscheidende Geheimratssitzung hielt der Kaiser am 7. Juli in Gegenwart Klesls, Fürstenbergs, Harrachs, Meggaus, Ulms und Hohenzollerns ab. Es wurden die Verhandlungspunkte und deren Reihenfolge festgestellt: Einladung zu einem Kurfürstentage, Sukzession im Reiche, Vergleich über die Bedingungen und das Verfahren bei der Anstellung einer Komposition über die Beschwerden der Reichsstände. Am 10. Juli erhielt Wallenstein, den der Kaiser in seinem Garten besonders empfangen hatte, eine schriftliche Instruktion auf die Reise mit, die ihn ermächtigte, wenn Königstein („welches, wie wir berichtet werden, gleichwol zum Unterkommen nicht am besten sein solle“) oder ein anderer sächsischer Ort genannt werde, anzunehmen. Er solle baldmöglichst rückwärts berichten, damit wegen der Einkehr an alle Notdurft gedacht werden könnte.
In dieser Zeit hielt sich Johann Georg zu Jagden auf dem Schlosse Hohnstein, in Lohmen und in Schandau auf. Er schrieb am 13. Juli dem Kaiser höflich, er werde den 23. Juli in Prag sein können, werde ohne großes Komitat, nur mit 100 bis 150 Pferden kommen; sollte aber der Kaiser in seinem Hoflager zu Dresden zu erscheinen wünschen, so möge er ja kommen; sei doch zwischen Prag und Dresden kein geeigneter Ort. Dann aber müsse die Reise auf 12 oder 14 Tage verschoben werden; „auf daß ich gleichwol E. K. M. also begegnen möge, wie es dero Kais. M. Würde und Dignität erfordert“[3].
Wenige Tage später schrieb er seinem Geheimen Rate nach Dresden, es solle alles gut vorgerichtet werden; dem Zeugmeister habe er es wegen der Schiffe geschrieben, daß kein Mangel dran sein solle; auch solle er sich überlegen, ob was von Ritterspielen anzuordnen sein möchte oder nicht; „denn,“ so fährt er eigenhändig fort, „solliche geste kriegen mihr nicht alle tage; was das jagen ahnbelanget, wil ich kein Fleis spahren; zur Behrenhats kan man wol kommen; . . . sobaldt der Furihr-Zettel kommet, so wil ich, sofern ich sehe, das es nötig ist, ein Tag mich nein begeben und fernere Rehde mit euch halten“[4].
Mittlerweile erhielt er von Adam von Wallenstein die Nachricht, daß der Kaiser am 29. Juli von Prag abreisen, am 30. in Lowositz, am 31. in Tetschen sein werde; am 1. August werde er zum Kurfürsten fahren; die Schiffe sollen schon am 28. Juli in Lowositz sein. Matthias meint in seinem letzten Briefe vor der Reise[5], obwohl „allerhand Umbstände und billiche Bedenken ihn abhalten sollten, so weit zu reisen, so solle ihm doch angedeutter Residenzort Dresden nicht zuwider sein“. Darauf bedankt sich Johann Georg aus Schandau dafür, daß Matthias „gedachter seiner Residentz solche große Ehre anthun und zu einer so hoch ansehnlichen Versammlung allergnädigst würdigen und erkiesen wolle“. Dem Adam von Wallenstein stellt er ein Schiff für den Kaiser, eins für den König und den Erzherzog, ein Küchenschiff zur Fahrt nach „Lobosch“ in Aussicht.
Es kam nun dem Kurfürsten darauf an, von einer stattlichen Anzahl von Fürsten, Grafen und Herren umgeben zu sein, die dem Kaiser schon aufwarten sollten, sobald er in die Nähe sächsischen Gebietes kam. Es
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 21. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/24&oldid=- (Version vom 24.2.2026)