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den Räumen für die Hunde Bären- und Löwenhäuser in diesem ausgedehnten Jägerhofe; im Jagdbuche des Kurfürsten heißt es unter dem 18. März 1617: „Im Lewenhause einen Kampf gehalten, dorinnen von Lewen gewürget worden“[1]. Ehe die sich nahenden Gäste diese Baulichkeiten erblickten, winkte ihnen von der Spitze der Jungfernbastion, da, wo jetzt das Königliche Belvedere steht, das im Jahre 1589 begonnene und gerade im Jahre 1617 durch ein Obergeschoß erhöhte Lusthaus.
Von alledem nun, was sich während der eigentlichen Besuchsfahrt abgespielt hat, liegen keine Akten und ausführlichen Berichte vor. Es fehlt ein so offener, treuherziger Bericht, wie ihn von Kaiser Maximilians Besuch 1575 ein Anhaltischer Fürst an den Grafen von Henneberg gerichtet hat. Nur in einzelnen gleichzeitigen Mitteilungen, schriftlichen und gedruckten „Zeitungen“, wie sie von Hof zu Hof gingen oder für das wißbegierige Publikum gedruckt wurden, hören wir von dem außergewöhnlichen Zustande, in dem sich die Stadt Dresden in jener Zeit befand[2].
Am eingehendsten hat sich ein gelehrter, aber dabei sehr gewandter Mann über das, was er in diesen Festtagen selbst erlebt hat, geäußert. Es ist dies Thomas Avenarius, der aus Eilenburg stammte, einst Lehrer in der Familie derer von Maltitz auf Berreuth gewesen war und zur Zeit der berühmten Zusammenkunft des Kaisers und des Kurfürsten Kantor zu Weesenstein war. Seine Familie (deutsch Habermann) war im 16. Jahrhundert aus Böhmen eingewandert, und die Männer hatten sich meist gelehrten Studien gewidmet. Auch Thomas war gelehrt gebildet, außerdem dichterisch, vor allem aber musikalisch veranlagt. 1614 hat er einen Horticello (Gärtlein) anmutiger, fröhlicher, trauriger amorosischer Gesänglein verfaßt. Schloß Weesenstein gehörte damals dem Geschlechte derer von Bünau. Ein von 1570 bis 1626 darauf sitzender Rudolf von Bünau war ein höchst kunstsinniger Schloßherr. Noch heute zeigt das mit Renaissance-Ornamenten reichgezierte Hauptportal des Schlosses die Jahreszahl 1575. Die Gemächer des sogenannten neueren Teiles wurden auf seine Veranlassung zum Teil erbaut, zum Teil ausgeziert. Für die Schloßkirche erwarb er eine Orgel und zwei neue Glocken, die heute noch in Weesenstein erklingen. Um den musikalischen Teil des Gottesdienstes zu verschönern, gründete er 1574 eine Kantoreigesellschaft, für deren Unterhalt er ein Kapital aussetzte. Es sollten von den Zinsen der Schloßprediger, der Schullehrer, vier Kapellknaben, ein Kalkant, der Küster und der Läuter unterhalten werden. Der Lehrer war nach seiner Bestätigung ludi moderator et Director chori musici[3].
Der damalige Kapellmeister zu Weesenstein hat sich nun bewogen gefunden, die Reise des Kaisers, des Königs und des Erzherzogs und ihren Aufenthalt in Dresden in 1200 kurzen Reimpaaren („teutsche Reim“, wie er selbst sagt) zu besingen und dies Büchlein dem Kurfürsten Johann Georg zu widmen[4]. Es erschien in der königlichen Stadt Budissin bei Nicolao Zipsern im Jahre 1618 und betitelt sich: Panégyris Caesarea, das ist: Eigentliche und klare Beschreibung der hochlöblichen prächtigen Ankunft und Einzugs des etc. etc. in die Churfürstl. Stadt Dreßden und was sich in Ihrer Keys. Majestät Gegenwart daselbst von Tag zu Tag begeben und zugetragen.
Es ist eine gereimte Festchronik und enthält eine große Zahl Inschriften aus den Festtagen, sowie ein Personalverzeichnis der Teilnehmer am festlichen Einzug in Dresden. Aus verschiedenen Stellen geht hervor, daß Avenarius als Augenzeuge umhergelaufen ist; auch konnte ihm sein Schloßherr, der höchst wahrscheinlich unter den fünf Bünaus, die in der Begleitung des Kurfürsten auftraten, gewesen ist, mancherlei berichten. Das Ganze ist nicht ohne eine gewisse naive Frische geschrieben, an manchen Stellen weitschweifig, mit manchem Fremdwort „gezieret“ und natürlich in demütig-bescheidener Gesinnung gehalten. Die Angaben machen den Eindruck der Wahrheit und lassen sich auch hier und da als richtig nachweisen.
Avenarius preist im Eingange das unverhoffte Glück, das Dresden und seinem kurfürstlichen Herrn beschieden war: daß, nachdem schon 1575 ein kaiserlicher Gast daselbst eingezogen war, nun unerwartet 1617 wieder ein so hoher Herr und noch dazu in so ehrenvoller Begleitung gekommen sei. Und alsbald beginnt er seine poetische Beschreibung: 163 in Schwarz und Gelb oder in Weiß und Grün gekleidete Schiffsleute haben die 7 ausgezierten Schiffe nach „Labast“, d. i. Lobositz, gesteuert. Ende Juli waren die Gäste in dieser dem Adam von Wallenstein gehörigen Stadt angekommen und bestiegen am 2. August die Schiffe; der Kaiser fuhr auf einem Schiff.
Das wird genannt
Der Löw, in Dresden wohlbekannt.“
- ↑ Königl. Bibl. Ms. R. 7b. – In Ms. R. 7c ist ein solcher Löwen- und Bärenkampf auf dem Titelblatte abgebildet.
- ↑ Dergl. schriftliche und gedruckte Zeitungen im Herzogl. Haus- und Staatsarchiv zu Zerbst; ferner Vera Descriptio Visitationis.... Dresden 1617 (Königl. Bibl. zu Dresden Hist. Saxon. G. 132, 7).
- ↑ Viktor Hantzsch in Meiche, Die Burgen und vorgeschichtlichen Wohnstätten der Sächs. Schweiz, S. 97. – Sachsens Kirchengalerie 4, 28.
- ↑ Das Exemplar auf der Königl. Bibliothek in Leder und Goldschnitt mit je einem aufgeprägten Hirschbilde in den 8 Ecken der Decken ist gewiß dem Kurfürsten selbst geschenkt worden.
Dr. Otto Richter (Hrsg.): Dresdner Geschichtsblätter Band 5 (1909 bis 1912). Buchdruckerei der Wilhelm und Bertha v. Baensch Stiftung., Dresden 1909 bis 1912, Seite 26. Digitale Volltext-Ausgabe bei Wikisource, URL: https://de.wikisource.org/w/index.php?title=Seite:Dresdner_Geschichtsbl%C3%A4tter_F%C3%BCnfter_Band.pdf/29&oldid=- (Version vom 25.2.2026)