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Schmuck sollte aber auch gesorgt werden: auf dem Röhrkasten des Alten Marktes soll ein Mann mit einer Rüstung und einer Hellebarde stehen; vielleicht wird der Obriste auch ein Fähnchen dazu verordnen; der Röhrkasten auf dem Neuen Markte soll geziert werden. Für die Ordnung der Leute wurde folgendes verfügt: „Es könnte verboten werden, daß Jedermann ihr Gesinde und das gemeine Gepöffel in den Häusern behielte und dieselbigen zu den Fenstern und Dühren lassen heraußersehen, damit die Gassen zu dem Einzug fein geraum“ seien. „Das ander gemeine Volk möchte vor dem Stadtthor stehen und zusehen, wie denn dem Rath befohlen, Schranken an die Gassen machen zu lassen. Ein paar Ratspersonen, etliche Bürger und Stadtknechte sollen verordnet werden, das Volk abzutreiben.“ Nicht übel wäre es, wenn man die Gassen, Märkte und Plätze mit „grünen Meyen besetzen und dieselben mit Gras und allerley Blumen bestreuen wollte“.
Um 12 Uhr hat alles bei seinen Fähnlein zu stehen und bald wird getrommelt werden. Um 1 Uhr wird die Guardia am Brückentore sein und die Brücke besetzen, andere marschieren nach dem Neumarkte, dem Altmarkte und der Mönchswiese. Der Stadthauptmann und 14 Befehlshaber hatten alle diese Leute unter sich. Auf dem Altmarkt werden des Rates vier Fähnlein stehen. Die Verteilung der Wachen auf den Basteien und den Plätzen und Gassen beweist, daß der Kurfürst seinen Gästen vollste Sicherheit gewähren und sich selbst in dieser Beziehung Beruhigung schaffen wollte. An neun Stellen des Festungswalles standen je 25 Mann, die ständig 45 Schildwachtposten besetzten, 20 Posten gruppierten sich außerdem auf dem Altmarkte und in seiner Nähe, 14 in der Nähe des Neumarktes, die die ganze Nacht von je zwei und zwei bezogen werden sollten. Außerdem lagen aber noch an jedem Tore 66 Mann und im Schloßtore 45, also eine beachtliche Menge gerüsteter Leute. Die zum Einzuge beorderten Mannschaften und die, die auf dem Kreuzturme standen, betrugen allein 740 Mann unter 8 Befehlshabern und 4 Fähndrichen. Die 336 Musketiere wurden noch besonders darauf aufmerksam gemacht, daß sie ihre Musketen und Rohre wahren sollten, damit keiner etwan Kugeln oder „hart gestoßen Papbier einlade, dadurch leichtlich sich ein groß Unglück zutragen könne“.
Dem Rate zu Dresden erwuchs, wie aus alledem erklärlich, mancherlei Mühe und Aufwand. Aus der Kammerrechnung 1617/18 geht dies hervor. Am 29. Juli kam der Kurfürst selbst auf das Rathaus, um sich über alle Vorkehrungen, die getroffen worden waren, zu unterrichten; dazu wurde für 23 Thlr. 3 Gr. Steinwein und für 9 Thlr. 13 Gr. Landwein beschafft, ebenso für 4 Thlr. 17 Gr. Essen und Konfekt. Da hier häufig besondere Sitzungen abgehalten wurden und fremder Besuch kam, wurde sonst noch viel Wein angeschafft: 59½ Kannen spanischer zu 17 Thlr.; ½ Faß für 30 Thlr. 12 Gr. bekam der Bürgermeister des Jahres Hans Hilger geliefert, womit er den Viertelsmeistern eine Verehrung tat. An Bier wurde für die Zeit der Anwesenheit des Kaisers für beinahe 50 Thlr. aufs Rathaus getragen. Dann war die Köchin zu bedenken, ebenso neue Kochtöpfe für den Ratskeller, Trinkgelder für allerhand Leute. Die Stadtpfeifer erhielten 17 Thlr. „Etzliche Boten, so umb Ihr Kays. Maj. Ankunft willen an die benachbarte Städte umb Zufuhr allerhandt Victualien halber mit Zettels abgesandt worden“, erhielten 1 Thlr. 13 Gr.
Beinahe 60 Thlr. kostete dem Rate die ganz besondere Überraschung, die er den hohen Gästen bereitete: ein Turmsteiger, der auf der Spitze des Kreuzturmes eine Fahne schwenken sollte. Er erhielt 38 Thlr. 10 Gr. für sein gefährliches Gewerbe, dann einen Banddegen, einen Gürtel dazu und das Macherlohn zu einem Kleide, das man ihm verehrte.
Es macht das ja alles einen kleinlichen Eindruck, aber bei den einfachen, bescheidenen Verhältnissen, die in der Bürgerschaft Dresdens damals herrschten, zeigt es doch ein Bemühen, und im Gegensatz zu 1575, wo von den Bürgern beim Kaiserbesuch gar nicht die Rede ist, einen Fortschritt.
Ehe wir mit dem Kaiser Matthias und seinem Gefolge die Fahrt ins Sachsenland und nach Dresden unternehmen, sei ein kurzer Blick auf die kurfürstliche Residenzstadt in jener Zeit geworfen: was war seit 1575, da zuletzt ein Kaiser in ihren Mauern geweilt hatte, Neues und Prächtiges erbaut worden? – Umfassend waren die Erweiterungsbauten am Schlosse unter den beiden Christianen gewesen: der kleine Schloßhof und seine Umgebung, das Schloßtor nach der Elb- oder Schloßgasse zu. Ganz besonders stattlich aber, mit fünf hohen Giebeln, mit Sgraffitobildern prangte das Stallhofgebäude, das einen Hof von ganz eigenartigem Reiz, der heute noch auf uns wirkt, einschloß. Die vornehme Einrichtung des Stalles für 128 Pferde mit den schönen toskanischen Säulen und den 24 Brunnen in Gestalt von Pferden in Reliefs waren damals berühmt.
Johann Georg selbst, der große Jagdfreund, hatte den schon von seinem Vater angelegten Jägerhof in der Neustadt noch vervollkommnet und allerhand Neueinrichtungen im Jahre 1617 vollendet. Vielleicht hat ihn gerade dies veranlaßt, den Kaiser an der Neustädter Seite landen zu lassen, damit er seinen Lieblingsbau, in dessen Höfen die englischen und deutschen Hunde gepflegt wurden, sogleich kennen lerne. Nur wenige Reste an der Wiesentorstraße erinnern heute noch an diese sehr umfänglichen und hier und da mit gefälligen Türmen und Giebeln geschmückten Anlagen. Schon gab es außer
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 25. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/28&oldid=- (Version vom 25.2.2026)