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von Pflugk noch eingehendere Vorschläge über besonders prächtige Schmückung der Lustschiffe machte. Doch mußte er zugeben, daß „die Artolereyschiffe ganz zergangen seien“[1], daher auf jedes Leibschiff zwei Stück Geschütze und ein Zeugwart dazu zu stellen seien. Nach des Hofmarschalls Aussage sind die „Stüblein“ in diesen Lustschiffen sehr niedrig, „undern Fenstern wenig Raum, also Tapezereien nicht zu verwenden“; dagegen empfiehlt er statt gelben Tuches grünes für den Fußboden, sowie Samtstühle und Teppiche in beide Stuben. Die Befürchtung, daß der Kaiser Pirna in einem Tage von Tetschen nicht werde erreichen können und daher auf dem Wasser werde übernachten müssen, teilt man nicht. Der Vorschlag, 150 Mann zu Fuß, 50 zu Pferde neben der Elbe ziehen zu lassen, wird verworfen; es werde die rechte Ordnung fehlen, man könne sie auch nicht sehen, außerdem sei ja eine Jagd geplant.

Auf dem Königstein waren damals 40 Personen; da dies zum Fliegenlassen der Fähnlein entschieden zu wenige seien, sollten nach vorher eingeholter Erlaubnis des Kurfürsten bis zu 100 Mann aus dem Amte Pirna hinaufbeordert werden, bis alle Schiffe aus dem Gesicht seien. Der Hauptmann soll mit allen Stücken und Musketen dreimal losschießen lassen. Für Pirna wurden 400 Mann vorgesehen, von denen 1/3 am Wassertor, 1/3 auf dem Markt, 1/3 auf dem Schlosse stehen sollte. Der Rat der Stadt sollte für 400 Defensioner Rüstung schaffen, „und wenn sie gleich die Wehren borgen sollten“; diese 400 hatten nach dem Einzug der Gäste schnell nach Dresden abzumarschieren.

Auf der Mönchswiese zu Dresden sollen in den Zelten 4 Hauptleute mit 200 Musketieren stehen, die den Reitern zu folgen und später vor dem Schlosse dem Kaiser aufzuwarten haben. Wegen des Schießens bei der Ankunft wurde nur ein „Rennen“ vorgeschlagen, damit Seine Majestät „als die des Gehörs Mangel haben, sich nicht Ungelegenheit durch das viele übermäßige Schießen zuziehen oder auf dem Schloßgebäude Schaden geschehe“.

Mittlerweile kamen nun auch die Furierzettel der Gäste an. Es waren drei verschiedene Hofstaaten zu erwarten, der des Kaisers, des Königs Ferdinand, des Erzherzogs Maximilian[2]. Mit dem Kaiser erschien nun wirklich, allen voran zu nennen, sein Geheimerats-Direktor Kardinal Melchior Klesl, dessen zahlreiches Gefolge zu den drei fürstlichen hinzukam. Dazu der Geheime Rat, Kämmerer und Obrister Hofmeister Friedrich Graf zu Fürstenberg, Freiherr Leonhard von Meggau, ebenfalls Geheimer Rat und Obrister Kämmerer, Graf zu Harrach, Geheimer Rat und Kämmerer, der Kämmerer Adam von Wallenstein, Obrister Landhofmeister in Böhmen, der Oberhofmarschall Wolf Sigmund von Losenstein, Johann Georg Graf zu Hohenzollern, Reichshofratspräsident, der Hauptmann der Leibgarde Bruno Graf zu Mansfeld, der Oberstallmeister Maximilian von Dietrichstein, jeder mit drei Dienern. Unter den Kämmerern erschienen ein Berka, ein Wratislaw, ein Palfi, ein Poppl Freiherr von Lobkowitz, ein Wenzel Freiherr von Wurmb aus Freudenthal; der Reichsvizekanzler Ludwig von Ulm, ein Geheimsekretär, verschiedene Schreiber; Silberkämmerer, Küchenmeister, Hofzahlmeister; der Leibmedikus Thomas Mengonius samt dem Leibapotheker, zwei Hofkapläne, der Leibbarbier Josua del Guasto, der Spaßmacher Nelli, der Kammerzwerg, der Kammerheizer, der Kammertürhüter; ferner Jacobina Löwenfelderin, Leib- und Mundwäscherin, Hanns Mattheß der Leibschneider. Unter den 26 Offizier-Personen werden noch genannt Mundbäcker, Mundkoch und Tafeldecker, sowie 50 Mann Leibgarde. Das Stallmeisteramt umfaßte 4 Edelknaben samt ihrem Präzeptor und seinem Jungen, den Futterschreiber, Sattelknecht, Hufschmied, „Gutschknecht“ mit 34 Reit- und 49 „Gutschrossen“, zuletzt Hans Lehnert den Hofprofoß „sambt einem Stickchenknecht“. Während des Kaisers Hofstaat 235 Personen und 83 Pferde umfaßte, waren es bei Ferdinand nur 59 Personen und 24 Pferde. Unter des letzteren Begleitern ist der nachmals sehr bekannt gewordene Oberste Hofmeister und Geheime Rat Freiherr von Eggenberg besonders hervorgehoben. Erzherzog Maximilian, den u. a. zwei Kämmerer von Wolkenstein, Adam und Oswald, begleiten, hatte in der „Stallpartei“ drei Gutschizüge, vier Renngutschi mit je vier Pferden und drei Sänftesel mitgeführt. Kardinal Klesl ließ sich von 11 Personen geleiten, unter ihnen ein lateinischer und ein deutscher Sekretär.

Im ganzen sind zu zählen 354 Personen, 155 Pferde und 3 Esel.

Johann Georg empfing diese Mitteilungen und Berichte seines Geheimrates, während er von Hohnstein aus der Jagd oblag; er gab in kurzen Worten nach Dresden seine Meinung kund; über einen Punkt, der ihm nicht gefallen zu haben schien, schrieb er am 25. Juli dem Herrn von Schönberg: „Soviel aber den lesten Punkten anlangt, weiß wir nicht, ob derselbe aus Versehen oder beim Schlaftrunk geschehen“[3].

Von Schandau aus erging an den Schösser von Hohnstein die Aufforderung, von den verschiedenen Rittergütern und Dörfern durch Vermittlung der Grundherren wohl an 110 Untersassen abzuordnen, welche sich


  1. a. a. O. Bl. 502
  2. H.St.A. Loc. 9936 Kaiser Matthias’ Reise nach Dresden 1617.
  3. H.St.A. Loc. 10735 Wie Kaiser Matthias nebst der Königl. Würde Böhmen und Erzherzog Maximilian zu Oesterreich Churfürst Johann Georgen den 1. zu Sachsen in Dresden besuchet 1617 Bl. 2.
Empfohlene Zitierweise:
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 23. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/26&oldid=- (Version vom 25.2.2026)