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am 22. Juli im Amte melden sollten, um sechs Tage als Treiber bei den Jagden aufzuwarten. Dazwischen hinein erhielt der Hofmarschall von Osterhausen so mancherlei Befehle und besah sich auf dem Vorwerk zu Ostra die Weidochsen, die vielleicht für die Tage des Besuchs als Schlachtvieh dienen sollten.
Hatte schon Kurfürst August 1575 durch die Anzahl bewaffneter Leute und durch lebhaftes Schießen beim Empfange des kaiserlichen Gastes ansehnlich und eindrücklich auftreten wollen, so hat Johann Georg einen viel umfänglicheren Apparat in Bewegung gesetzt, entsprechend den besseren militärischen Einrichtungen, die seither in Kursachsen getroffen worden waren. Verfügte der Kurfürst doch seit dem Torgauer Landtage von 1612 über den Anfang eines stehenden Heeres, über eine Art Landmiliz, die sogenannten Defensioner, bestehend aus Bürgern der Städte und Leuten aus den Ämtern, deren jeder für jeden Tag Dienst vier Groschen an seinen Abgaben gutgeschrieben erhielt; es waren im ganzen Lande zwei Regimenter von acht Fähnlein, deren jedes 540 Mann um sich scharte, also gegen 9000 Mann. –
Die ganze Umwallung von Dresden wurde nun in vier Quartiere zerlegt[1]. Vom Münzberg (nahe dem Schlosse) bis hinters Zeughaus, vom Hasenberg bis zum Seeberg (Seetor), vom Seeberg bis zum hohen Wall, vom hohen Wall bei der Schmelze bis wieder zum Münzberg. Auf dem Wall der einzelnen Quartiere wurden Zeugwarte, Büchsenmeister, je vier Personen aus dem Defensionswerk, je 14 Büchsenschützen aus der Bürgerschaft, 30–60 Schanzgräber oder Handlanger beordert. Die 11 Stück ganze oder halbe Kartaunen oder Notschlangen sollten in besonderer Ordnung nun doch in fünf Rennen gelöst werden; eiserne Schläge, Feuerpfeile waren ebenfalls vorgesehen. Zuerst „wann die Schiffe umb den großen Weißen Sandbergk herümber kommen, da man alle Schiffe siehet, soll auf dem Münzberge angehoben und also herumber geschossen werden“. „Wann man mit den Schiffen zur Brücken kömmet, da Ihre Majestät aussteigen werden, soll man wieder auf dem Münzberg anheben.“ „Wann Ihre Majestāt fast mitten auf dem Altenmarkte reutten, soll auf dem Creuzthorme angehoben werden, darauf auf dem Seeberge und folgends also herümber.“
Das vierte und fünfte Rennen sollen beide aufeinander gelöst werden, „wann Ihre Maj. im Schlosse seindt abgestiegen und die Pferde durchs grüne Thor heraußer seindt“. Man hatte zu diesem Schießen 3 ganze, 19 halbe Kartaunen, 6 Notschlangen, 9 Quartierschlangen, 16 Feldschlangen, 9 doppelte Falkonete, im ganzen 62 Geschütze.
Für die Zugordnung entwarf am 24. Juli 1617[2] der Zeugmeister Paul Buchner eine Verordnung, wie die Kurf. Sächs. Artolerey aufziehen sollte: da erscheinen die Zeugwärter und -schreiber, Trommler und Pfeifer, Büchsenmeister und Hellebardiere und Musketiere, Schirrmeister und Büchsenmeister aus der Bürgerschaft in ihrer „Lieberey“, Schanzgräber, Zimmermeister, Arbeiter mit Hebebäumen, Keil- und Radehauen, Schaufeln und Spaten. Wachen sollen verteilt werden auf dem Elbtore, dem Ausfalle, dem Schlosse, dem Hasenberge und dem Wilschen Tore. Wer von Büchsenmeistern in den Vorstädten wohnt, soll in der Zeit in der Festung liegen; alle sollen sich in den Zeiten ihrer Wache fein mäßig und nüchtern zeigen, fleißig und richtig „ronden“.
Die Anordnungen aber, wer sich von den Bürgern zu bewaffnen, wie dies zu geschehen habe, wo sich die einzelnen aufzustellen haben, wurden von dem Obersten Centurius von Pflugk getroffen. In einem Memorial von 16 Zeughaus- und Artolerey-Personen wird er gebeten, sie zu dem fürstlichen Besuche jetzt und auch späterhin mit einem Feldzeichen von Doppeltaft, sowie mit Federn und Strümpfen zu versehen „zu desto besserer Erhaltung Ihrer Churf. Gnaden Reputation“. Es wurden nicht weniger als 2500 fremde Bürger erwartet, die man „einlosieren“ und nach besonders zu gebender Resolution zu speisen habe. 800 Bürger aus der Stadt sollten, bei hoher Strafe, entweder persönlich oder durch einen Einsteller vertreten, Dienste leisten als Musketiere, Doppelsöldner mit langen Spießen, Hellebardiere, Trompeter, Pfeifer, blasende Instrumente oder als Musketiere auf dem Kreuzturme (und zwar 20 Mann da oben). Sie sollten mit den Fahnen aufziehen und für sechzig steigende Raketen sorgen. Doch wurde, um Geld zu sparen, bestimmt, daß etwa 600 bewaffnete Bürger nach dem Einzuge sofort zu entlassen und erst wieder zur Aufstellung bei der Abreise des Kaisers einzuberufen seien. Auf dem Rathause sollten immer 100 Wachleute mit zwei Stück Geschütz stehen, ebenso auf dem Gewandhause. Mit besonderer Sorge wurde der Ordnung, Sauberkeit und Sicherheit auf den Plätzen und den Gassen gedacht. Auf Licht und Feuer ist gut Obacht zu geben; auf den vornehmsten Gassen soll man nachts Kienpfannen ansetzen und anzünden, und „soll sonsten die Bürgerschaft, so Eckheuser haben, mit ihren Feuerlampen uff begebenden Fall, den Gott verhüten wolle, in guter Bereitschaft sein“. Fuhrleute, Wagen und Bottiche, Schleifen und Wassereimer, Werkleute sind außerdem bei der Hand zu halten. Der Marktverkehr wird ebenfalls beeinflußt; so soll alles das, was bisher auf dem alten Markte feilgehalten worden, die Zeit über hinter die Kreuzkirche verlegt werden. Für einen
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 24. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/27&oldid=- (Version vom 25.2.2026)