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waren dies der Herzog Julius Heinrich von Sachsen-Lauenburg, die Herzöge Johann Philipp und Friedrich von Sachsen-Altenburg; ferner 4 Grafen von Mansfeld, 3 junge Grafen Barby, 3 Schönburge, 5 von Pflugk, 3 Miltitze, 15 Herren von Schönberg, 5 Bünaus, 6 Schleinitze, 7 Starschedel, 1 Vitzthumb usw., im ganzen 117 Herren und 3–400 Reisige. Zwei der Schiffe, Leibschiffe genannt, sollten mit Tapezerei[1] ausgeziert werden. Ein Schiff – das Artolereyschiff – führte Begrüßungsgeschütze mit sich. Der Kurfürst wollte seine Gäste ½ oder ¾ Meilen Wegs oberhalb Pirnas empfangen. Dort selbst sollten an der Elbe „zweene schöne geputzte Leibwägen für die 3 höchsten Gäst bereit stehen“; für die Offiziere (d. h. Hofbeamte) aber 7 bis 8 Kutschwagen, sowie Leibpferde für Johann Georg und die sächsischen Herzöge.

In Pirna sollte der Kaiser in dem zum Schlosse gehörigen Garten- oder Lusthause wohnen[2], Ferdinand, Maximilian und, falls er mitkomme, Klesl im Schlosse, der Kurfürst in einem bequemen Hause der Stadt. Die Schloßgemächer sind daher gut vorzurichten und zu bekleiden, d. h. mit Wandteppichen zu schmücken. Am andern Morgen sollen wieder die Kutschen die Gäste vom Schlosse bis zur Elbe fahren; die Hof- und Landjunker warten bis zum Schlosse auf.

Die Landung in Dresden soll an den Mönchswiesen, d. h. an der Wiese des Neustädter Ufers etwas oberhalb der Brücke statthaben, an einem schönen, neu anzufertigenden Austritte. 300 Landjunker zu Pferde sollen aufwarten, alle Obristleutnants, Rittmeister und Hauptleute im Küraß vorbeiziehen. Dann steigen der Kurfürst und vielleicht auch die Erzherzöge zu Pferde, reiten neben dem kaiserlichen Wagen her; diese, sowie die Herren und Junker, die in Pirna aufwarteten, sollten schon von da aus zu Land oder zu Wasser voranfahren. Der Zug in Dresden soll über die Elbbrücke, am Stallhof vorüber, über den Neumarkt, die Bettel-[3] und die Kreuzgasse, sowie über den Altmarkt und durch die Elbgasse nach dem Schlosse gehen. Im Schloßhofe werden, mag die Kaiserin, die eine Brunnenkur gebrauchte, mitkommen oder nicht, das kurfürstliche Frauenzimmer, außerdem die kurfürstlichen Räte und Hofmeister stehen. Die hohen Herrschaften sind alsdann in ihre „Losirungen“ zu bringen[4]. Hier treten Bezeichnungen auf, die längst verschwunden sind: der Kaiser wird in den brandenburgischen Zimmern untergebracht, Ferdinand im weimarischen Gemache nach dem Stalle zu, Maximilian im Brauergemach, die sächsischen Herzöge im großen Frauenzimmer oder im Appellationsstüblein, der Kardinal im „Zwarkstüblein“[5], der Obersthofmeister erhielt das Eliasstüblein, der Oberstkämmerer das Schwarzgemach; Adam von Wallenstein das Prophetenstüblein, der Hofmarschall das Prinzeßstüblein; Graf von Hohenzollern wohnt in dem einen, Herr von Ulm in dem anderen Brautstüblein; der Herr von Harrach kommt in Fräulein Anna Marien Gemach. Die kaiserliche Kanzlei wird bei Frau Ludwigerin, des Königs Obristkämmerer in dem Obergemach nach der Münze, des Erzherzogs Oberkämmerer im alten Hause, und zwar im untersten Gemach nach der Münze zu wohnen.

Falls der Kaiser nicht allein speist, soll er in der Mitte sitzen, rechts von ihm die Königs-, Erzherzogs- und Mannspersonen, links von ihm die kurfürstlichen Frauenzimmer. Genau wurden die Dienste für des Kaisers Majestät bestimmt. Der Kurfürst nimmt die Handquehle (Handtuch) vom Hofmarschall, wirft sie vor Sr. Maj. und gibt sie dann den sächsischen Herzögen; das Waschbecken wird Herzog Friedrich von Sachsen-Altenburg, die Gießkanne Graf Günther von Schwarzburg tragen. Ebenso wird alles genau bezüglich der Bedienung des Königs und des Erzherzogs bestimmt.

Wie zu Kurfürst Augusts Zeiten, ergeht auch jetzt ein Ausschreiben an den sächsischen Adel. Aus den ganz genauen Vorschriften erhellt, wie sich schon mehr und mehr ein Hofzeremoniell entwickelt und alles einen prächtigeren Anstrich gewonnen hat. Jeder soll am 30. Juli in einem schwarzsammetenen Kürasserrock mit güldenen Borten kommen; die Dienerschaft soll schwarztuchenen Rock mit gelben Schnüren und gelbe Federn auf dem Hute tragen. Jeder wird dann in Dresden erfahren, was er zu tun hat, und soll „ohne einige Verweigerung der Schuldigkeit gemäß mit Fleiß nachkommen“. Etwa 114 Herren, die mit 535 Pferden und ebenso vielen Dienern kommen sollten, erhielten die Einladung.

Gleichzeitig wird auch ein Vergnügungsprogramm für 10 Tage entworfen, mit dem ausdrücklichen Vermerke, daß sich noch manches ändern könne. In der Tat ist viel von dem Geplanten nicht vorgenommen worden, z. B. ein Gesellenrennen, Mummenschanzen, Fechten, Stechen oder Scharfrennen, Pallia-Rennen, wohl auch „Commetien“.

Am 21. Juli fand in Dresden eine Sitzung des Geheimen Rates statt, in der der Obrist Centurius


  1. a. a. O. Bl. 480.
  2. Dies im deutschen Renaissancestil erbaute Lusthaus (Abbildungen davon in Meiche, Die Burgen der Sächsischen Schweiz 1907, S. 105 und 109) ist im 30jährigen Kriege durch die Schweden unter Baner zerstört worden. Das Bild eines großen Trinkgefäßes, das Johann Georg I. in Gestalt des Lusthauses hat anfertigen lassen, ist zu sehen in Heckel, Das Pirnaische Elend, 1769, S. 27.
  3. Moritzstraße.
  4. a. a. O. Bl. 480 u. flg.
  5. Da damit doch wohl die sonst dem Hofzwerge eingeräumte Wohnung gemeint ist, kommt uns dies etwas seltsam, fast spöttisch vor.
Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 22. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/25&oldid=- (Version vom 25.2.2026)